http://www.faz.net/-gqz-7l64s

Französischer Komiker : Auftrittsverbot für Dieudonné

Umstrittener Komiker: Dieudonné bei einem Auftritt in der Schweiz Bild: dpa

Den ganzen Tag über dauerte die Machtprobe: Zwei Stunden vor dem Beginn untersagt der Conseil d’Etat die Veranstaltung des schwarzen Komikers Dieudonné in Nantes.

          Verbot oder nicht? Ein groteskeres Szenario kann man sich nicht vorstellen. Den ganzen Tagen über dauerte die juristische Auseinandersetzung um den Auftritt von Dieudonné in Nantes: der erste seit dem Aufflammen der Polemik um die antisemitischen Äußerungen und den umfunktionierten Hitlergruß des schwarzen Komikers, die „quenelle“.

          Jürg     Altwegg

          Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

          Schon am Mittwoch ließ der französische Innenminister Manuel Valls in Nantes vor der Mehrzweckhalle Zénith die Polizei aufmarschieren. Der Präfekt hatte die Vorgaben aus Paris umgesetzt und den Auftritt verboten – was den Vorverkauf erst recht ankurbelte. Die Halle kann 6300 Besucher aufnehmen. Auch eine Demonstration gegen Dieudonné war angesagt. Am Morgen wurde den Technikern und Bühnenarbeitern der Zugang zur Halle verwehrt.
          Dieudonnés Anwalt gelangte umgehend an das Verwaltungsgericht, das ihm am frühen Mittwochnachmittag recht gab. Seinen Entscheid wollte wiederum der Innenminister Manuel Valls nicht akzeptieren. Er hat Dieudonné den Kampf angesagt. Inzwischen läuft sogar eine Untersuchung wegen Geldwäsche: Dieudonné hat Hunderttausende von Euros nach Kamerun transferiert. Alle diese rechtlichen Mittel scheinen durchaus genügend zu sein, wenn sie nur strikt angewendet werden – was lange nicht der Fall war. Ein Verbot ist jedoch eine zweifelhafte Maßnahme und für Dieudonnés Anhänger der Beweis, dass ihr Idol Wahrheiten ausspricht, die man mit allen Mitteln verbieten will. Die Auseinandersetzung spitzte sich zusehends auf einen Hahnenkampf zwischen dem Innenminister und dem Komiker zu.

          Für seine Anhänger wird er zum Märtyrer

          Manuel Valls gelangte an die höchste Verwaltungsinstanz des Landes, den Conseil d’Etat, um per Eilverfahren doch noch ein Verbot zu erwirken. Die Weisen traten um 17 Uhr in Paris zusammen und taten sich sichtlich schwer. Oder spielten sie gar auf Zeit, um die Veranstaltung aus technischen Gründen zu verhindern? Dieudonné war längst in Nantes eingetroffen, wo sein Anwalt für ihn mit Erfolg plädiert hatte. Deshalb konnte dieser unmöglich vor dem Conseil d’Etat antreten. Aber selbstverständlich äußerte er sich im Viertelstundentakt in den Medien. Um 18 Uhr wusste noch immer niemand, ob der Auftritt verboten oder erlaubt würde. Ein einziger Richter musste letztlich die Entscheidung fällen. Nach der Anhörung beider Seiten zog er sich dann für eine Denkpause zurück. Die Abendsendungen berichteten live vom Gericht, aus Nantes und dem Innenministerium.

          Die Entscheidung fiel weniger als zwei Stunden vor dem geplanten Beginn: die Veranstaltung wird verboten. Innenminister Valls allerdings stilisierte sich noch vor dem Urteil als Gewinner: „Wir haben den Kampf für die Mobilisierung gegen den Antisemitismus und die ‚quenelle‘ gewonnen.“ Ganz so sicher ist das nicht. Aber wahrscheinlich werden in der Folge des Urteils die Gerichte anderer Städte, durch die seine Tournee führt, genauso entscheiden. Ebenso sicher ist, dass Dieudonné im schweizerischen Nyon auftreten kann. Das Auftrittsverbot auf Initiative einer linken Regierung macht Dieudonné noch mehr zum Märtyrer. Der Kampf gegen seine abstrusen Programme und Machenschaften ist erst gewonnen, wenn er ungehindert auftreten kann und keiner kommt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn (v.l.n.r.), hier auf einer Veranstaltung in Idar-Oberstein, wollen Angela Merkel an der Parteispitze beerben.

          Zweite CDU-Regionalkonferenz : „Eine unbezahlbare Marketingshow“

          „Wir brauchen euch drei gemeinsam“, meint Julia Klöckner bei der zweiten Regionalkonferenz im Kampf um den CDU-Vorsitz. Doch die Kandidaten versuchen, sich von den Konkurrenten abzusetzen – zum Beispiel beim Migrationspakt. Mit Erfolg?

          Saudi-Arabien : Ein Kronprinz in der Defensive

          Meist geht die Welt nach der Tötung eines Regimekritikers schnell zur Tagesordnung über. Im Fall Khashoggi ist das anders – und das liegt vor allem an Muhammad Bin Salman. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.