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Französischer Kulturkampf : Darf man seinen Bauch vermieten?

Teilnehmerin der jährlichen Gay-Pride-Parade in Paris Bild: dpa

Der französische Kulturkampf um die Rechte gleichgeschlechtlicher Paare schlägt in den Schulen durch. Dort liest man Bücher wie „Der Tango zweier Väter“ und „Wie macht Fräulein Zazie Pipi?“

          Im Namen der Menschenrechte wird die globale Vermarktung der Kinder und Frauen vorangetrieben“: In „Le Monde“ hat die Philosophin Sylviane Agacinski ein Pamphlet gegen den „Handel mit den Bäuchen“ und den Verkauf der Körper veröffentlicht. Sie protestiert gegen ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, der die französische Justiz rügt, weil sie einem gleichgeschlechtlichen Paar die Adoption eines im Ausland mit medizinischer Unterstützung gezeugten Babys verweigerte. Die europäische Instanz argumentiert mit einem „Recht auf Identität“ und beruft sich auf die „höheren Interessen der Kinder“.

          Jürg     Altwegg

          Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

          Sylviane Agacinski, Mutter eines Kindes von Jacques Derrida und heute mit dem früheren sozialistischen Premierminister Lionel Jospin verheiratet, kämpft seit Jahren gegen die Leihmutterschaft. Sie vertritt die radikale Gegenposition zur Soziologin Elisabeth Badinter. Die Gattin des Genossen Robert Badinter, der als Justizminister unter Mitterrand die Todesstrafe abschaffte, lehnte die von den Sozialisten eingeführte Bestrafung für Freier von Prostituierten ab. Diese können inzwischen mit einer Geldstrafe von 1500 Euro belegt und in die Umerziehung geschickt werden. Für die Feministin Badinter ist die Prostitution nicht automatisch eine Form der Entfremdung und Ausbeutung der Frauen. Auch die Leihmutterschaft befürwortet sie durchaus als Geschäftsmodell - gegen Bezahlung.

          „343 Gesetzesbrecher“ für eine legale künstliche Befruchtung

          „Mein Bauch gehört mir“, forderten die Kämpferinnen für die Legalisierung des Schwangerschaftsunterbruchs 1971. Als er verboten war, veröffentlichten 343 prominente Frauen, die sich selbst als „Schlampen“ bezeichneten, ein Manifest, in dem sie zugaben, illegal abgetrieben zu haben. Nach diesem Vorbild haben erst vor kurzem „343 Gesetzesbrecher“ in einem Aufruf bekannt, sie hätten sich im Ausland künstlich befruchten lassen und so ihre Kinderwünsche erfüllt.

          Die Aktion war ein Protest gegen die Gerichte, welche die Adoption der illegal gezeugten Babys verweigern, und auch gegen den Rückzieher der Regierung. François Hollande hatte die künstliche Befruchtung für gleichgeschlechtliche Paare im Wahlprogramm und wollte sie mit der „Ehe für alle“ erlauben. Der Widerstand war gewaltig. Monatelang protestierten die Gegner, die sich zur „Demo für alle“ und einem „Französischen Frühling“ zusammenfanden, gegen die Heirat von Homosexuellen, deren juristische Gleichstellung schon von früheren Regierungen weitgehend verwirklicht worden war.

          Streichung der Leihmutterschaft aus dem Gesetz

          Hunderttausende gingen auf die Straße. Es waren die spektakulärsten Demonstrationen seit den achtziger Jahren, als Mitterrand die katholischen Privatschulen dem staatlichen System einverleiben wollte. Auch Hollande krebste zurück: Die Leihmutterschaft wurde aus dem Gesetz zur „Ehe für alle“ gestrichen - vorübergehend, wie die Opposition unterstellt. Ihr geht auch die erlaubte Adoption für gleichgeschlechtliche Paare zu weit. Als der bekennende Marxist Mitterrand Präsident wurde und die Abschaffung des Kapitalismus ankündigte, hatten die „Neuen Philosophen“ die epochale Wende bereits eingeleitet.

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