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Fragen an acht Künstlerinnen Frauen, wie wollen wir leben?

Gudrun Gut, Kim Gordon, Zaha Hadid, Gabriele Horn, Pipilotti Rist, Elisabeth Ruge, Angela McRobbie und Loretta Würtenberger erläutern ihre Sicht auf das Thema Feminismus oder denken schlicht darüber nach, welche Rolle das Geschlecht in ihrem Arbeitsfeld spielt.

© Espace Surplus Vergrößern Die junge Künstlerin Anna Talens setzt auf eine Mischung von Schönheit und Poesie: „Red de niebla“

Ob in der Musik, der Architektur, der bildenden Kunst oder dem Management großer Kulturinstitutionen - manche Frauen bestehen in einem männlich dominierten Feld, begeistern und werden berühmt. Aber wie? Und ist das so wegen oder trotz ihres Geschlechts?

Kim Gordon © ddp images/AP/Andy Kropa Vergrößern Sie war der Bass und die Stimme der Band „Sonic Youth“: Kim Gordon

Frauen werden gleich zu Ikonen

Kim Gordon, Sie gelten als weibliche Ikone sowohl der Avantgarde-Musik als auch der Mode und als Feministin. Das ist immer noch eine recht ungewöhnliche Kombination. Warum ist die zeitgenössische Musik im Allgemeinen so männlich dominiert?

Diese Frage ist nicht ganz leicht zu beantworten. Ich hatte immer Schwierigkeiten mit dem Begriff „Ikone“. Mir scheint, er wird häufig für Frauen verwendet - Männer hingegen dürfen „Helden“ sein. Außerdem glaube ich, dass diese Vorstellung junge Frauen als Produkte imaginiert, als Kreationen des Konsumdenkens in unserer kapitalistischen Gesellschaft. Das macht es für uns Frauen schwierig, eine eigene Identität zu finden - für die Männer übrigens auch.

Es ist, als würde ein Idealbild unter uns leben, wie ein Gespenst jede Bewegung und jeden Ausdruck durchdringen. Und genau deswegen wird jemand auch gleich zur Ikone, sobald seine Arbeit einen Bruch in diesem Ablauf darstellt. Aber die erste Ikone war die heilige Jungfrau, Madonna, und dann erst kam die Madonna.

Ich glaube, dass es viele Frauen gibt, die Musik machen. Aber weil Musik als Gattung aus der Perspektive der Mainstreamkultur betrachtet wird, entsteht der Eindruck, dass nur Sängerinnen es bis in den Mainstream schaffen würden. Ich denke, dass es rein zahlenmäßig nach wie vor in allen Bereichen weniger Frauen als Männer gibt, nicht nur in der Musik. Und das hat wahrscheinlich eher etwas mit dem Wunsch zu tun, Kinder zu bekommen, sie aufzuziehen. Mit der anthropologischen Beziehung zwischen Mutter und Kind. Wir erleben heutzutage eine offensichtliche Angst vor weiblicher Sexualität. Die Politik in Washington ist dafür ein gutes Beispiel. Die Verhaftung von Pussy Riot ebenfalls.

Inauguration de l'immeuble Pierresvives © Sylvain THOMAS/REA/laif Vergrößern Ihr verdanken wir die exzentrischste Architektur der Gegenwart: Zaha Hadid

Extravaganz und Weiblichkeit

Zaha Hadid, unter den etwa dreißig berühmtesten Architekten dieser Welt sind Sie die einzige Frau. Warum glauben Sie, dass das so ist? Hat die Tatsache, dass sie eine Frau sind, in Ihrer Karriere überhaupt eine Rolle gespielt?

Egal, mit welchem Architekten Sie sich unterhalten, ganz gleich, wie erfolgreich er oder sie ist, ob männlich oder weiblich: Sie alle haben es sehr, sehr schwer. Es ist ein harter Beruf - man muss ständig arbeiten, um seine Gebäude zu verbessern. Früher haben wir die Nächte durchgearbeitet, um überhaupt Fuß zu fassen. Jetzt, wo ich erfolgreich bin, bin ich natürlich dankbar - aber es war ein langer und harter Kampf. Vielleicht war es eher meine Extravaganz als meine Weiblichkeit, die mich mit solcher Entschiedenheit hat nach Erfolg streben lassen, jedenfalls war ich immer schon sehr entschlossen. Ich erlebe immer noch Widerstand, aber ich glaube, er hilft mir eher, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ich tauche ja schließlich nicht einfach irgendwo auf, und alle sind begeistert. Es ist jedes Mal wieder ein Kampf, auch wenn ich ihn bereits Hunderte Male gekämpft habe.

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