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Veröffentlicht: 24.04.2014, 10:33 Uhr

Googles Datenmacht Wer die Daten hat, bestimmt unser Schicksal

Springer-Chef Mathias Döpfner hat in der F.A.Z. vor Googles Allmacht gewarnt. Den Kampf gegen den Datenmonopolisten kann kein Staat mehr gewinnen. Ein paar Möglichkeiten, Google Einhalt zu gebieten, haben wir aber noch.

von Jaron Lanier
© picture alliance / Karten Lemm Computer-Pionier und Technik-Kritiker Jaron Lanier zeigt Möglichkeiten auf, gegen Googles Allmacht anzukommen.

Mathias Döpfner, der Vorstandsvorsitzende von Springer, hat sich in der F.A.Z. mit einer bemerkenswerten Stellungnahme zu Google und anderen, vergleichbaren Unternehmen zu Wort gemeldet. Sein Beitrag hat international eine hyperkinetische Reaktion ausgelöst, weil er nicht nur gewisse Dinge beklagt, sondern auch kritische Forderungen an die Brüsseler Wettbewerbshüter richtet.

Ich finde es erstaunlich, dass dies für so viel Aufsehen gesorgt hat. In der letzten Zeit ist oft die Meinung zu hören, die Technologieunternehmen wüssten schon Bescheid. Das leuchtet ein, da diese IT-Giganten konsequent Zukunftsoptimismus verbreiten. Sie haben sich zu Monopolisten des Optimismus entwickeln können.

Ein beispiellos ganzheitliches Geschäftsmodell

Als Geschöpf dieser optimistischen Technologiewelt finde ich Kritik an uns jedoch nützlich. Kritik hilft uns weiter. Ich bin mit Döpfners Statement grundsätzlich einverstanden, möchte mich aber der spezifischen Frage zuwenden, was wir vom Staat erwarten können. Wenn wir mutig genug sind, unsere Wünsche zu formulieren – wie sehen diese Wünsche aus?

In der gegenwärtigen Situation sind die vorhandenen Kartellgesetze ein untaugliches Instrument. Google kann man nicht wie andere Unternehmen zerschlagen, weil es sein Geld in einem praktisch unteilbaren Geschäftsfeld verdient. Gut 90 Prozent von Googles Einnahmen stammen aus einer einzigen Aktivität, nämlich der Plazierung von Werbelinks.

Dies ist ein beispiellos ganzheitliches Geschäftsmodell. Man kann Google-Werbung nicht nach Anzeigen für Mobiltelefone oder Computer aufteilen, das funktioniert nicht. Jeder kann auf seinem Smartphone einen Browser öffnen und sich Websites zeigen lassen, die ursprünglich für Computer gedacht waren. Bald wird man Smartphone-Apps auch auf dem Computer nutzen können. Google muss überhaupt nichts tun, um diese Option voranzutreiben, die Entwicklung der Open- Source-Schichten von Googles Ökosystem wird das ganz allein besorgen. (Viele Google-Aktivitäten unterliegen strenger Kontrolle – die Open-Source-Elemente sind nur eine Schaufassade, die diese Entwicklung aber sehr wohl ermöglicht.)

Google Internet-Ballon © dpa Vergrößern Eine ubiquitäre Macht: Google plant mit Ballons die Internet-Diaspora zu erschließen

Auch das Geschäft mit Daten, die von Autos, Wohnungen, Einzelhändlern oder Telefonen abgeschöpft werden, lässt sich nicht aufteilen, weil Daten ungehindert von einem Sensor zu einem anderen übertragen werden können. Unsere Telefone sind ja beispielsweise schon mit unseren Autos und mit den von uns besuchten Geschäften vernetzt.

Staatliche Datenaufsicht ist chancenlos, weil jedes mögliche Gesetz mit Hilfe cleverer Strukturen oder Algorithmen umgangen werden kann. Ein gutes Beispiel ist die Art und Weise, wie das Urheberrecht im Internet in den letzten fünfzehn Jahren regelmäßig ausgehebelt wurde.

Selbst wenn ein klarer Gesetzesverstoß vorliegt, ist es für Urheber praktisch unmöglich, jedes Mal juristisch dagegen vorzugehen. Leider ist jeder einzelne Gesetzesverstoß so schlimm wie eine Million Gesetzesverstöße, solange man ihn entdecken kann, was mit Hilfe von Suchmaschinen eben möglich ist.

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