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Interview mit Monika Hauser : Rassismus hilft auch hier nicht weiter

Angstfrei Leben: Frauen müssen besser geschützt werden, sagt Monika Hauser. Sie fordert eine gut ausgebildete Polizei und ein Verbot sexistischer Werbung. Bild: dpa

Sexualisierte Gewalt ist für Frauen allgegenwärtig. Was an Silvester in Köln passierte, hat mit Kultur nichts zu tun, sondern mit patriarchalischen Mustern. Ein Gespräch mit der Frauenrechtlerin Monika Hauser.

          Sie haben medica mondiale 1993 gegründet, arbeiten seit mehr als zwanzig Jahren in Kriegs- und Krisengebieten, wo Ihre Organisation traumatisierte Frauen medizinisch und psychologisch unterstützt. Wie sehen Sie die Ereignisse der Kölner Silvesternacht vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen?

          Das Hauptthema, das sich für mich mit der Kölner Silvesternacht verbindet, ist sexualisierte Gewalt. Dass viele jetzt sexualisierte Gewalt verurteilen, verstehe ich auch als Solidarität mit den Betroffenen. Die wünsche ich mir schon lange, und nicht nur dann, wenn das Thema hochkocht, weil die Medien Skandale aufgreifen wie 1993 die Kriegsvergewaltigungen in Bosnien, 1999 im Kosovo, dann die Gewalt der Taliban, dann Boko Haram, dann Isis, die Vergewaltigungen in Indien oder Einzeltäter, die herausgegriffen und schnell wieder vergessen werden. Sexualisierte Gewalt ist für Frauen allgegenwärtig, unabhängig vom religiösen, kulturellen, geographischen Hintergrund wie auch vom sozialen Stand der Opfer wie der Täter.

          Sie formulieren das sehr allgemein.

          Ja, was ich sagen will, ist etwas ganz Generelles: Wir haben sehr viel Gewalt auch in Deutschland, jedes Jahr kommen um die achttausend Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen zur Anzeige, die Dunkelziffer ist extrem hoch, wir müssen von mindestens hunderttausend ausgehen. Nach der EU-Studie von 2014 hat jede zweite Frau in Europa Gewalt erlebt.

          Die Kölner Silvesternacht liegt drei Wochen zurück, wie sehen Sie den Verlauf der Debatte?

          In der rasanten Debatte, die sich in den vergangenen Wochen entwickelt hat, scheint mir dieser Hauptpunkt verlorenzugehen. Auch das beobachte ich seit Jahrzehnten: dass das Thema nur dann wirklich gesellschaftlich eine Rolle spielt, wenn es politischen Zwecken dient. Wir kennen das aus den Kriegs- und Nachkriegskontexten. Auch die Gewalt der Taliban wurde 2001 von George W. Bush instrumentalisiert, um seinen militärischen Angriff auf Afghanistan zu rechtfertigen. Kaum je ging es um die überlebenden Frauen selbst. Im Kölner Fall war es erstaunlich, wie schnell das Thema von Leuten hochgepusht und angeprangert wurde, die bisher beileibe nicht für die Rechte der Frauen eingetreten sind. Und das nicht nur am rechten Rand. Auch von Kristina Schröder, die sich in einer Talkshow ereiferte, wie schrecklich die muslimischen Männer Gewalt ausüben, wo sie als Frauenministerin die Möglichkeit gehabt hätte, die Gesetzgebung zur sexualisierten Gewalt zu verbessern. Damals hat sie sich für das Thema kaum engagiert, jetzt aber benutzt sie es, um ihre Kanzlerin zu desavouieren. Es geht also schon wieder nicht um die wirklichen Gewalttaten. Das sehen Sie daran, dass die betroffenen Frauen keine kostenlose Beratung erhalten. Das kann doch nicht wahr sein!

          Monika Hauser: „Sexualisierte Gewalt ist für Frauen allgegenwärtig.“

          In der Mehrzahl handelt es sich bei den Tätern um Männer nordafrikanischer Herkunft.

          Ich sehe die Täter in erster Linie als Männer, die sexualisierte Gewalt ausüben, offenbar in einer organisierten Weise. Hier muss man konstatieren, dass die Kölner Polizei versagt hat und in der Aufklärung keine klare Stringenz an den Tag legt. Das waren massive sexuelle Übergriffe in einer Art und Weise, wie wir das vom Tahrir-Platz kennen.

          Aus einem arabischen Land ...

          Aber auch aus Großstädten in Brasilien oder Indien, wo Männer in der Gruppe auftreten, Frauen eingeschlossen werden und letztlich keine Chance haben, sich zu wehren. Das ist ein Phänomen, das für Köln neu ist, das wir aber weltweit beobachten. Je patriarchalischer eine Gesellschaft ist, desto mehr erkennen Jungs schon früh, dass Mädchen angeblich nichts wert sind und sie sich nehmen können, was sie wollen.

          Sie beschreiben ein kulturelles Muster.

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