07.01.2013 · In Zürich will ein Professor auf einem Computer das gesamte Weltgeschehen simulieren. Menschliches Verhalten und die Zukunft sollen so berechenbar werden. Wollen wir das überhaupt?
Von Carolin Wiedemann und Benjamin SeibelRichtlinien für Lesermeinungen
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Der Artikel taugt als Realsatire! Und zwar, weil entweder die
Dreistigkeit oder die Naivität des Züricher Professors nicht
entlarvt wird. Das Vorhaben ist nichts anderes als ein gedanklich
drittklassiger Rückfall in die kybernetischen Illusionen der 1960er
Jahre, mit denen schon damals über die langfristige Vorausplanung
und Vorhersehbarkeit sozialer Prozesse phantasiert wurde.
Einen solchen Humbug nun wieder zum Thema zu machen und ihn zum Zwecke
der Tarnung in ein paar moderne Phrasen des zeitgeistigen Jargons zu
kleiden ist eine traurige Vorgehensweise, mit der sich Professoren von
Universitätslehrstühlen wider besseres Wissen(!)
Forschungsgelder für irgendwas erschleichen.
Natürlich sieht FuturICT nach etwas viel Rhetorik aus, aber ....
Sie wollen ja nicht detaillierte Zukunftsvorhersagen machen (das
wäre allerdings Scharlatanerie), sondern Aussagen über ein System.
Sieht man sich die FuturICT Anträge tatsächlich an, erkennt
man, dass es nicht um totalitären Anspruch geht, sondern darum, aus
den Daten, die wir bereits haben, eine "bessere" Welt zu
machen, eine Welt
die weniger dem gewinnorientierten, kurzsichtigen Denken von Einzelnen
(Privatinteressen) und den Lobbies ausgeliefert ist!
Dass der jetzige Zustand ein natürlicher wäre, "zum
Wohle aller", kann ja wohl keiner behaupten.
Heute ist die Realität wesentlich kontrollierter, als sie mit
FuturICT sein würde, einfach im Verborgenen. Woher diese Angst vor
der Wissenschaft? Wir alle wollen doch mehr zu sagen haben - hier bietet
man uns mehr Mitsprache!
Je mehr Leute daran beteiligt sind, desto weniger kann übrigens das
System von Einzelnen kontrolliert werden.
Nach Golde drängt, Am Golde hängt Doch alles. Ach wir Armen!
Wenn als Preisgeld mal eben eine Milliarde ausgelobt wird, kann man
schon verstehen, daß da Etliche schwach werden. Zum Vergleich: das
sind etwa die Kosten eines kompletten mittleren Satellitenprojektes,
inklusive Entwicklung, Bau und Test der Komponenten, Zusammenbau von
zwei vollständigen Exemplaren, Gesamttests, Start und Betrieb
über die gesamte Lebensdauer.
Wer sich mal so richtig gruseln möchte, der sollte mal die
Vorstellungen der Projekte in diesem Kontext anschauen (Stichwort FET
Proactive bei der EU). Es ist offensichtlich, daß sich die
Kandidaten in Schaumschlägerei und gigantomanischem Schwachsinn
gegenseitig zu übertreffen versuchen - man kann es ihnen ja noch
nicht einmal verübeln.
Aber - entweder weiß Herr Helbing, daß es Unfug ist, in
einem nichtlinearen System von kleinen Teilen auf das Ganze zu
schließen, dann ist er ein Hochstapler - oder er weiß es
nicht, dann ist er ein Scharlatan.
Nachträglich vorhergesagt haben die Finanzkrise übrigens noch
etliche andere....
Die Naivität der FAZ-Kommentatoren ist erschütternd. Don't underestimate the power of Stochastics!
Vor kurzem traf ich einen Studenten der "Peace & Conflict
Studies", der sich selbstständig machen möchte. Womit? Hiermit:
Er zeigte mir auf seinem Laptop, dass er regelmäßig das
gesamte Twitter-Netzwerk der Syrischen Rebellen Kämpfer herunter
lädt (frei verfügbar im Internet) und die Netzwerkstrukturen
mit einer der vielen "Social Network Analysis Tools"
(googlen!) untersucht. Dort identifiziert er spielerisch die
"Central Player" der einzelnen Rebellen Gruppen und die
Strukturen der Gruppen zueinander. Der Arabischen Sprache mächtig,
beginnt dann für ihn die lange Recherche, welche dieser Leute der
Welt was preisen.
Er sagte, die Anrufe der NGOs mit Fragen: "Wir wollen in Syrien
"das" erreichen, welche Leute müssen wir
zusammenbringen?" stark häufen.
