Home
http://www.faz.net/-gqz-6ymqe
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Guggenheim-Lab Vielleicht landet die Plattform doch noch in Berlin

Der Schreck über eine mögliche Absage des Guggenheim-Forschungslabors in Berlin sitzt tief. Hinter den Kulissen bemühen sich Politik und Veranstalter um eine Lösung.

© dpa Vergrößern An dieser Stelle wird das „BMW Guggenheim Lab“ nun doch nicht entstehen. Für Berlin ist es dennoch nicht endgültig verloren

Trotz einer ersten Absage ist das Forschungslabor des Guggenheim Museums für Berlin noch nicht endgültig verloren. Wie die Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch aus Teilnehmerkreisen erfuhr, laufen derzeit Gespräche zwischen Berlin und dem New Yorker Museum, ob sich möglichst bald ein alternativer Standort zu Berlin-Kreuzberg finden lässt. „Wir rechnen damit, dass bis Ende nächster Woche eine Entscheidung fällt“, hieß es am Mittwoch. „Die Gespräche schließen Berlin mit ein. Es ist aber offen, ob es eine Lösung gibt.“

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) setzte sich inzwischen in einem Brief an die Guggenheim-Stiftung für den Standort Berlin ein. Das Schreiben sei bereits verschickt worden, sagte Senatssprecher Richard Meng am Mittwoch. Darin versicherte Wowereit der renommierten Stiftung, dass das „BMW Guggenheim Lab“ in Berlin höchst willkommen sei. Ansonsten sei der Inhalt des Briefes vertraulich, hieß es.

Die Guggenheim Stiftung hatte nach Gewaltandrohungen das von Mai bis Juli geplante „BMW Guggenheim Lab“ auf einer Brachfläche in Berlin-Kreuzberg abgesagt. „Wir befürworten eine lebhafte Diskussionskultur, können aber das Risiko gewalttätiger Übergriffe nicht eingehen, wie sie von einer kleinen Minderheit angedroht wurden“, teilte das New Yorker Haus mit.

Gewaltandrohungen führten zur Absage

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin warnte vor einem „fatalen Signal“. „Die Irritationen um das Projekt werden auch bei Investoren registriert, die sich am Wirtschaftsstandort Berlin engagieren wollen“, sagte Hauptgeschäftsführer Jan Eder am Mittwoch. CDU-Fraktionschef Florian Graf sprach in dem Zusammenhang von einem nachhaltigen Imageschaden für die Stadt.

Das reisende Labor ist als Diskussions- und Forschungsplattform über das Leben in Großstädten konzipiert. Erste Station war New York, nach Berlin soll es von Dezember an nach Mumbai in Indien gehen. Ein BMW-Sprecher hatte am Dienstag betont, nicht die Proteste von Anwohnern hätten zur Absage geführt, sondern die Gewaltandrohung und eine entsprechende Einschätzung der Polizei.

Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop sprach sich dafür aus, das Projekt nach Berlin-Mitte zu holen. „Auch in diesem Bezirk sind die von dem Labor gestellten Fragen etwa zur Migration und dem Zusammenleben in Großstädten sehr virulent“, sagte Pop.

Die Gegner des Projekts feiern den Sieg

Die Polizei sagte zu, einen möglichen neuen Standort unter Sicherheitsaspekten zu prüfen und gegebenenfalls für Schutzmaßnahmen zu sorgen. In Betracht kämen dann etwa eine erhöhte Polizeipräsenz oder ein permanenter Objektschutz, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich. Einen politischen Druck gebe es jedoch nicht.

Mehr zum Thema

Die Gegner des Projektes in Kreuzberg feierten inzwischen die Absage an den bisher geplanten Standort als Sieg. „Es hat sich gezeigt, dass Widerstand gegen Investoren-Großprojekte erfolgreich sein kann“, erklärte David Kaufmann von der Initiative „BMW - NEE! Anwohner gegen das geplante „BMW-Lab“ im Wrangelkiez“. Zugleich betonte Kaufmann, es habe nie eine Drohung gegen Personen gegeben. Deshalb sei es eine Frechheit, wenn jetzt von angeblicher Gewalt gegen die Lab-Macher „schwadroniert“ werde.

Quelle: dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Studentische Wohnungsnot 1000 Bewerber für Wohnheimzimmer in Berlin

Jeder fünfte Studienanfänger braucht bis zum Beginn des nächsten Semesters noch einen Wohnheimplatz, hat das Studentenwerk heute vorgerechnet. Die Lage sei dramatisch, besonders in großen Uni-Städten wie Berlin. Mehr

27.05.2015, 17:52 Uhr | Beruf-Chance
Griechen in Deutschland Geld ist nicht alles."

Im Feinkostladen von Jioannis Sotiriadis in Berlin-Kreuzberg wird zwei Tage vor der griechischen Parlamentswahl eifrig über die verschiedenen Optionen diskutiert. Wie viele Griechen glaubt auch er, dass es in Athen an der Zeit für einen Wechsel ist. Mehr

24.01.2015, 12:49 Uhr | Politik
Pädophilie-Vorwürfe Die Grünen müssen den Tätern ein Gesicht geben

Die Berliner Grünen haben bis Mitte der neunziger Jahre pädophile Mitglieder in ihren Reihen geduldet. Frauke Homann, einstige Sozialarbeiterin in Berlin-Kreuzberg, spricht über das Netzwerk der Pädophilen, über Vertuschung und die Fehler der Grünen. Mehr Von Christian Füller

20.05.2015, 18:20 Uhr | Politik
Bangkok Bombenanschlag auf Luxuskaufhaus

In der thailändischen Hauptstadt Bangkok sind vor einem Luxuskaufhaus zwei Rohrbomben explodiert. Die Ermittler vermuten, dass die Täter Chaos stiften und die Regierung destabilisieren wollen. Mehr

02.02.2015, 10:44 Uhr | Politik
Uraufführung mit Muezzin-Ruf Mein Stück ist keine Provokation

Muezzin-Klänge im Berliner Tiergarten: Aus Angst vor Islamisten sollte die Uraufführung von Adhan abgesagt werden. Der Komponist Maximilian Marcoll erzählt, was es mit seinem Werk auf sich hat. Mehr Von Christoph Borgans

23.05.2015, 11:16 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 22.03.2012, 10:17 Uhr

Phrasenherzen

Von Andreas Rossmann

Hasenherziges Philosophiefest: Die phil.Cologne hat den umstrittenen Philosophen Peter Singer erst ein- und kurzfristig wieder ausgeladen. Die Begründungen wirken fadenscheinig. Mehr 3