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Hamburgs Terrakotta-Krieger Originale Fälschungen

12.12.2007 ·  Auch in China sind die falschen Krieger von Hamburg nicht unbeachtet geblieben. Ein chinesischer Behördensprecher reagierte lakonisch auf den deutschen Fall: „Hier scheint es ein Problem mit dem Schutz von Urheberrechten zu geben“.

Von Mark Siemons
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Auch in China sind die falschen Krieger von Hamburg nicht unbeachtet geblieben. Aber der Korrespondentenbericht der Zeitung „Global Times“, der sich des jetzt bestätigten Verdachts, dass es sich bei der im Völkerkundemuseum gezeigten Terrakotta-Armee um eine Raubkopie handle, mit Sorgfalt annahm, enthielt sich jeder Wertung. Insbesondere wurden die Linien jenes lakonischen Zitats nicht ausgezogen, mit dem ein chinesischer Behördensprecher auf den deutschen Fall reagierte: „Hier scheint es ein Problem mit dem Schutz von Urheberrechten zu geben“.

Dabei ist ja nicht nur das Urheberrecht eines einzelnen Künstlers betroffen, sondern gewissermaßen das der Nation: Die Krieger sind, seitdem sie 1974 zufällig von Bauern in der Nähe der alten Kaiserstadt Xi'an entdeckt wurden, zu einem Markenzeichen Chinas geworden, das nicht bloß nach außen im Kulturaustausch und Tourismus zum Einsatz kommt, sondern auch im Binnengeschäft, wo die Figuren gern als Firmenlogos, Türsteher von Restaurants oder auch Maskottchen bei Tenniswettkämpfen verwendet werden.

Diese Kunst hätte nie gesehen werden sollen

Sie sind das Abbild einer Armee, die im dritten Jahrhundert vor Christus Furcht und Schrecken verbreitete: Mit ihr eroberte der Fürst von Qin, der sich später „Erster Kaiser von China“ nannte, ein Riesenreich; erst seitdem ist China ein zentral regierter Staat. Bis heute ist dieser Tyrann in China eine ambivalente Gestalt. Auf der einen Seite begründete er die Staatlichkeit, auf die sich seither noch jede Regierung Chinas bis zur Volksrepublik beruft; auf der anderen Seite zerstörte er einen Gutteil der vielgestaltigen chinesischen Kultur. Dass er Bücher verbrannte, um die Vergangenheit auszulöschen, und gleichzeitig eine Große Mauer baute, um das leer gewordene Reich zu schützen, ist Ausdruck dieses zwiespältigen Erbes.

Jorge Luis Borges hatte es als Hinweis darauf gedeutet, „dass alle Formen ihre Kraft in sich selber tragen und nicht in einem mutmaßlichen ,Inhalt'“. Das war längst bevor das Paralleluniversum im Grab des Herrschers entdeckt wurde, das der Dichter als eine Bestätigung seiner Vermutung hätte nehmen können. Die Kunst dieser monumentalen Installation war dafür geschaffen worden, niemals gesehen zu werden; sie verschmilzt mit der Macht, die sie repräsentiert und außerhalb derer es für ihren Schöpfer nichts gab. Konzeptioneller könnte eine Ästhetik nicht sein - was sie vor der Ironie, über zweitausend Jahre später zur Beute windiger Eventmanager zu werden, natürlich nicht schützt.

Quelle: F.A.Z., 13.12.2007, Nr. 290 / Seite 40
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Jahrgang 1959, Feuilletonkorrespondent in Peking.

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