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Internet Die Front gibt es nicht

12.01.2008 ·  Bestimmte Blogger sehen in etablierten Journalisten Feinde, Besitzstandswahrer, Gegner von der „anderen Seite“. Doch den vermeintlichen Graben gibt es nicht: Der Blogjournalismus wird in den etablierten Medien aufgehen.

Von Tobias Rüther
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Irgendwann, als sie den grässlichen Stil und die ungehobelten Sitten nicht mehr ertragen konnte, mauerte Lady Astor eine Fensterfront ihres Anwesens auf Rhode Island einfach zu - um die geschmacklosen Häuser ihrer neuen Nachbarn, der Vanderbilts und Don Alphonsos und wie sie alle heißen, nicht länger ansehen zu müssen.

Das Internet dagegen lässt sich nicht zumauern, seine Akteure rühmen sich ja gerade damit, dass es „die Welt nivelliert“, wie Thomas Knüwer, Blogger beim „Handelsblatt“, am Donnerstag auf einem Berliner Podium prophezeite. Sein Kollege Don Alphonso träumt sogar davon, dass es den „Journalismus beerdigt“, aber so schnell lassen sich Institutionen nicht unterkriegen: Das hat Lady Astor als amerikanische Institution des neunzehnten Jahrhunderts vorgemacht, als sie schließlich den Architekten der Vanderbilts anheuerte, um ihr Wohnzimmer renovieren zu lassen, nur schöner.

Niemand ist gegen das Internet

So ungefähr kann man sich auch das Verhältnis von etablierten Medien zum Blogjournalismus vorstellen: Das eine wird im anderen aufgehen, beides sich ergänzen, weil niemand ernsthaft gegen das Internet ist - man kann ja auch nicht gegen Strom, Wasser oder Kreise sein. Die Front gibt es also gar nicht, die sich Blogger wie Knüwer oder Don Alphonso herbeiwünschen, um in etablierten Journalisten Feinde zu sehen, Besitzstandswahrer, Gegner von der „anderen Seite“ (Don Alphonso), von hinter der Mauer und dem Mond.

Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes, Michael Konken, hat kürzlich gefordert, im Online-Journalismus „Müll von Qualität“ zu trennen, und Blogs dabei „eher“ als „Tummelplatz für Menschen“ bezeichnet, „die zu feige sind, ihre Meinung frei und unter ihrem Namen zu veröffentlichen“. Darauf warf ihm Knüwer „Führerbunkermentalität“ vor und raunte später, als die gemeinsame Diskussion zwischen Bloggern und Journalisten vom Donnerstag anberaumt wurde, „es könnte blutig werden“.

Wurde es aber nicht, weil keiner der Journalisten gegen das Internet redete - auch wenn Knüwer sich noch so die Haare raufte und seinen Kopf auf das Knie rammte, um zu zeigen, wie es ihn quälte, was er da zu hören bekam. Dass auch das Internet Regeln braucht, um Persönlichkeitsrechte zu schützen. Dass eine Gesellschaft sich auf einen öffentlichen Diskurs verlassen können muss, in dem Institutionen und Prozeduren wiedererkennbar sind. „Wir brauchen keine neuen Regeln, wir brauchen Investitionen“, rief Knüwer. Deswegen steigen die Investitionen der Verlage ins Internet ja auch so massiv. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.

Quelle: F.A.Z., 12.01.2008, Nr. 10 / Seite 33
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