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Glenn Greenwald beim CCC : Auf in den Kampf gegen die Abschaffung der Privatsphäre

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Via Skype beim CCC dabei: Glenn Greenwald sprach zu den Hackern und ermutigte sie zur Arbeit an Verschlüsselungstechnologien Bild: AP

Fördert das Internet Freiheit oder ist es das schlimmste Repressionswerkzeug der Menschheitsgeschichte? Glenn Greenwald ließ die Frage offen. Trotzdem weckte die mit Spannung erwartete Rede des Enthüllungsjournalisten beim Chaos Communication Congress Hoffnung.

          Die Hacker sind nicht mehr unter sich. Im vergangenen Jahr, beim 29. Chaos Communication Congress, war es noch der junge Verschlüsselungsexperte Jacob Appelbaum der die Anwesenden über neue NSA-Datenspeicher aufklärte. Ihre Größe - die für den Inhalt des Internets der nächsten hundert Jahre ausreichen würde -, nützten aber nicht der Menschheit, sondern wenigen Regierungsbeamten, ihrerseits angeführt von „General Keith Alexander, dem wohl mächtigsten Mann der Welt und einem verdammten Lügner“.

          Worüber Appelbaum damals spekulierte, darüber konnte Glenn Greenwald in diesem Jahr beim 30. Kongress des Chaos Computer Clubs in Hamburg aus Brasilien über Skype zugeschaltet offen sprechen. Doch Greenwald ist kein Hacker, sondern Journalist. Als Appelbaum damals über Keith Alexander sprach, begann Edward Snowden ihn zu kontaktieren. Mehrere Monate habe es gedauert, bis Greenwald in der Lage gewesen sei, ihm verschlüsselt zu antworten. Diese häufig kolportierte Geschichte bestätigte Greenwald am Abend gleich zu Beginn. Auch er sei darüber verwundert gewesen, einen so prominenten Vortrag vor Hackern halten zu dürfen. Doch gerade die Verwunderung habe zu einer der wichtigsten Erkenntnisse der vergangenen sechs Monate geführt, seit Greenwald Edward Snowden in Hongkong interviewte.Wichtig sei nicht nur das politische Theater, das den Enthüllungen folge. Bedeutender noch seien die persönlichen Einsichten, dass das Internet nicht mehr einfach so hingenommen werden könne.

          Er, Greenwald, habe gelernt mit Email- und Datenverschlüsselung umzugehen, sagte er. Diese Fähigkeiten seien nun für ihn wichtig, wie sie im Alltag vieler Menschen wichtig und inzwischen auch selbstverständlich seien. Noch sei schließlich nicht entschieden, ob das Internet „ein Werkzeug für Freiheit und Demokratie“ sei, oder sich doch eher zum „schlimmsten Werkzeug der Repression in der Menschheitsgeschichte“ entwickle

          Sphären müssen getrennt werden

          Ein Grund für Optimismus seien die „Leute in diesem Raum“, sagte Greenwald. Menschen, die die sicheren Werkzeuge nicht nur nutzten, sondern auch entwickelten. Die politische Sphäre solle trotz der hauptsächlich „symbolischen Gesten“ aber nicht aus den Augen verloren werden. Es sei sowohl das Gerichtswesen zu überarbeiten, wie auch die internationale Zusammenarbeit vieler Länder mit Amerika zu überdenken. Man solle insbesondere darüber nachdenken, das kollaborative Handeln vieler Unternehmen zu bestrafen, sagte Greenwald.

          Überhaupt müssten endlich die Sphären getrennt werden. Bislang werde allenfalls darüber gelacht, dass der NSA-Chef selbst „wie ein Clown“ als Hacker verkleidet auf öffentlichen Konferenzen auftrat, um dort Nachwuchs zu rekrutieren.

          Danksagung an Vorkämpfer

          „Wofür wollen junge Menschen demnächst arbeiten?“ Die Kraft der Antwort auf diese Frage „liegt in euren Händen“, sagte Greenwald. Damit stieß er auf offene Ohren. Seit 29 Jahren organisiert der Chaos Computer Club seine Konferenz als Veranstaltung von Freiwilligen, die weder Sponsorengelder aus der Wirtschaft annehmen, noch offene politische Propaganda auf ihrem Gelände dulden.

          Voller Saal: Die Hacker hörten Greenwald aufmerksam zu
          Voller Saal: Die Hacker hörten Greenwald aufmerksam zu : Bild: dpa

          Bei Greenwalds Danksagungen an Laura Poitras, seine Kollegin, und an Edward Snowden, den Whistleblower, sprach er über eine „Pro-Privacy-Allianz“, deren Namensliste wachse und zu der er gestoßen sei. Die Enthüllungen wären unmöglich gewesen, hätte es nicht Vorbilder wie Daniel Ellsberg, den Enthüller der Pentagon-Papiere gegeben, oder Chelsea Manning, der für die Weitergabe von Beweisen amerikanischer Kriegsverbrechen zu 35 Jahren Haft verurteilt wurde. Auch Wikileaks schloss Greenwald in seine Danksagung ein. Er habe sich an dem Modell der Enthüllungsplattform orientiert, als er von Snowden angesprochen wurde, die NSA-Dokumente zu veröffentlichen.

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