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Frauen im Islam : Welche Chancen hat der islamische Feminismus?

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Der Farbtupfer der Zukunft eines kommenden freien Frauenkopfs im muslimischen Einheitsschleierbild: Beterinnen in Surabaya, Ost-Java Bild: REUTERS

Der Koran muss historisch ausgelegt werden, dann folgen aus ihm gleiche Rechte der Geschlechter: Theologinnen, die diese Losung ausgeben, finden große Resonanz - vor allem im Westen.

          In den späten achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts bildete sich in Kuala Lumpur, der Hauptstadt von Malaysia, eine kleine Gruppe politisch engagierter Journalistinnen, Anwältinnen und Wissenschaftlerinnen, um zu erörtern, ob die neue islamische Ordnung, deren Durchsetzung diese Frauen gerade miterlebten, tatsächlich durch den Koran gerechtfertigt sei. Malaysia war bis dato ein Land, in dem der Islam, obgleich offizielle Staatsreligion, das Leben der Einzelnen nicht sonderlich beeinflusste. Das sollte sich damals ändern. Unter dem Einfluss junger Akademiker, die von ihren Studien in Mekka und Kairo zurückkehrten und eine Rückkehr zum „wahren“ Islam anstrebten, war es zu einer konservativ-religiösen Umwälzung der Gesellschaft und zur Implementierung sogenannter „islamischer Werte“ in Politik und Recht gekommen. Im Fernsehen und in den Zeitungen wurden Frauen von Gelehrten aufgefordert, sich ihren Männern unterzuordnen. Diese Morallehrer legitimierten häusliche Gewalt als kostengünstige Maßnahme gegen weiblichen Ungehorsam und feierten Demut als weibliche Tugend.

          Für die erwähnten Aktivistinnen war das zutiefst irritierend. Bis dato hatten sie sich gleichermaßen als gläubige Musliminnen und als emanzipierte Frauen verstanden und darin niemals einen Widerspruch gesehen. Jetzt, da ihre Religion so abgrundtief frauenfeindlich interpretiert wurde, wurden sie unsicher. Konnte Gott, der Gerechte, die Diskriminierung von Frauen gutheißen? Ließ sich die Bevorzugung von Männern durch die heiligen Schriften rechtfertigen? Einer Geistlichkeit, die davon ausging, dass die Hölle voll mit aufmüpfigen Frauen sei, wollten sie die Beantwortung ihrer Fragen nicht überlassen. Sie mussten den Koran und die islamischen Überlieferungen selbst mit kritischem Blick studieren.

          Eine Unterstützerin fanden sie in der afro-amerikanischen Konvertitin Amina Wadud, die gerade eine Dissertation über Frauen im Koran fertiggestellt hatte und an der Islamischen Universität von Malaysia lehrte. Wadud besaß als promovierte Theologin die notwendige Autorität, neue Deutungen koranischer Verse vorzuschlagen, und verfügte über die Kompetenz, solche Deutungen theologisch zu begründen. Im Verlauf des gemeinsamen Quellenstudiums kamen die Frauen zu der Überzeugung, dass nicht der Islam für die Unterdrückung von Frauen verantwortlich sei, sondern die patriarchalischen Überzeugungen, die in vielen Kulturen herrschten, und die davon geprägten Imame, die sich von ihren eigenen Vorurteilen leiten ließen. Der Islam, so glaubten sie, müsse von diesen Verfälschungen befreit und die göttliche Botschaft in ihrer vollen Bedeutung erkannt werden. Im Jahr 1990 gaben sich die Frauen den Namen „Sisters in Islam“. Sie gelten als Bannerträgerinnen einer transnationalen Bewegung, die den Begriff des „islamischen Feminismus“ für sich erfunden hat und einen dritten Weg zwischen säkularer Frauenbewegung und religiöser Orthodoxie beziehungsweise neuem Fundamentalismus weisen möchte.

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