Niemand möchte die Zukunft exakt vorhersagen, aber alle wollen sie
nach ihrem Interesse mit Hilfe der Stochastik formen und tun dies
bereits mit Ansätzen wie im Artikel beschrieben. Das ist die
Zukunft, hoffen wir sie wird "demokratisch"
Der Computer wird die Arbeit tun, der Computer.
Das Beeindruckende bei seiner Netzwerkanalyse (nicht einiger dutzend
sondern einiger zehntausend Akteure, auf einem 5 Jahre alten Laptop) war
für mich die Frage, zu welchen Ergebnissen ein Team aus
Mathematikern spezialisiert auf Graphentheorie und Stochastik,
Spezialisten der Interpretativen Semantik, Psychologen, Soziologen,
Informatikern, Politologen und Historikern kommt.
Solche Teams gibt es natürlich schon jetzt zu Hauff, da diese
Informationen viel wert sein können.
Man verstehe mich nicht falsch. Ich sehe diese gesamte Entwicklung sehr
skeptisch. Aber sie wird sich weiter beschleunigen, unabhängig von
diesem Projekt. Die Frage ist, wollen wir diesen Prozess als
Gesellschaft so gut wie möglich gestalten?
Übrigens, politisch/gesellschaftliche Akteure können doch nur
bedeutend sein, indem sie mit der Gesellschaft interagieren. Wie
häufig haben Sie persönliche Vieraugengespräche mit
Politikern, wie häufig wird ihr Meinungsbild über diese aus
dem Internet geprägt?
Wer bezweifelt denn, ...
dass sich einzelne, konkret gestellte Fragen anhand der Auswertung der
Aktivitäten weniger dutzend Akteure in einem einzigen sozialen
Netzwerk beantworten lassen? Das kommt doch in Bezug auf Aufwand und
Komplexität nicht mal annähernd dem Versuch nah, das gesamte
Weltgeschehen zu erfassen bzw. berechnend vorwegzunehmen (also quasi
automatisiert Antworten auf noch gar nicht gestellte Fragen zu liefern).
Zumal Ihr der arabischen Sprache mächtiger Bekannter die
eigentliche Denkarbeit ja offenbar selbst vornehmen muss. Wie viele
hundert Millionen „Selbständige“ sollen denn
demnächst damit beschäftigt sein, das auszuwerten, was
Milliarden von Menschen in tausenden von Netzwerken tagtäglich austauschen?
Reichlich naiv finde ich übrigens eher die Vorstellung, wirklich
bedeutende politische/gesellschaftliche Akteure (ob bekannt oder
unbekannt) tauschten sich für jedermann verfolgbar im frei
einsehbaren WWW aus.
Wenn ein Soziologe die Natur simulieren will...
...kann ja nur so ein Mist raus kommen.
Der Herr Soziologe wird spätestens dann mit physikalischen Gesetzen
in Konflikt kommen, wenn er in den Bereich der Quantendynamik vordringt.
Allerdings sollte er vielleicht auch mal mit seinen Kollegen aus dem
Bereich der Strömungsmechanik reden, um die Probleme bei der
Simulation von turbulenten Strömungen (Rechenaufwand als auch
Unzulänglichkeit bestehender Modelle) zu verstehen. Dann wird er
schnell feststellen, dass eine akkurate Vorhersage des Weltwetters
Illusion ist - und ohne dies ist sein Computerorakel nichtsnutzig, da
vom Wetter doch eine Menge, wie z.B. Dürren und Naturkatastrophen,
abhängt. Hier gehe ich natürlich davon aus, dass der Mann
Naturwissenschaftliches Verständnis hat, was bei seinem Fach eher
Wunschdenken ist.
Politisch inkorrekte informationen auch einbeziehen?
Abgesehen von grundsaetzlichen fragen steht und faellt das programm mit
den daten die eingespeist werden. Es ist also eine wichtige frage ob
alle verfuegbaren daten beziehungsweise merkmale von objekten - seien es
personen, organisationen, etc. - einbezogen werden. Wird also die
realitaet modelliert oder ein politisch korrektes zerrbild das keine
unterschiede zwischen verschiedenen populationen kennt (lewontin's
fallacy) und daraus entstehenden demographischen dynamiken, bzw. auf
human biological diversity zurueckzufuehrenden verhaltensunterschiede?
Wird das programm geschlechterunterschiede beachten?
Abgesehen davon haben wir solche system schon, nur sind sie bislang
dezentral organisiert, in form von immobilienmarktbeobachtern bei
immobilienunternehmen, seuchenbeobachtung bei gesundheitsaemtern,
kriminalitaetsbeobachtung durch polizeistatistiken...
Wäre es nicht mein Geld, mit dem der selbsternannte einzige Vorherseher der Finanzskrise da aufschneiden würde, ich würd mich nicht weiter ärgern. So tu ich's aber doch.
