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Integration Der große Bruder wird's schon richten

Die Türken haben ein Problem mit der Integration. Aber türkischstämmige Politiker hintertreiben eine Lösung, ihre Klientel stilisieren sie als Opfer, deren schlechte Anwälte sie sind. Ein Plädoyer der Publizistin Necla Kelek.

© Andreas Pein Vergrößern Die Soziologin und Publizistin Necla Kelek

Wer in diesen Tagen die türkische Presse in Deutschland liest, der erfährt, was die Türken hierzulande vermeintlich bedrückt. Unter der Überschrift „Eure Sorgen, unsere Sorgen“ und in anderen Artikeln wird in der „Hürriyet“ eine Wehklage über eine Maßnahme des Auswärtigen Amts geführt. Empört wird berichtet, dass in der Botschaft Paare, die einen Antrag auf Familienzusammenführung stellen, danach befragt werden, wie lange sie sich denn kennen.

Wenn das Amt den Eindruck habe, die Ehe wurde arrangiert, Braut und Bräutigam sich gar nicht oder nur flüchtig kennen, werde angeblich das Visum verweigert. Die türkische Gemeinde und andere Lobbyisten versuchen seit der Reform des Zuwanderungsgesetzes die Regelung, nach der „Importbräute“ achtzehn Jahre alt sein und dreihundert Worte Deutsch lernen müssen, zu kippen. Für sie sei das diskriminierend und eine der wichtigsten Sorgen unter „1000“, die Türken in Deutschland hätten.

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Man heiratet unter sich

Laut „Hürriyet“ klagten türkische Eltern: „Damit die Kinder in die Krippe aufgenommen werden, sprechen wir mit ihnen Deutsch. Aber dann können sie kein Türkisch und vergessen die Kultur. Wir halten uns daran, was Erdogan gesagt hat, Integration ja, Assimilation nein. Aber wie soll das gehen?“ Sie beklagen sich darüber, nicht mehr in Ruhe Mädchen aus ihren Heimatdörfern mit ihren Söhnen hier verheiraten zu können. Folgt man dieser Berichterstattung, geht es den Türken in Deutschland miserabel. Und es überrascht auch nicht, wie das Gutachten des Berliner Instituts für Bevölkerung und Entwicklung „Ungenutzte Potenziale. Zur Lage der Integration in Deutschland“ aufgenommen wurde.

Der Report stellt ja nicht nur fest, dass die türkischen Migranten die am schlechtesten integrierte Gruppe sind, sondern auch, dass dreiundneunzig Prozent der Türken Ehepartner aus ihrer Gruppe suchen, sie also unter sich heiraten und unter sich bleiben und anderes mehr. Insgesamt beschreibt die Studie ein differenziertes Bild vom Stand der Integrationsbemühungen in Deutschland, zeigt Erfolge, Defizite und Ziele. Eines davon wäre: „Sinn und Zweck von Integration ist es allerdings, dass die familiäre Zuwanderungsgeschichte irgendwann keine Rolle mehr für ein erfolgreiches Leben in der Gesellschaft spielt.“

Bankrott der Lobbypolitik

Insgesamt ist die Studie auch eine Bankrotterklärung der türkischen Lobbypolitik der letzten Jahrzehnte, wird hier doch deutlich, dass es eben nicht die sozialen oder ökonomischen Verhältnisse sind, die über Erfolg oder Misserfolg der Einwanderer bestimmen, sondern in großem Maße die sozio-kulturellen und religiösen Bedingungen und auch patriarchale Familienstrukturen. Das gefällt naturgemäß weder der türkischen Presse noch denjenigen, die in der Öffentlichkeit spezifisch türkische Interessen vertreten.

Als Kronzeuge ihrer These, all dies sei üble Nachrede - „Die Türken werden abgestempelt“ -, zitiert „Hürriyet“ den emeritierten Migrationsforscher Bade, der die Ergebnisse der Studie nicht akzeptieren kann und stattdessen relativiert. Sinngemäß, weil zurück aus dem Türkischen übersetzt, sagt Bade: Wie müsste man dann (wenn man diese Zahlen ernst nimmt) über die ständig steigende Zahl der Analphabeten in Deutschland sprechen. Und er gibt gleich die Interpretation der Studie vor: „Es ist ein soziales Problem, kein türkisches.“ Liest und hört man die Kommentare der türkischstämmigen Politiker, scheint tatsächlich das Integrationsproblem mit den Türken wenig, mit der deutschen Politik aber viel zu tun zu haben. „Es geht vor allem um eine soziale Frage und nicht um eine kulturelle“, so der Grünen-Chef Cem Özdemir. „Es ist falsch, Integration nach ethnischen Kriterien zu beurteilen“, erklärt Hakki Keskin von der PDS, und sein Parteigenosse Ali al Dailami möchte gleich alle Türken einbürgern. Emine Demirbüken-Wegner aus dem Bundesvorstand der CDU sagte Tage zuvor zum Problem der Gewalt unter Jugendlichen Ähnliches: „Ethnisierung des Problems hilft uns nicht weiter.“ Und die Kölner SPD-Abgeordnete Lale Akgün erklärt, dass die schlechten Ergebnisse an der Bildungspolitik und an mangelnden Perspektiven für die Migranten lägen.

Der „abi“ wird es richten

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