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Interview mit Monika Hauser : Rassismus hilft auch hier nicht weiter

Nein, ein patriarchalisches Muster. Sexualisierte Gewalt ist ein Hauptsymptom für die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen. Natürlich gibt es Unterschiede in der Patriarchalität in den verschiedenen Ländern. Aber wir sehen schon lange bei unserer Arbeit, im muslimischen Afghanistan wie im überwiegend christlichen Liberia, dass es weniger um Religion als um den Machterhalt der Männer geht. Sexualisierte Gewalt gibt es auch in Deutschland. Kennen Sie eine Frau, die im Kölner Karneval keine sexualisierten Übergriffe erlebt hat?

Gehört habe ich das oft.

Oder das Oktoberfest, wo wir jedes Jahr zwanzig gemeldete Vergewaltigungen haben, die Dunkelziffer geht möglicherweise in die Hunderte. Die meisten Frauen erstatten keine Anzeige aus Angst, dass die Polizei sie nicht ernst nimmt und der Lächerlichkeit preisgibt. Diese Bagatellisierung ist ein großes gesellschaftliches Problem.

Neu an den sexuellen Übergriffen an Silvester ist, dass sie auf einem öffentlichen Platz geschahen.

Das ist selbstverständlich ein Faktor: ein öffentlicher Platz wie der Kölner Karneval oder das Oktoberfest.

Aber die Menschen kommen dort nicht zusammen, um zu feiern, der Bahnhofsvorplatz ist eher Durchgangs- als Aufenthaltsort. Dass ihn eine Gruppe in ihre Gewalt bringt, hat eine neue Dimension, die soziale Kontrolle müsste hier besonders hoch sein.

Wissen Sie, das Denken von Frauen ist anders. Kollektiv ist den Frauen eingeschrieben, und das bekommen wir schon als Mädchen beigebracht, dass es immer und überall sexuelle Übergriffe geben kann. Insofern ist das eine wichtige Botschaft an die deutsche Männerwelt, Frauen und Mädchen zu unterstützen. Mit einem anderen Bewusstsein, mit präventiven Maßnahmen, mit einer Polizei, die dafür sensibilisiert und wachsam ist, würden wir, davon bin ich fest überzeugt, in einer anderen Gesellschaft leben können, in der unsere Töchter nicht auch immer diese Gefahr gewärtigen müssen, obwohl wir sie selbstbewusst und emanzipiert erziehen. Diese Sorge habe ich, egal bei welchen Männern und unabhängig von ihrem kulturellen Kontext. Was wir jetzt nicht brauchen, ist eine auf rassistischen Linien laufende Diskussion, die bringt uns überhaupt nicht weiter.

Sondern?

Es geht vielmehr um eine Debatte, die wir seit Jahren anzustoßen versuchen, und mit dem #aufschrei ist ja auch eine gewisse Bewusstseinsarbeit gelaufen. Viele Aktivistinnen warnen davor, jetzt nach dem kulturellen oder religiösen Hintergrund der Täter zu schauen, auch weil wir wissen, das ist zwar heute ein Sensationsthema, aber morgen oder übermorgen sind die Frauen wieder allein damit.

Welche Forderungen stellen Sie an die Politik?

Jetzt wäre der ideale Moment, eine sichere Stadt Köln zu gestalten. Ich sage das so bewusst, weil unsere Partnerorganisation Olakh in Indien seit dem vergangenen Jahr ein Modellprojekt macht, das sich „sichere Stadt ohne Gewalt gegen Frauen und Mädchen“ nennt. Das wünsche ich mir auch für Köln, dass es deutschland-, vielleicht europaweit die erste Modellstadt und endlich alles realisiert wird, was wir seit Jahrzehnten fordern. Die Oberbürgermeisterin könnte da federführend vorangehen.

Was bedeutet das konkret?

Einen Ausbau von Präventivmaßnahmen in der Jungen- und Mädchenarbeit, eine Regelfinanzierung für die Anlaufstellen von betroffenen Frauen, eine bessere Umsetzung der Gesetze, eine gut ausgebildete Polizei, ein Verbot sexistischer Werbung. Das ist für mich eine kulturelle Frage. Wenn wir dazu eine breite Debatte hinbekämen, könnten die Ereignisse der Silvesternacht auch die traurige, aber ganz große Chance eröffnen, dass Frauen künftig besser geschützt werden.

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