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Hans-Werner Sinn Renoviert das Bad, und werdet mündige Bürger!

Hans-Werner Sinn ist der bekannteste deutsche Ökonom. Wir baten ihn, darzustellen, welche Gefahren drohen, welche Chancen bestehen und wie man sich verhalten könnte. Es wurde ein Exkurs weit über die Ökonomie hinaus zu Fragen der Geschichte, der Moral und simpler Mathematik.

© Röth, Frank Vergrößern Hans-Werner Sinn - ein unaufgeregter Mann, dem derzeit ganz schön mulmig wird

Es entsteht gerade ein anderes Europa. Hans-Werner Sinn, der das sagt, ist der bekannteste deutsche Ökonom, und er meint es ökonomisch. Aber nicht „nur“ ökonomisch, sondern im Blick auf alle auch politischen Folgen, die sich aus der Wirtschaft ergeben. Man organisiere derzeit einen öffentlichen Kreditfluss, der die deutschen Ersparnisse nach politischen Gesichtspunkten in Länder der südlichen Peripherie lenkt. Durch politische Entscheidungen seitens der EZB, durch den immer größer werdenden Rettungsschirm werde privaten Anlegern die Entscheidung abgenommen, wo sie investieren, und ein öffentlicher Geleitschutz für das Kapital organisiert, der es dahin leitet, wo es sich eigentlich aus guten Gründen nicht mehr hintraut.

Jürgen Kaube Folgen:  

Man muss sich Hans-Werner Sinn als einen ziemlich unaufgeregten Menschen vorstellen. Aber die europäische Finanzpolitik stellt seine Gelassenheit auf eine ziemliche Belastungsprobe. Es wiederholt sich für ihn nämlich derzeit genau ein Fehler, der auch zur Krise führte. Dass die armen und die reichen Länder sich zusammenschließen, dass Kapital wegen der Lohnunterschiede von den reichen in die armen fließt, das sei im Prinzip nicht falsch. Denn in den armen Ländern kann das Kapital viel mehr bewirken als bei uns. Nur hatte dieser Prozess zu viel Eigendynamik bekommen, es hat eine Inflationsblase gegeben, die Immobilienpreise sind gestiegen, die Leute haben gedacht, diese Preise steigen immer weiter, haben investiert, dann stiegen sie erst recht, und dadurch ist ein Zug mit Macht in Bewegung gekommen, der überhaupt nicht mehr zu stoppen war und weit, weit über das Ziel hinausgeschossen ist.

Probleme mit der Druckerpresse gelöst

Die Preise und Löhne jener Länder stiegen, finanziert durch billige Kredite, in den Himmel, weit über die Produktivität hinaus, und die Länder verloren ihre Wettbewerbsfähigkeit. Das führte zu immer größeren Außenhandelsdefiziten, die immer mehr Kredite verschlangen. Aber dann verweigerte sich das Kapital, weil die amerikanische Finanzkrise alle nervös gemacht hatte, und man befürchtete, dass die Südländer sich übernommen hatten. Der Kredit, den die deutschen Banken und Versicherer direkt oder auf dem Wege über ihre französischen Kunden nach Griechenland geleitet hatten, floss nicht mehr. Daraufhin, so Sinn, haben diese Länder ihr Problem mit der Druckerpresse gelöst. Die Griechen wollten das deutsche Auto immer noch und druckten sich das Geld, das sie brauchten, um es zu kaufen.

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Wie das gehen soll? Vor der Krise floss das Geld beispielsweise von Paris nach Athen, weil eine französische Bank es nach Griechenland verlieh, die Griechen kauften sich ein deutsches Auto, und das Geld floss wieder aus Griechenland heraus. Jetzt fließt nur noch Geld aus Griechenland heraus. Genau dieser Nettogeldabfluss wird durch den sogenannten „Target-Saldo“ gemessen. Der Geldbestand in Griechenland wird so aber immer geringer. Also wird Geld „nachgedruckt“, elektronisch, nicht in Papier und Münzen. Daher messen die Target-Salden, die eigentlich nur den Geldabfluss aus Griechenland messen, das ist Sinn als erstem Ökonomen aufgefallen, indirekt auch das Nachdrucken von Geld. Es ist also ein Maß für den Ersatz der privaten Kreditflüsse durch die Druckerpresse.

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