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Terror in Boulevardmedien : „Das Internet kann nicht alles besser“

Die „B.Z.“-Titelseite vom 24. Juli 2016 Bild: Foto B.Z.

Wie soll man mit den Bilder des Terrors umgehen? Und wie mit der Hysterie im Netz? Ein Gespräch mit „B.Z.“-Chefredakteur Peter Huth über Boulevardjournalismus in Zeiten von Terror und digitaler Panik.

          Vor ein paar Tagen gab es einen Mord in einer Klinik im Berliner Stadtteil Steglitz. Ein klassisches Boulevardthema. Aber in der aufgeladenen Atmosphäre nach all den Terroranschlägen bekam er eine ganz andere Dimension. Wie ist die „B.Z.“ mit dem Thema umgegangen?

          Harald Staun

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Es ist wirklich eine komplizierte Lage, weil die Dinge so viele Ebenen berühren. Der Täter war ein Deutscher und war 72 Jahre alt, nehmen wir mal an, er hieß Hans Müller. Hieße er Ali Mustafa, wäre die Geschichte in der Öffentlichkeit bei genau gleichem Tatablauf und gleicher Motivlage in eine komplett andere Richtung gegangen.

          Vor ein paar Jahren wären solche Geschichten nur im Vermischten aufgetaucht.

          Ein Mord in der Klinik wäre bei uns natürlich schon die Schlagzeile gewesen. Aber er wäre nicht als Twitternachricht um die Welt gegangen. Neu ist die Art und Weise, wie gerade Populisten und deren Bekämpfer das Netz nutzen. Die einen twittern „Wetten auf die Nationalität werden angenommen.“ Die AfD twittert: „Es ist Krieg, die Leute sind bewaffnet“. Und wenn dann die Nachricht kommt, dass es ein Deutscher war, verschicken sie Bilder von knallenden Sektkorken und schreiben dazu: „Gutmenschen, als sie hörten, dass es ein Deutscher war“. Das ist total absurd. Wir haben uns entschieden, mit einer Geschichte über all diese problematischen Gerüchte aufzumachen.

          „B.Z.“-Chefredakteur Peter Huth

          Haben Sie das Gefühl, dass die Medien sich langsam auch über die Rolle ihrer Berichterstattung bewusst werden? Sie haben am vergangenen Sonntag, nach dem Attentat von München, nicht nur darauf verzichtet, das Bild des Täters auf der Titelseite zu zeigen, sondern dies auch noch ausdrücklich zum Thema gemacht: Sie haben eine weiße Fläche gezeigt, darüber die Schlagzeile: „Dein Foto kommt nicht auf unseren Titel!“. Wie kam es zu dieser Titelseite?

          Natürlich wäre die klassische Lösung gewesen, das Foto auf die Seite eins zu stellen. Im Fall von Würzburg hatten wir das auch noch so gemacht, mit der Zeile „Der Terror trägt das Gesicht eines Kindes“ – weil wir es für das Frappierendste hielten, dass ein 17-Jähriger zu so etwas fähig ist. Ich war am Samstag den ganzen Tag mit Leuten bei Facebook und Twitter in Diskussionen, weil wir am Vortag den Dialog des Münchner Täters mit dem Mann auf dem Balkon abgedruckt hatten. Einige fanden das gut, andere nicht. Auch ein Twitter-Nutzer namens Hansheiner Ritzer kritisierte, dass man so dem Täter zu viel Aufmerksamkeit schenke. Auf meine Frage, wie er es anders machen würde, schlug er vor: „Versucht’s doch mal mit dem Teaser: ‚Unseren Titel kriegt der nicht!“. Das fand ich eine wirklich gute Idee. Vor allem, als am Samstag klar wurde, dass sich der Täter mit anderen Amokläufern beschäftigt hat, dass er also der klassische Typ von Nachahmungstäter war und die gleiche Prominenz haben wollte.

          Es wird ja immer deutlicher, dass es sich in vielen Fällen um Nachahmungstäter handelt, auch bei Terroranschlägen. Die französische Tageszeitung „Le Monde“ etwa hat jetzt angekündigt, in Zukunft keine Bilder von Terroristen mehr zu zeigen. Gibt es jetzt auch bei der „B.Z.“ die grundsätzliche Entscheidung, Amokläufern diese Form der Aufmerksamkeit zu verweigern? Oder ging es Ihnen einfach um eine pointierte Schlagzeile?

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