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Hessischer Kulturpreis : Keine Mail von Dieter Beine

  • -Aktualisiert am

Navid Kermani Bild: ddp

Mit freundlichen Grüßen aus dem katholischen Köln: Wie ich den Hessischen Kulturpreis aberkannt bekam, was ich über das Kreuz denke, wie der Dialog funktioniert - und warum Roland Koch sich schämen sollte.

          Am 20. März, dem iranischen Neujahr, teilte mir der Protokollchef des Landes Hessen, Dieter Beine, telefonisch mit, dass mir der Hessische Kulturpreis verliehen werden soll. Die anderen Preisträger seien Kardinal Karl Lehmann, der frühere evangelische Kirchenpräsident Peter Steinacker und der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Salomon Korn. Gewürdigt werden solle der kulturelle Beitrag der Religionen, mein Preisgeld betrage 11.250 Euro.

          Ich erfuhr, dass der Frankfurter Islamwissenschaftler Fuat Sezgin die Auszeichnung mit Hinweis auf die Stellungnahmen Salomon Korns zum Krieg in Gaza abgelehnt hatte. Ob ich den Preis dennoch annehme? Ja, sagte ich, nachdem ich überlegt hatte, ich nehme den Preis an, sofern ich die Möglichkeit habe, bestehende Differenzen bei der Preisverleihung anzusprechen. Dass ich nicht nur mit Herrn Korn Differenzen habe, sondern mehr noch mit dem hessischen Ministerpräsidenten Koch, der den Preis vergibt, fügte ich hinzu.

          Es gebe ein Problem

          Die Vorbereitungen begannen, das Rahmenprogramm wurde besprochen, die iranische Musikgruppe Zarbang engagiert, die Liste meiner Gäste angefordert. Ende April - das genaue Datum weiß ich nicht mehr - rief mich Herr Beine nochmals an. Es gebe ein Problem, sagte er und klang bestürzt. Herr Lehmann und Herr Steinacker seien wegen eines Textes von mir als Preisempfänger zurückgetreten. Sie würden sich weigern, mit mir zusammen ausgezeichnet zu werden, da ich ihrer Ansicht nach das Christentum beleidigt habe. Zuerst dachte ich, es liege eine Verwechslung vor oder ein Missverständnis. Mir fielen alle möglichen Texte ein, über die sich Herr Korn oder Herr Koch geärgert haben könnten, aber ich begriff nicht, was ich Verwerfliches über das Christentum gesagt oder geschrieben haben sollte. Meine religionswissenschaftlichen Bücher, in denen ich mich intensiv mit dem christlichen Glauben beschäftige, werden in theologischen Zeitschriften gelobt, regelmäßig werde ich von kirchlichen Institutionen eingeladen, selbst ein Theaterstück, das auf einer Erzählung von mir beruht, wurde auf dem Kirchentag aufgeführt.

          Gerade im letzten Jahr, das ich in Rom verbrachte, veröffentlichte ich in der „Neuen Zürcher Zeitung“ eine Serie von Texten über katholische Kirchen und Kunstwerke in Rom, die mir ebenso zahlreiche wie bewegende Zuschriften christlicher Leser beschert haben, auch aus dem Vatikan selbst. Und kürzlich hielt ich in Berlin eine Rede im Martin-Gropius-Bau, nach der ich mich dafür rechtfertigen musste, in diesen Wochen allzu positiv von der katholischen Kirche gesprochen zu haben. Und jetzt sollte ausgerechnet ich das Christentum beleidigt haben? Aber womit?, fragte ich Herrn Beine.

          Verfahrene Situation

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