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Henryk M. Broder bei Plasberg In was für einer Zeit leben wir denn?

Sein beifallsüchtiger Populismus ist bekannt. Wie sich Börne-Preisträger Henryk M. Broder allerdings in Plasbergs Talkrunde über Castingshows gab, war bodenlos: Er demütigte Personen, weil sie hatten, was ihm fehlte: Respekt vor der Würde des Menschen.

© dpa Vergrößern Verzicht auf Takt und Anstand: Henryk M. Broder

Sie sehen es als Ihre Aufgabe, darauf zu achten, was Ihre elfjährigen Kinder im Fernsehen anschauen? Dann sind Sie ein hoffnungsloser Fall, der wohl auch von Verantwortung faselt. Natürlich haben Ihre Kinder das Recht der freien Wahl. So wie Sie berechtigt sind, Ihre sechzehn- oder siebzehnjährigen Sprösslinge in Shows wie „DSDS“ („Deutschland sucht den Superstar“) zu lotsen, auch zu zwingen.

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Sollte ein zerrütteter Fast-Sieger dieser als Talentsuche getarnten Schauprozesse wie der zeitweise prominente Daniel Küblböck sagen, er sei von quoten- und profitgeilen Sendern und Konzernen missbraucht worden, dann lachen Sie und reden von Freiwilligkeit; schließlich leben wir in einer Zeit, in der Ellbogen nicht früh genug stahlhart werden können. Und sollte eine phänomenale Rock- und Jazzsängerin wie Joy Fleming widersprechen, machen Sie sie mit einem Hinweis auf ihr methusalemisches Alter stumm und weisen sie aufs Altenteil.

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Im Brennspiegel unserer verrohten Gesellschaft

Diese Einsichten verdanken wir dem Journalisten und Publizisten Henryk M. Broder, der, gerade mal ein Jahr jünger als Joy Fleming, am Mittwochabend in der Sendung „Hart aber fair“ die Frage, ob Shows wie „DSDS“ ein Brennspiegel unserer verrohten Gesellschaft seien, durch seinen Auftritt bejahte (siehe auch: Fernsehkritik: Casting-Debatte bei Plasberg). Ihm zur Seite stand der Medienmanager Thomas M. Stein, Juror der beiden ersten „DSDS“-Staffeln, ein Musterexemplar der Lemmingmentalität von Wirtschaftsgrößen („Die Leistungsgesellschaft ist längst global und darum zu praktizieren“).

Sonst abgebrüht, erklärte er einmal mit der Tor- und Reinheit eines Parzival, dass man beim Start von „DSDS“ Psychologen verpflichtet habe, um Verlierer „aufzufangen“. Die Ungeheuerlichkeit einer Sendung aber, die Menschen entblößt und bewusst an den Rand des Abgrunds treibt, war ihm offenkundig entgangen.

Ein eitler, zynischer, selbstgefälliger älterer Mann

Nicht aber dem Börne-Preisträger Broder. Genau danach giere das Publikum, und zu Recht. Weswegen er auch nur beißende Häme für den Kinderpsychologen Wolfgang Bergmann übrighatte, der wagte, Begriffe wie Verantwortung und Moral zu nennen. Selbst das könnte man Broder als den gewieften, von ihm gewohnten beifallsüchtigen Populismus abnehmen, der Talkrunden würzt. Bodenlos aber ist sein Verzicht auf das, was das Miteinander einer halbwegs zivilisierten Gemeinschaft regelt: Takt und Anstand.

Da Herr Broder gern andere Geistesgrößen neben sich öffentlich als „postsenile Plaudertasche“, „bekennenden Irren“ oder „promovierten Clochard“ tituliert, sei ihm nach diesem Abend gesagt: Wir erlebten einen eitlen, zynischen, selbstgefälligen älteren Mann, der überheblich grienend Personen demütigte, weil sie das hatten, was ihm fehlte: Respekt vor der Würde des Menschen.

Quelle: F.A.Z.

 
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