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Die smarte Stadt der Zukunft : Den Menschen berechnen wie den Stromverbrauch

  • -Aktualisiert am

Die Stadt der Zukunft leuchtet von den Werbeflächen am New Yorker Times Square schon auf die Passanten herab. Bild: AFP

Google träumt nicht nur von der smarten Stadt, sondern bastelt schon längst an seiner Software dafür. So sieht das Gehege aus, in das uns der Online-Konzern als urbane Datenprimaten sperren will: bestimmt bequem, aber ohne Auslauf.

          Hochauflösende Karten für autonom fahrende Autos und Programme für Datenschnittstellen: Noch liefert Google vor allem Software für smarte Städte. Doch Alphabets Geschäftsführer Larry Page weiß, dass städteplanerisch noch viel Luft nach oben ist und hat das Projekt „Google Y“ lanciert. Seit einem Jahr beschäftigt es sich mit der Frage, wie der Netzgigant die Datenströme in den Städten der Zukunft organisieren kann – und wie er selbst Städte nach Google-Maß errichten könnte. Denn wenn von der Ampel über den Wasserzähler bis zur Überwachungskamera alles miteinander vernetzt ist, warten auf Google ungeahnte Wachstumsmöglichkeiten. Seine Algorithmen sollen dann nach Möglichkeit die Verkehrsströme lenken, die Wasserversorgung und Müllabfuhr. Informationen über den privaten Energiebedarf kann Google Nest liefern, Reisepläne optimiert Google Maps.

          Schon jetzt schickt der Konzern seine Street-View-Fahrzeuge aus, um Luftverschmutzung in Städten zu messen. Er beschäftigt sich auch mit dem Aufbau eines lückenlosen W-Lan-Netzes. Googles Tochter Sidewalk Labs etwa will von Ende 2015 an Telefonzellen in New York City in moderne Informationsstationen verwandeln. Die Zellen sollen Wifi im Umkreis von fünfzig Metern liefern sowie eine Ladestation für Handys und einen interaktiven Bildschirm bieten, der kostenlose Anrufe im Inland und Zugang zum Internet ermöglicht.

          In seinem Buch „Triumph of the City“ argumentiert der Harvard-Ökonom Edward Glaeser, Städte seien ohnehin nur soziale Suchmaschinen, die dazu dienten, Menschen mit ähnlichen Interessen zusammenzubringen. Das aber ist bekanntlich Googles Kerngeschäft. Sidewalk-Chef Dan Doctoroff jedenfalls ist sicher: „Wir stehen am Anfang einer historischen Verwandlung unserer Städte.“ Wohin sie führen wird, bewegt auch den Städteplaner Mark Elliott, der für Melbourne einen Zukunftsplan entworfen hat. Er stellt sich vor, dass aus verkehrsreichen Straßen bald sichere Orte für Fußgänger werden könnten. „Man könnte über einen belebten Highway gehen, ohne den Verkehr zu unterbrechen, wenn die autonomen Fahrzeuge und die mit ihnen verbundenen Netzwerke sich der Annäherung durch Passanten bewusst wären und schon im Voraus ihre Fahrweise anpassten.“ Google lotst uns mit seiner Navigationssoftware längst an Geschäften vorbei, die mit unseren Präferenzen korrespondieren – und am meisten für Werbung bezahlen. Der Internetkonzern steuert nicht nur das Suchverhalten im Netz, sondern auch im realen Raum.

          Die Vision einer privaten Stadt hinter Glas

          Einen Eindruck davon, wie eine Google-Stadt aussehen könnte, vermittelt auch das Hauptquartier des Konzerns in Mountain View, das 2020 fertiggestellt werden soll. Unter gigantischen Glaskuppeln soll auf dreißig Hektar eine Bürowelt entstehen, in der die Beschäftigten mit dem Rad zur Arbeit fahren können. Der Komplex, halb Themenpark, halb Shopping Mall, will Le Corbusiers funktionale Trennung von Arbeit und Wohnen aufheben. Einzelne Gebäudemodule sollen von Robotern binnen Stunden auf- und abgebaut werden. So soll sich die architektonische Statik der virtueller Dynamik anpassen. Die das Projekt leitenden Architekten Bjarke Ingels und Thomas Heatherwick umschreiben die Anlage als eine Art Glasfabrik. Sie symbolisiert auch, dass alle Bereiche unseres Alltags gläsern sind.

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