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Drogenhandel : Das Ende der Prohibition

Wer Drogen verbietet, riskiert, den Handel in falsche Hände zu geben: Opiumanbau in Afghanistan. Bild: AFP

Allmählich wird klar, dass der Krieg gegen die Drogen mehr Probleme schafft, als er löst. Immer mehr Staaten legalisieren Cannabis, die Lateinamerikaner fordern auch die Entkriminalisierung des Kokains.

          In der westlichen Welt ist die Kritik der Prohibition im Wesentlichen abgeschlossen, und diese Kritik ist die Voraussetzung dafür, dass die Gesetze sich ändern. Kein vernünftiger Mensch, der sich mit dem Problem der illegalen Drogen beschäftigt hat (und nicht andersgerichtete kommerzielle oder ideologische Interessen verfolgt), bestreitet die Richtigkeit der folgenden Aussagen:

          Claudius Seidl

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Harald Staun

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          dass der Krieg gegen die Drogen, 1972 vom amerikanischen Präsidenten Richard Nixon ausgerufen, weit mehr Elend und Tod gebracht hat als der Konsum der Drogen;

          dass das Verbot von Cannabis, Kokain, Heroin die Grundlage ist für die Macht jener Verbrecherkartelle, die Produktion und Handel kontrollieren, ihre Interessen mit unfassbarer Brutalität und Feuerkraft durchsetzen und in manchen Bundesstaaten Mexikos sowie in den ärmeren Vierteln der großen Städte Lateinamerikas die Staatsmacht fast völlig verdrängt und sich selbst an deren Stelle gesetzt haben;

          dass Guerrilla- und Terrorgruppen, schon weil der Feind derselbe ist, sich gern mit der Drogenmafia verbünden – die Waffen der Taliban werden auch mit den Gewinnen aus dem Opiumschmuggel bezahlt, und in Nordafrika steigen die örtlichen Ableger des IS gerade in den Drogenhandel ein;

          und dass die Menschen in Europa und Nordamerika sich von keinem Verbot daran hindern lassen, sich an illegalen Drogen zu berauschen.

          Längst eine gutbürgerliche Gewohnheit

          Die Vorlieben wechseln, Heroin ist gerade nicht so gefragt, Cannabis zu rauchen ist dagegen längst zu einer gutbürgerlichen Gewohnheit geworden, und alles in allem, sagt der Weltdrogenbericht der UN, seien Produktion und Konsum in den letzten Jahren stabil: circa 240 Millionen Menschen, ungefähr fünf Prozent der Weltbevölkerung, haben im Jahr 2014 mindestens einmal eine verbotene Droge zu sich genommen.

          Seit drei Jahren, seit dem panamerikanischen Gipfel von Cartagena, fordern die Regierungen Mittelamerikas die Vereinigten Staaten mit immer mehr Nachdruck dazu auf, den Drogenkrieg zu beenden und stattdessen mit der Entkriminalisierung auch der harten Droge Kokain zu beginnen. In Colorado, Washington und Kalifornien und neuerdings auch in Kanada hat sich schon die Erkenntnis durchgesetzt, dass, wenn die Leute unbedingt Marihuana rauchen wollen, man die Überschüsse aus dem Geschäft den Finanzämtern und nicht den schwarzen Kassen von Drogengangs zuführen sollte.

          Ein Gewächshaus für Marihuana in Kanada
          Ein Gewächshaus für Marihuana in Kanada : Bild: Bloomberg

          In Europa wird über diese Fragen naturgemäß mehr diskutiert, als dass daraus irgendein Handeln folgte. Aber dass sich gewisse Erkenntnisse ausbreiten, bis sie sogar in der europäischen Politik ankommen, das ist eine Hoffnung, die sich auch mit dem Erscheinen einiger sehr lesenswerter Bücher verknüpft: „Es reicht“ von Carmen Boullosa und Mike Wallace (Kunstmann-Verlag) zum Beispiel, das am Beispiel Mexikos die Sinnwidrigkeit der prohibitionistischen Politik beschreibt. Oder „Drogen“, der bewundernswerte Report von Johann Hari (S. Fischer), eine fast weltumspannende Recherche über die Profiteure und die Verlierer im Krieg gegen die Drogen – ein Buch, in dem so viel Richtiges steht, dass man den einen Fehler, den es macht, nicht groß herausstellen möchte, es muss aber sein, aus prinzipiellen Gründen: Cannabis, darauf kommt Hari immer wieder zurück, sei auch deshalb so populär, weil es eine oft sehr wohltuende und insgesamt nicht so furchtbar gefährliche Droge sei.

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