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Harvey Weinstein und #metoo : Einen Typen wie ihn kennt fast jede

Da war er sich seiner Sache noch sicher: Harvey Weinstein bei der Oscarverleihung 2013. Bild: Reuters

Der Skandal um Harvey Weinstein könnte ein Wendepunkt in der amerikanischen Debatte über sexuelle Angriffe auf Frauen sein. Die Kampagne „#metoo“ wird es zeigen.

          Wenn alle Frauen, die schon einmal sexuell belästigt oder angegriffen wurden, sich auf Twitter öffentlich zu erkennen geben würden, dann bekämen die Leute wohl erst eine Ahnung vom wahren Ausmaß des Problems – des Problems, für das seit knapp zwei Wochen Harvey Weinstein steht. Zahllose Frauen soll der mächtige Hollywood-Produzent bedrängt und einige sogar vergewaltigt haben; immer neue Anschuldigungen werden laut, immer weitere mutmaßliche Opfer kommen aus der Deckung, Unbekannte, Starlets, Superstars. Aber inzwischen geht es um noch mehr.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Ein Freund habe sie auf die oben zitierte Idee gebracht, den Weinstein-Skandal als Spitze eines Eisbergs offenzulegen, schreibt Alyssa Milano. Bekannt wurde die amerikanische Schauspielerin vor zwanzig Jahren als Hexe Phoebe mit der Serie „Charmed“, seither hat sie viele andere Rollen gespielt und denkt heute im Internet laut und wütend über Trumps Präsidentschaft nach. Am Sonntag postete sie ihren Aufruf: „Antwortet mit ,me too‘ (ich auch) auf diesen Tweet, wenn ihr sexuelle Übergriffe erlebt habt.“ Binnen Stunden reagierten Zehntausende Frauen; #metoo“ – ein ursprünglich vor einem Jahrzehnt von der afroamerikanischen Frauenrechtsaktivistin Tarana Burke geprägtes Stichwort – avancierte zum globalen Megatrend in den sozialen Netzwerken. In den Twitter-Charts rangiert der Hashtag seit Tagen ganz oben.

          Unter ihm berichten Frauen von anzüglichen Bemerkungen in der Schule, an der Universität, im Beruf, auf der Straße; von Grabschern auf der Tanzfläche und der Angst allein auf dem Nachhauseweg im Dunkeln, von Vergewaltigungen, von Männern, die sie gegen ihren Willen berührten, verbal erniedrigten, ihre physische Stärke oder hierarchische Autorität ausnutzten. Harvey Weinstein ist überall, das will der Hashtag „#myharveyweinstein“ signalisieren. Es gibt Frauen, die schreiben, sie hätten sich selbst lange die Schuld für erlittene Übergriffe gegeben, nun wollten sie den Mund auftun, andere sprechen den sich Outenden Mut zu.

          Aus deutscher Sicht erinnert das an drei Twitter-Initiativen, die sehr gezielt Vorfälle für eine Sexismus-Debatte in ihrem jeweils eigenen Sinne nutzten wollten: Mit „#aufschrei“ setzte die Feministin Anne Wizorek eine Bewegung in Gang, nachdem die Journalistin Laura Himmelreich im „Stern“ über eine Dirndl-Bemerkung des damaligen FDP-Spitzenkandidaten Rainer Brüderle berichtet hatte. Mit „#ausnahmslos“ wollten Netzfeministinnen nach den Silvesterübergriffen von Köln die Diskussion weg von Ausländerkriminalität hin auf sexualisierte Gewalt im Allgemeinen drehen. Und dann war da noch das „#teamGinaLisa“, zu dessen prominenten Mitgliedern mitten in der von den Domplatten-Überfällen befeuerten Diskussion um ein neues Sexualstrafrecht die damalige Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) gehörte. Die Twitter-Initiative musste hinnehmen, dass Gina Lisa Lohfink den Prozess um ihre vermeintliche Vergewaltigung als verurteilte Verleumderin verließ.

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