http://www.faz.net/-gsf-xusc
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 25.06.2010, 00:01 Uhr

Die Schrumpfvergreisung der Deutschen Deutschland verschläft den Kampf um Talente

Der wahre Reichtum der Nationen besteht in der Intelligenz ihrer Bevölkerung. Hierzulande sorgen Sozial- und Einwanderungspolitik jedoch dafür, dass wir auf Dauer verarmen werden. Denn Talente aus dem Ausland werden dorthin gehen, wo sie nicht mehr als die Hälfte ihres Einkommens versteuern müssen.

von Gunnar Heinsohn
© picture-alliance/ ZB Drei von zwanzigtausend: Studenten aus China in der Bibliothek der Technischen Universität Chemnitz

Die Tüchtigen Deutschlands, die viele Millionen Bildungsferne und ihren stetig zunehmenden Nachwuchs versorgen, dürfen Stolz empfinden. Denn dieses Land hat nur selten Fremde beschützt oder gar befreit. Eine Billion Euro Sonderschulden aber hatte Deutschland bereits 2007 für Migranten, die mehr aus den Hilfesystemen entnehmen, als sie aufgrund schlechter Schulleistungen und anderer Handicaps in sie einzahlen können. Auf jeden der 25 Millionen vollerwerbstätigen Nettosteuerzahler fallen allein für diese historisch einmalige Aufgabe 40.000 Euro Schulden.

Gleichwohl leben die Versorger in einer Nation, die seit bald vierzig Jahren bei den Geburten rund ein Drittel unter der Bestandserhaltung liegt (1,4 statt 2,1 Kinder pro Frau) und deshalb mit einem Durchschnittsalter von 44 Jahren nur noch von Monaco und Japan übertroffen wird. Das stellt die jungen Menschen mit Ausbildungsreife vor gewaltige Aufgaben. Sie müssen nicht nur die Alten und Minderjährigen versorgen, sondern jeweils zu dritt auch noch für einen Gleichaltrigen ohne Ausbildungsreife nebst Nachwuchs bezahlen. Denn nach Messungen der Bundesregierung war schon 2009 ein Viertel der Fünfzehnjährigen nicht ausbildungsreif.

Mehr zum Thema

Die Sozialpolitik in Deutschland: ein Fall für sich

Womöglich auch deshalb äußerten 2007 rund 87 Prozent der hiesigen Hochschulabsolventen den Wunsch, in anderen Ländern Karriere zu machen. Von hundert Nachwuchskräften, die das Land benötigt, werden fünfunddreißig nie geboren, wandern zehn aus und schaffen fünfzehn keine Berufsausbildung. Da können die Emigrationsphantasien der verbleibenden vierzig nicht überraschen.

Infografik / Ausbildung Belastung Alleinerziehender © FAZ.NET Vergrößern

Die Welt kennt fünf Ränge der Sozialpolitik. Unten stehen rund 160 Nationen ohne Hilfe für soziale Notlagen. Konkurrenten wie China und Indien gehören dazu. Darüber rangieren die Vereinigten Staaten. Sie geben ihren Bürgern ein Fünfjahreskonto, mit dem diese sparsam umgehen, um bei Notlagen Halt zu finden. Vorher weichen sie auf Ersparnisse, Verwandte oder schlecht bezahlte Arbeit aus. Auf dem dritten Platz liegt ein rundes Dutzend Nationen, in denen zwar lebenslänglich Sozialhilfe gewährt wird, diese aber knapp ausfällt wie in Italien und England. Auf dem zweithöchsten Rang findet sich ein weiteres Dutzend Nationen. Auch sie zahlen lebenslänglich und dazu relativ großzügig aus, wobei Norwegen, Finnland und die Schweiz an der Spitze liegen. Den ersten Rang belegt Deutschland allein.

Es zahlt ebenfalls lebenslänglich und liegt in der Höhe nur knapp hinter der Schweiz. Überdies aber gibt es den Frauen auf Sozialhilfe in Form von Elterngeld Sonderprämien, wenn sie ihre risikoreiche und pädagogisch ungünstige Existenz auf weitere Neugeborene ausdehnen. Aus diesem Grund haben Frauen in Deutschland eine viermal höhere Wahrscheinlichkeit für prekäre Mutterschaften als in den übrigen hochentwickelten Nationen.

Sie kostet die Steuern von zwei Vollerwerbstätigen

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Islam und Europa Wie kann der Westen westlich bleiben?

Wenn Mitgefühl nicht in Abschottung umschlagen soll, muss die europäische Politik rasch umdenken. Sechs Forderungen zur Integration muslimischer Einwanderer in Europa: Ein Gastbeitrag. Mehr Von Ayaan Hirsi Ali

18.04.2016, 13:19 Uhr | Feuilleton
Animation Game-of-Thrones"-Drachen werden in Deutschland ausgebrütet

Selbst eingefleischte Fans der Kult-Serie Game of Thrones" wissen nicht, dass wichtige Teile des Fantasy-Epos nicht etwa in Hollywood ausgebrütet werden, sondern in Deutschland. Bei den Firmen Pixomondo in Frankfurt und Mackevision in Stuttgart entstehen die Visual Effects für die Serie. Mehr

25.04.2016, 19:35 Uhr | Feuilleton
Sozialpolitik Kein Hartz IV mehr für EU-Ausländer

In Deutschland lebende EU-Bürger sollen künftig deutlich weniger Sozialleistungen erhalten. Sozialhilfe bekommt nur, wer schon lange ohne Unterstützung im Land ist. Der Gesetzentwurf aus dem Hause Nahles geht nun in die Abstimmung. Mehr

28.04.2016, 06:34 Uhr | Wirtschaft
Video Flauschige Nebelparder-Babys im Zoo

Der Zoo in Tacoma im amerikanischen Bundesstaat Tacoma hat Nachwuchs bekommen: Drei Nebelparder-Babys – zwei Männchen und ein Weibchen. Die Drillinge werden rund um die Uhr versorgt. Alle drei bis vier Stunden bekommen sie ihr Fläschchen, auch mitten in der Nacht. Mehr

28.04.2016, 12:27 Uhr | Gesellschaft
TV-Kritik: Hart aber fair Du hast keine Chance, aber nutze sie!

Frank Plasbergs Integrationsdebatte hat gleich mehrere Tiefpunkte. Den eingeladenen Einwanderern gelingt es aber, die Sendung vor den Ausfällen des Moderators zu retten. Mehr Von Hans Hütt

19.04.2016, 08:22 Uhr | Feuilleton
Glosse

Das stinkt zum Himmel!

Von Eleonore Büning

Es gibt sie noch, die Orte, wo nicht Autos Pferde, sondern Pferde Festspielgäste anrempeln! Berlin gehört nicht dazu. Dort plant man gerade die Verbannung der Vierbeiner. Begründung: Es stinkt. Gleich zweifach. Mehr 1

Abonnieren Sie den Newsletter „Literatur“