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Internetforum zur Islamkonferenz Besser nicht alle Feste feiern, wie sie fallen

10.12.2008 ·  Im Internet lädt die Islamkonferenz jetzt zum öffentlichen Streit über Religion und Moscheen ein. Ob daraus eine Debatte entstehen kann, muss sich erst noch zeigen. Vor allem das Thema islamischer Religionsunterricht könnte einen öffentlichen Streit gut vertragen.

Von Regina Mönch
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Nur wenige Stunden nachdem Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble das Internetforum der Islamkonferenz freigeschaltet hatte, konnte man bereits seitenlang die Kommentare interessierter Bürger lesen. Sie schrieben recht deutlich unter anderem zu einem braven Artikel über „Islam im Schulalltag“, der sich mühte, alle Konfliktzonen an einer Hamburger Schule watteweich zu verpacken. Einer der ersten Internetbesucher fragte darum höflich, wie er die widersprüchliche Rede des engagierten Lehrers über muslimische Eltern, die ihren Töchtern die Klassenfahrt versagen, weil sie „fürchten, sie könnten dort mit Jungen zusammenkommen“, denn interpretieren solle.

Der Lehrer hatte erklärt, mit nur wenigen Eltern überhaupt Kontakt zu bekommen. Um das zu ändern, habe die Schule einen Deutschkurs für sprachlose Mütter mit angeschlossener Kinderbetreuung eingerichtet, der sehr gut besucht werde. Dann aber die Bilanz des Lehrers: „Bisher habe ich dadurch aber nicht mehr Kontakt zu den Eltern bekommen.“ Der Kommentator macht darauf aufmerksam, dass hier irgendwas nicht stimmt, und unterschreibt seinen Text mit „Nachdenklich“.

Mathe in der Moschee

Auf der Startseite dieses Internetportals können die Bilanz der letzten zwei Jahre nachgelesen werden und alle möglichen diskussionswürdigen Themen. Dort mag beispielsweise darüber gestritten werden, ob es ein Glück für muslimische Kinder ist, nun auch noch Mathe-Nachhilfe in der Moschee zu bekommen, also in den Koranschulen oder dem sehr umstrittenen Verband der islamischen Kulturzentren, deren Integrationskraft bisher im Verborgenen blieb. Im redaktionellen Mathe-Moschee-Beitrag, der die Qualifikation der Nachhilfelehrer kaum untersucht, darf immerhin Ezhar Cezairli als Mitglied der Islamkonferenz sagen, warum sie das sehr bedenklich findet und eher desintegrativ.

Die Islamkonferenz hat mitgeteilt, dass neben den redaktionellen Beiträgen des Internetforums, die hoffentlich bald etwas weniger bemüht, dafür genauer die Wirklichkeit an Schulen mit überwiegend muslimischen Schülern beschreiben, noch ein Sonderportal für die Teilnehmer der Islamkonferenz eingerichtet wird. Dieses wird aber nicht öffentlich sein, soll vielmehr der Selbstverständigung dienen.

Beunruhigende Verhältnisse

Dort wären dann, vielleicht, die kontroversen Statements der Arbeitsgruppe „Deutsche Gesellschaftsordnung und Wertekonsens“ nachzulesen, die sie nach einem Besuch an einer Berliner Grundschule im Sommer verfasste. Während die einen – meist Funktionäre der orthodoxen Islamverbände – die Schule in desolatem Zustand erlebten, präzisierten andere, säkulare Muslime, Wissenschaftler und Beamte, ihren Eindruck durchaus prekärer, beunruhigender Verhältnisse. Es handelt sich um eine der bestausgestatteten Ganztagsschulen in einem sozialen Brennpunkt. Mit riesiger Bibliothek, Mensa, Küche (davon können Gymnasien in bürgerlichen Vierteln nur träumen), großzügigen Sportplätzen und Freiflächen, vielen unsichtbaren Eltern und vielen zur Intoleranz erzogenen muslimischen Schülern, an denen zum Teil sogar der Englischunterricht abprallt, weil Englisch eine „Christensprache“ sei.

Die Lehrer, die der Konferenz damals offen nicht nur über Probleme mit Eltern und Schülern berichteten, sondern auch über den bedenklichen Einfluss der „Islamischen Föderation“, die hier ihren hochumstrittenen Religionsunterricht erteilt, sind längst wieder schweigsam. Man hat ihnen wohl bedeutet, dass nach draußen besser nur das Positive dringe, einige glauben das inzwischen selbst. Konflikte sind rufschädigend, egal, wie stark darunter das tolerante Miteinander an einer Schule leidet.

Ein offener Streit ist nötig

Kritische Reflexion als Unruhepotential, das war auch im Gesprächskreis Medien zu spüren, der vor der feierlichen Freischaltung tagte. So interessierten sich Journalisten, vor allem Baha Güngör, einflussreicher Türkeiexperte der „Deutschen Welle“, beispielsweise dafür, warum die F.A.Z. Autoren wie Necla Kelek druckt, was er offenbar sehr missbilligt. Es schien ihn nicht zu überzeugen, dass eine Redaktion ihre Beiträge nach anderen Qualitätskriterien als ein Verbandsforum auswählt. Im Januar schon soll öffentlich über die Medien und ihr Verhältnis zum Islam gestritten werden.

Ein kleiner Misston störte den festlichen Empfang, den der Bundesinnenminister danach gab. Denn die Freigabe des Internetportals am 8. Dezember, am Tag des islamischen Opferfestes, sollte auch eine symbolische Geste der Wertschätzung sein. Nur sei das ein wenig so, als würde man am ersten Weihnachtsfeiertag zu einem offiziellen Termin geladen, merkte Kenan Kolat, Präsident der Türkischen Gemeinde Deutschlands, freundlich-ironisch an. Die Vertreter des Koordinierungsrates der Muslime waren dem Fest am Festtag ferngeblieben. Demonstrativ wie immer, denn die Einladungen waren seit Wochen verschickt, genug Zeit also, um dem Gastgeber zu bedeuten, dass man mit einem solchen Geschenk anderntags glücklicher geworden wäre.

Wenn alles gut geht und das Versprechen der Organisatoren der Islamkonferenz sich einlöst, mit diesem Internetforum werde sich auch die deutsche Öffentlichkeit in die schwierige, kontroverse Debatte um den Islam in einer freien Gesellschaft einbringen, hätte sich Wolfgang Schäubles kühner Versuch allemal gelohnt. Vor allem das Thema islamischer Religionsunterricht kann einen öffentlichen Streit gut vertragen, drohen zurzeit in Deutschland doch viele Projekte an der Omnipotenz radikaler und orthodoxer Islamvereine zu scheitern. Am Widerstand der Minderheitenlobbyisten, die Säkularität als einen Störfaktor empfinden und die sich nun – aufgewertet, weil als Einzige in allen Arbeitsgruppen der Konferenz vertreten – anschicken, den Religionsunterricht zu dominieren, wozu sie aber weder fachlich noch rechtlich in der Lage sind.

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Jahrgang 1953, Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

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