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Fotoalben von Wehrmachtssoldaten : Souvenirs einer mörderischen Gruppenreise

Zwei deutsche Soldaten auf dem Arc de Triomphe, Paris 1940. Fotograf unbekannt Bild: Privatbesitz Achim Gerloff, Wiesbaden

Die Kunsthistorikerin Petra Bopp sammelt Fotoalben von Soldaten der Wehrmacht, die jetzt in Frankfurt zu sehen sind. Die Bilder zeigen, was es nicht gab - ein Privatleben im Krieg. Das NS-Regime plante eine Alltagsgeschichte der Nachkriegszeit.

          Die Frankfurter Aktiengesellschaft Dr. Schleussner, laut eigener Werbung die älteste fotochemische Fabrik der Welt, plazierte in der „Münchner Illustrierten Presse“ vom 29. August 1940 eine Anzeige für ihren „modernsten Film“, den Rollfilm ADOX-21. Auf einem ausgerollten Film streifen sieht man zwei gezeichnete Schnappschüsse. Das linke Bild zeigt, wie eine Aufnahme gemacht wird, das rechte die Aufnahme dieser Aufnahme. Die Bildlegende lautet: „Die Front knipst... die Heimat freut sich.“

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Der Frontsoldat knipst seine Kameraden, die, nur mit Unterhosen bekleidet, mit ihren Pferden ein Bad in einem Fluss nehmen. Im Hintergrund hinter Bäumen ein Haus mit rauchendem Schornstein. Über dieses heitere Idyll freuen sich die Daheimgebliebenen: Die alten Eltern und die Frau des Soldaten sitzen um den Küchentisch und betrachten schmunzelnd die Fotos. Neben dem Kachelofen eine Stange, auf der Strümpfe trocknen. Ein Kleinkind schläft vorne in der Wiege.

          Soldat vor Bergbach und Kühen

          In einer späteren Ausgabe der Zeitung aus dem Eher-Verlag, dem Parteiverlag der NSDAP, folgte das Pendant: „Die Heimat knipst ... die Front freut sich.“ Das Fotomotiv aus der Heimat sind Soldaten, die in den Krieg ziehen. Man sieht auf der Zeichnung nur die Reihe ihrer Gewehre über den Köpfen der Menge. Die Leute recken die rechten Arme empor, aber das ist eher ein Winken als der Hitlergruß. Freude löst der Anblick der marschierenden Kolonne bei einem Soldaten aus, der in einem löcherigen Badezuber sitzt, in den ein Kamerad Wasser aus einem Eimer schüttet. Die Anzeigenserie, von der weitere Motive bekannt sind (die Front knipst Soldaten, die sich in einem Bergbach vor Kühen rasieren; die Heimat knipst Kinder, die Krieg spielen), verweist auf einen Gegenstand, um den sich die faszinierenden Forschungen von Petra Bopp erweitern lassen sollten, die eine zuerst im Stadtmuseum Oldenburg gezeigte Wanderausstellung dokumentiert. Sie ist nach einer Station im Münchner Stadtmuseum nun im Historischen Museum der Stadt Frankfurt angekommen.

          Auch diesen Albumtext „Jeder will ein eignes Foto schießen” machte ein unbekannter Fotograf: Soldaten fotografieren während des Besuchs von Hitler und Mussolini in Uman/Ukraine am 28. August 1941

          Die Kunsthistorikerin hat Fotoalben von Soldaten der Wehrmacht gesammelt; dank eines Aufrufs in der niedersächsischen Presse kamen hundertfünfzig Konvolute zusammen. Frau Bopp kam als Kuratorin von Jan Philipp Reemtsmas Wehrmachtsausstellung zu ihrem Thema; die Kontroverse um falsche Bildunterschriften führte sie zu der Einsicht, dass Privatbilder aus dem Zusammenhang zu verstehen sind, in den sie derjenige gestellt hat, der sie aufnahm oder, noch wichtiger, aufklebte. Mit einigen ihrer Fotoamateure, die jetzt um die neunzig Jahre alt sind, hat sie noch Gespräche führen können. Die Präsentation in der Ausstellung ist äußerst lehrreich. Klugerweise wird nicht zu viel Material ausgebreitet. Die Auswahl der Blätter schlägt einen Bogen vom Drill für den Polen-Feldzug bis zu seltenen Aufnahmen aus den Kriegsgefangenenlagern. Außerdem sind mehrere Alben komplett faksimiliert worden

          Zur Beruhigung der Angehörigen

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