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Gaza-Konflikt : Ich gebe hier mein Zeugnis ab

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In das Innere des Konflikts: Der französische Philosoph Bernard-Henri Lévy fährt zu den Soldaten nach Gaza Bild: Alexis Duclos

In Gaza schweigen die Waffen, aber man hört Israelis und Palästinenser nicht miteinander sprechen. Der Philosoph Bernard-Henri Lévy hat die Männer besucht, die den Krieg suchten und nun Frieden finden müssen: Politiker wie Barak, Peres, Olmert und die Soldaten im Konfliktgebiet.

          Yovan Diskin ist der Chef des mystischen und gefürchteten israelischen Inlandsgeheimdiensts Shin Bet. Soweit ich weiß, hat er sich noch nie geäußert, jedenfalls nicht seit Kriegsbeginn.

          Er ist um die vierzig, er ist groß, massiv. Eine militärische Statur, zu der die Jeans, das T-Shirt und Turnschuhe gar nicht recht passen wollen. Wir treffen uns im Morgengrauen. Sein Büro im Norden Tel Avivs wirkt mit diesen breiten Schießscharten wie ein Bunker.

          „All das wegen Sderot?“, eröffne ich unser Gespräch. „Diese Sintflut aus Flammen, die Opfer, alles, um die Raketen auf Sderot und die anderen Städte und Kibbuzim im Süden zu stoppen?“

          „Ja, natürlich“ antwortet er gereizt, „Kein Staat der Welt kann es tolerieren, täglich Geschosse auf die Köpfe seiner Bürger niedergehen zu sehen.“

          Und weil ich gleich sage, dass ich das weiß und dass ich jeden Israel-Besuch in Sderot beginne, aus Prinzip und aus Solidarität, und weiter sage, dass es doch andere Wege gegeben haben muss zu verhandeln, um zu verhindern, dass es so weit kommen musste, da zuckt er komisch mit den Schultern und schlägt den Ton dessen an, der, weil es wohl unbedingt sein muss, nun in die Erläuterung der technischen Details einsteigt.

          Das Netzwerk der dreihundert Tunnel

          „Sie müssen begreifen, wer die Leute von der Hamas sind. Wir hier kennen sie besser als irgendjemand sonst. Manchmal kommt es mir vor, als würden wir ihre kleinsten Überlegungen und Entscheidungen in Echtzeit nachvollziehen können, ihnen manchmal sogar vorgreifen. Und jetzt sind uns drei Dinge klargeworden.“

          Man bringt ihm einen Becher Kaffee, den er in einem Zug leert.

          „Zuerst mal ihre Strategie. Das ist die der Muslimbrüder, aus denen sie hervorgegangen sind und die langfristig die Machtübernahme im Libanon, in Jordanien und in Israel anstreben!“

          Ich gebe zu verstehen, das wisse ich.

          „Gut. Dann diese Allianz mit dem Iran, die wegen der tiefen Gegensätze zwischen Sunniten und Schiiten erst mal widernatürlich scheinen mag, die wir aber in ihrer Genese dokumentieren können.“

          1993. Eine Konferenz der Ulema, Rechtsgelehrter aus Syrien, Saudi-Arabien, dem Westjordanland, Gaza. Der Initiator: der Ägypter Al Khardaui, Importeur der schiitischen Strategie der Selbstmordattentate auf sunnitischem Gebiet.

          „Das Wesentliche war aber das Netzwerk der dreihundert Tunnel unter der ägyptischen Grenze. Jedes Mal, wenn wir Mubarak darauf ansprachen, schwor er, sich darum zu kümmern, aber nie passierte etwas. Er hat einfach zu große Angst davor, seine eigenen Muslimbrüder im Lande zu brüskieren.“

          „Dieses Israel, das ihr zum Kotzen findet, das ist doch euer Staat“

          Man kann nun wie die israelischen Pazifisten sagen, die Zerstörung der Tunnel hätte ausgereicht. Man kann, und das wäre meine Meinung, feststellen, dass nun, da die Welt von der Existenz des Tunnelnetzwerks weiß und Ägypten handeln muss, Israel das Feuer auch einstellen kann, und zwar mit dem Datum dieses Treffens, dem 11. Januar.

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