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Geplantes Werbeverbot : Der öffentliche Sex

Ist das überhaupt erlaubt? Bild: Picture-Alliance

Der Justizminister plant ein Verbot sexistischer Werbung. Kann es wirklich sein, dass die Obrigkeit sich zuständig fühlt, ein „moderneres Geschlechterbild“ zu schaffen?

          Vermutlich haben die meisten Männer schon einmal einen jener magischen Momente erlebt, die sich meistens im November ereignen oder im Februar, an jenen grauen Tagen, da unsere Städte noch ein bisschen trostloser sind – und plötzlich heitern sich die grauen Gedanken auf, weil da ein Engel vor einem steht, oder irgendein anderes Wesen, welches der Himmel geschickt haben muss, was man schon daran erkennt, dass dieses Wesen von innen zu leuchten scheint und außer einem Bikini nichts weiter trägt als schöne, glatte Haut. Und ein Lächeln, dem man nicht widerstehen möchte. Solche Freuden, das ist die Botschaft dieser Tage, will euch Männern der Justizminister rauben, weil er nämlich Werbung, die sexistisch ist, verbieten will.

          Claudius Seidl

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Vermutlich haben aber all die Frauen recht, die sich von solcher Werbung belästigt fühlen, weil diese Bilder und die Blicke, die Männer darauf werfen, schon das falsche Machtverhältnis etablieren und beide, Frauen wie Männer, erniedrigen. Die Männer, weil sie auf diese Bilder wie Hunde auf die Knochen reagieren – obwohl sie womöglich über vierzig sind und im Prinzip gleichaltrige Frauen viel interessanter finden als neunzehnjährige Models mit zu wenig Gewicht und zu viel Make-up im Gesicht.

          Und die Frauen, weil sie, aus guten Gründen durch solche Tage im Regenmantel gehen, im Hosenanzug, im Rollkragenpullover. Und absolut keine Freude daran haben, wenn sie, weil diese Bilder eine Wirkung haben, von leicht erregten Männern verglichen, vermessen und gegebenenfalls in ähnlicher Pose imaginiert werden, während sie doch einfach nur die Trambahn kriegen wollen. Die Frage ist allerdings, ob in solchen Situationen wirklich das Justizministerium einschreiten sollte.

          Dieser Artikel ist aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung
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          Der Bundesjustizminister, so hat vor einer Woche der „Spiegel“ gemeldet, ist anscheinend überzeugt davon, dass es zu seinen Aufgaben gehört, ein „moderneres Geschlechterbild“ zu „etablieren“; und dass es dazu notwendig sei, Plakate und Anzeigen zu verbieten, welche „Frauen und Männer auf Sexualobjekte“ reduzieren. Naturgemäß gab es in den Tagen darauf empörte Kommentare, und ebenso naturgemäß klang so mancher dieser Kommentare so, als wollte man bei dieser Gelegenheit auch endlich wieder „Krüppel“ zu Behinderten sagen dürfen oder das verpönte N-Wort, das doch nur lateinisch ist für schwarz, was man ja noch sagen darf.

          Noch mehr Verbote braucht vermutlich wirklich kein Mensch – wobei man vielleicht trotzdem mal fragen darf, ob die zentralen Freiheitsfragen der deutschen Gesellschaft wirklich auf jenen Seiten der eher billigen und schäbigen Zeitschriften verhandelt werden, auf welchen mehr oder weniger nackte Frauen sich auf Motorrädern flachlegen und damit dem, anscheinend für strohdumm gehaltenen männlichen Käufer suggerieren sollen, dass auch solche scharfen Weiber kriegt, wenn er sich nur das richtige Motorrad kauft.

          Aus dem Kalten Krieg der Werbekritik

          Die Frage ist allerdings auch, ob die Schaffung des „moderneren Geschlechterbildes“ zu den Aufgaben der Obrigkeit gehört. Und ob der Staat, falls er das wirklich wolle, das Ziel erreichen kann, indem er die Herstellung des unmodernen Geschlechterbildes einfach untersagt. Es steckt ja hinter der Ambition, Werbung zu verbieten, die Arbeitshypothese, dass die Werbung eine heimliche und unheimliche Macht besitze; dass sie also ihr Publikum nicht nur überzeugen oder überreden wolle, sondern dass sie die Leute manipuliere und steuere und in ihnen, gegen ihren Willen, Wünsche, Gelüste, Emotionen befeuere.

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