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Hauptstadt : Berliner Schloss zum halben Preis

  • -Aktualisiert am

Stadtschloss-Modell (2005) Bild: AP

Jetzt stimmt die Richtung: Für das Stadtschloss in Berlin gibt es ein neues Konzept. Danach soll der Bau mit Investitionen von rund 300 Millionen Euro deutlich preiswerter ausfallen als bislang geplant und schon 2009 begonnen werden.

          Was darf das Berliner Schloss kosten? Das ist, nach quälenden Diskussionen über die Rekonstruktion der Hohenzollernresidenz, nach mehreren Bundestagsdebatten und nach langem Streit um die Nutzung als „Humboldt-Forum“, die offene Frage, die zwischen der Leere im Herzen der Hauptstadt und einer Wiedererrichtung ihres baulichen Zentrums steht. Knapp siebenhundert Millionen Euro, lautete bislang die Antwort, und das schien der sonst nicht eben knauserigen Politik in Bund und dem Land Berlin zu viel.

          Ende November bestätigte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium, Hendricks, noch einmal in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage im Parlament, dass die Realisierung der Rekonstruktion erst „bei wirtschaftlich und haushaltsmäßig besserer Situation des Bundes“ erfolgen werde. Zum Vergleich: Der Neubau des Bundesnachrichtendienstes in Berlin, an dem seit Oktober gearbeitet wird, soll gut siebenhundert Millionen Euro kosten; die Errichtung des Berliner Hauptbahnhofs schlug, ohne aktuelle Sturmschäden, jenseits von einer Milliarde zu Buche, Details vertraulich.

          Hinweise auf einen Durchbruch

          Solange es aber keine Klarheit über die Finanzierung gibt, geschieht nichts auf dem Schlossplatz. Es wird kein Architektenwettbewerb ausgelobt, die Nutzung nach dem Abriss des Palasts der Republik bis zum Baubeginn bleibt ungeklärt, das private Engagement für das Schloss droht zu erlahmen. Nun jedoch gibt es Hinweise auf einen Durchbruch. Nach Informationen dieser Zeitung arbeitet das Bundesbauministerium an einem neuen Konzept für den Schlossbau. Danach soll das Vorhaben für den Bund erheblich preiswerter ausfallen als bislang kalkuliert und so schnell wie möglich begonnen werden. Würden sich die neuen Zahlen als realistisch erweisen, könnte das neue alte Schloss vielleicht schon 2012 in Berlins Mitte stehen.

          Die intern als „konzentrierter Entwurf“ bezeichneten Überlegungen sehen vor, das wiederaufgebaute Schloss ausschließlich für kulturelle Zwecke zu nutzen; untergebracht werden sollen darin die außereuropäischen Sammlungen der Staatlichen Museen, die wissenschaftshistorischen Kollektionen der Humboldt-Universität und eventuell auch die Zentral- und Landesbibliothek. Den lange verfolgten Gedanken, in Kooperation mit privaten Investoren im Ostflügel des Schlosses ein Hotel unterzubringen und eine aufwendige Tiefgarage zu bauen, haben die Planer aufgegeben. Auch auf die Überdachung des Schlüter-Hofes soll verzichtet werden, ebenso auf ein zweites Untergeschoss und - jedenfalls vorläufig - auf die Wiedererrichtung der Kuppel über dem Hauptportal.

          Sanierung Dahlems entfällt

          Nach allen Abstrichen sollen die Baukosten nach der neuen Kalkulation nur noch bei 480 Millionen Euro liegen. Für die Variante mit Hotel und Tiefgarage hatte eine Studie vor zwei Jahren Kosten in Höhe von 670 Millionen ermittelt. Der solcherart „konzentrierte Entwurf“ für das Humboldt-Forum lasse sich „öffentlich gut vertreten“, heißt es in dem Papier, „da das geplante Bauvolumen auf das erforderliche Maß reduziert wird“. Von den anfallenden 480 Millionen Euro sollen nach den Vorstellungen des Bauministeriums achtzig Millionen vom Förderverein Berliner Stadtschloss durch Spenden für die Rekonstruktion der Barockfassade aufgebracht werden. Weitere einhundert Millionen ließen sich einsparen, weil durch den Bau des Schlosses die dringend notwendige Sanierung von Museumsgebäuden im Berliner Vorort Dahlem entfalle, deren Bestände auf den Schlossplatz ziehen werden. Blieben etwa dreihundert Millionen an frischem Geld, die notwendig wären, um die Lücke zu schließen, die seit der Sprengung des Stadtschlosses durch die DDR in der Mitte Berlins klafft.

          Zum „konzentrierten Entwurf“ für den Schlossplatz gehört auch ein Zeitplan. Danach könnte schon im April ein Architektenwettbewerb ausgelobt werden, dessen Ergebnisse im Frühjahr 2008 vorliegen würden. „Als terminliches Ziel für einen Baubeginn wird August 2009 angestrebt“, heißt es in dem Papier ein wenig umständlich. „Bei vierzigmonatiger Bauzeit wäre die Eröffnung des Humboldt-Forums Ende 2012 denkbar.“ Der Staatssekretär im Bauministerium, Lütke-Daldrup, bestätigte gegenüber dieser Zeitung, dass die „Konzentration auf den kulturellen Kern“ bei der Planung für das Humboldt-Forum wesentlich sei.

          „Wir werden langsam ungeduldig“

          Wie aus Regierungskreisen zu hören war, haben sowohl Kanzleramtschef de Maizière als auch Bundesfinanzminister Steinbrück in ersten Gesprächen mit Bauminister Tiefensee zurückhaltend auf die Überlegungen reagiert. In anderen Ressorts wurden Zweifel an der Möglicheit laut, durch den Verzicht auf die Sanierung der Museen in Dahlem Einsparungen in der vorgesehenen Größenordnung zu erzielen. Der Vorsitzende des Fördervereins Berliner Stadtschloss, Wilhelm von Boddien, hingegen erklärte, er begrüße alles, was zu einer Beschleunigung des Schlossbaus beitragen könne: „Wir werden langsam ungeduldig.“

          Man täusche sich nicht. Noch ist der „konzentrierte Entwurf“ nur ein Papier, noch muss die neue preußische Sparsamkeit des Bauministeriums sich erst im Kabinett durchsetzen, noch steht das Schloss nicht wieder. Aber die Richtung ist richtig. Berlins Mitte braucht nicht noch ein Hotel, nicht noch eine Tiefgarage. Sie braucht Tempo, Ideen, Kultur. Und sie braucht das Schloss.

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