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Ehrung des Mohammed-Karikaturisten Angela Merkels Risiko

Ein Tag für die Geschichtsbücher: Mit ihrer Ehrung des dänischen Mohammed-Karikaturisten macht die Kanzlerin deutlich, dass Europa ein Ort der Meinungsfreiheit ist. Mit dem Foto, welches sie neben Kurt Westergaard zeigen wird, geht Merkel aber auch ein großes Risiko ein.

© picture-alliance/ dpa/dpaweb Vergrößern Auf dem Höhepunkt der Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen: In Manila brennt im Februar 2006 der Danebrog

Wenn Angela Merkel heute Abend im Schloss Sanssouci den m100-Medienpreis an den dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard überreicht, wird das Bild davon um die Welt gehen. Die Folgen eines solchen Fotos sind unabsehbar: Noch immer haben Islamisten ein Kopfgeld auf den fünfundsiebzigjährigen dänischen Karikaturisten ausgesetzt, noch immer reicht die Erwähnung seines Namens und seines Werks, insbesondere des Propheten mit der Bombe im Turban, um fast in jedem islamisch geprägten Land wütende Massen auf die Straße zu treiben.

Nils Minkmar Folgen:  

Die Entscheidung der Bundeskanzlerin, Westergaard zu ehren und an seiner Seite fotografiert zu werden, reicht in ihrer symbolischen Bedeutung weit über den Tag hinaus. Es ist ein Tag für die Geschichtsbücher. Angela Merkel setzt heute einen der Akzente ihrer Kanzlerschaft und tut es in einer Zeit, in der sich die Zeichen starker kultureller Spannungen selbst im Alltag aufdrängen.

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Der Kleinbus wippte vor Vergnügen

Am späten Sonntagnachmittag fiel mir ein Kleinbus auf, der durch die Frankfurter Innenstadt schaukelte. Drin saßen ein halbes Dutzend Islamisten, die wirklich alles taten, damit man sie auch ja als solche erkennt: weißes Gewand, weiße Kappe, Bart, so gut er wächst, und auf der Stirn diese dunkle Stelle, die entsteht, wenn die Haut sich sehr oft am Gebetsteppich reibt. Ich fuhr in der Spur zu ihrer Linken und sah, dass sie sich köstlich amüsierten. Sie lachten und schauten nach rechts, zu einem anderen Fahrzeug, und gestikulierten und grimassierten dorthin. Der Kleinbus wippte vor ihrem Vergnügen. Später konnte ich erkennen, wem ihr Hohn und Spott gegolten hatte: Neben ihnen war ein Taxi, in dem zwei junge Männer mit Glatzen saßen. Nun bemerkten mich auch die Islamisten und schauten zu mir. Es waren junge Männer, fast schien es ihnen peinlich, dass ich sie bei ihrem ausgelassenen Treiben beobachtet hatte.

Kurt Westergaar zeichnet © AP Vergrößern Angela Merkels Solidarität mit Westergaard könnte einen hohen außenpolitischen Preis fordern

Unweigerlich schien mir die kleine spätsommerliche Szene wie ein Symbol künftiger Sorgen: Liefern sich hier bald wildgewordene, vollbehaarte Islamisten Straßenkämpfe mit Glatzköpfen? Es kann alles ganz anders gewesen sein, aber diese Deutung bot sich an, denn in diesen Tagen ist der interkulturelle Kessel besonders unter Druck. In allen europäischen Ländern erstarkt der rechte Rand. Sorgen vor Überfremdung mischen sich mit der Erkenntnis, als Staat, ja als Kontinent in mehrfacher Hinsicht abgehängt zu werden. In zahlreichen Internetforen wird dem Hass auf Araber, Türken und Muslime freier Lauf gelassen. In den Vereinigten Staaten soll dem Präsidenten geschadet werden, indem man das Gerücht verbreitet, er sei Muslim – eine Religionsbezeichnung wird zum Schimpfwort. Und eine Gruppe radikaler Christen rief zur Verbrennung des Koran auf.

Ein historisches Datum

Auch die andere Seite dreht auf: Iran entwickelt seelenruhig sein Nuklearprogramm und beantwortet die weltweiten Proteste gegen eine zur Steinigung verurteilte Frau dadurch, dass diese zu zusätzlichen Peitschenhieben verurteilt wird. Vor den Augen der Welt wurde die bürgerliche gewaltfreie Opposition mit den in dortigen Gefängnissen üblichen, grauenvollen Methoden unterdrückt. Obendrein unterstützt das Land Terrorbewegungen in der ganzen Welt, vermutlich auch die Operationen gegen die Nato-Truppen in Afghanistan. In Rom konnte Muammar al Gaddafi eine seltsame Missionierungsschau vor jungen Frauen veranstalten. Und immer noch stehen Personen, die sich kritisch oder satirisch mit dem Islam auseinandergesetzt haben, auf Todeslisten.

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