Zwischen dem russischen Gasmonopolisten Gasprom und Petersburger Denkmalschützern herrscht wieder Krieg, diesmal um die auf dem Baugrundstück für den nicht realisierten Wolkenkratzer gefundenen Reste schwedischer, russischer und finnischer Festungsanlagen. Nach dem erzwungenen Ende der Bauarbeiten beschloss Gasprom, am Ochtazufluss ein Wohn- und Geschäftszentrum zu errichten. Dazu finanzierte der Konzern Grabungsarbeiten Petersburger Archäologen, die, so der Plan, alles kulturgeschichtlich Wichtige bergen und den Boden dann freigeben würden. Doch die Forschergruppe Pjotr Sorokins vom Institut für Kultur- und Naturerbe fand außer Überbleibseln der schwedischen Festung Nienschanz auch Fundamente früherer Bauten. Ihr Bericht, der von der Akademie der Wissenschaften bestätigt wurde, verlangt, den gesamten Ort, der schon auf "Petersburger Troja" getauft wurde, zum Denkmal erklären zu lassen. Die erzürnte Gasprom-Leitung wirft Sorokin und seinen Kollegen Vertragsbruch vor und verlangt 2,5 Millionen Euro Schadenersatz, was in drei Instanzen abgelehnt wurde. Die Archäologen erhoben eine Gegenklage und fordern von Gasprom 120 000 Euro für geleistete, aber nicht bezahlte Arbeit. Dennoch gelang es dem Gasriesen, aufgrund einer inzwischen wieder kassierten Schiedsgerichtsentscheidung vom Juni zugunsten von Gasprom, die Konten von Sorokins Institut sperren zu lassen - ein Druckmittel, so der Forscher, der die Archäologen für ihre unerwünschten Erkenntnisse bestraft.
kho