Es lebe die Diktatur der Experten
Ich kann mir vorstellen,dass die hysterisch gewordene bürgerliche Klasse dieses Projekt gerne finanziert sähe. Doch wenn das nicht die Matrix schüfe für jene längst beschworene Diktatur der Experten, wird es günstigstenfalls ein Ergebnis liefern, das absehbar gewesen wäre. Es wird sozusagen datengestützt belegen, wie Chaos und Kapitalismus zusammenfallen, ja wie das eine das jeweils andere bedingt. Es sei denn, der Kapitalismus suchte nach einem Weg der Selbstauflösung. Solange es Klassen und Klassenkampf gibt, haben die Menschen mehr als einen Grund solchen „Visionen“ zu misstrauen. Die Selbstorganisation wird sich automatisch sozusagen einstellen, und dann wird sie auch technisch unterstützbar sein, wo alle menschlichen Bedürfnisse, Leidenschaften wie Befähigungen lückenlos und vorurteilsbefreit und zum Vorteil Aller kombiniert werden können. Verrate mir einer wie eines Ackermanns Wünsche nach 25 % Verzinsung seines Kapitals mit meinem Desinteresse an solchen Wünschen zusammenpassen?
Antworten (5) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 10.01.2013 22:07 UhrReden wir von der Naturwissenschaft?
Die alleine basiert auf experimentell überprüfbaren Fakten.
Alles andere, so auch die Psychologie oder jede Gesellschaftstheorie,
ist ebenso wenig beweisbar wie Annahmen der Philosophie oder Gott.
Eine Untersuchung des Nervensystems sagt nichts über den Willen
aus, denn Wille ist eine Erfahrung, ebenso wie Gefühl. Das
Nervensystem zeigt lediglich messbare chemische und elektrische
Vorgänge. Die Natur des Erlebens liegt völlig im Dunkeln.
Singer hat Gliederbewegungen mit Erregungsmessungen im Nervensystem
untersucht. Halten Sie das Krümmen eines Fingers auch für
einen Ausdruck des freien Willens?
Freier Wille ist naturwissenschaftlich gar nicht untersuchbar, da er
nicht experimentell fassbar ist. Freier Wille ist ein Inhalt, eine
Bedeutung, er beruht auf einer Refletkion der Welt, ihrer Bedeutung und
der Schlußfolgerung daraus. Geistige Inhalte sind
naturwissenschaftlich nicht erfassbar, da sie nicht Teil der
naturwissenschaftlich messbaren Welt sind.
Des Menschen schwierigstes Rätsel
Demnach wäre jede Wissenschaft "Hybris". Übrigens halte ich es für Hybris Herr sein zu wollen über die eigenen Leidenschaften. Besprechen Sie sich diesbezüglich mal mit Wolf Singer! Auf welche Weise wir Menschen ticken, ist ihm nach klar determiniert, also nicht beeinflussbar. Ich glaube das so wohl nicht, denn mir scheinen die Faktoren noch nicht völlig enträtselt, doch ist genau dieses Rätsel des Menschen schwierigstes. Doch wo eines Singers blinder, da mechanischer Materialismus versagen muss, hülfe vieeleicht eines Hegels, bzw. Marx Dialektik.
Es ist dem Menschen grundsätzlich nicht möglich, die gesamte Wirklichkeit zu erkennen!
Daher kann ich auch die "realen Triebkräfte" nicht
zuverlässig benennen und noch weniger steuern (schon gar nicht die
sozialer, ökonomischer oder ökologischer Systeme). Es handelt
sich bei diesen Versuchen um die Hybris des menschlichen Geistes und bei
Versuchen dies in staatlichen Systemen zu verwirklichen um eine Monströsität.
Die einzige Freiheit die der Mensch besitzt ist diejenige über
seine eigene Entscheidung, das Gute oder das Böse zu tun. Der Geist
kann über das eigene Sinnliche siegen, aber schon dahinter ist das
Ende seiner Macht. NIEMAND steuert Gesellschaften oder erschafft eine
"bessere Welt". Jeder Versuch dazu muß in Chaos und Leid
enden, denn ich kann nicht steuern was ich nicht verstehe.
Die "befreite" Bürokratie
@Hammer: Wenn Sie den Klassenkampf nicht sehen, dann ist es Ihnen auch nicht möglich zu erkennen, was die realen Triebkräfte sind, die den Kapitalismus genau dorthin geführt haben, wo er sich jetzt befindet. Getrieben vom tendenziellen Fall der Profitrate, und damit bedroht von der sozialistischen Revolution, unterwirft sich das Kapital blind seinen Metamorphosen. Die aktuelle Metamorphose, also jenes von Ihnen so benannte „Konglomerat aus halbstaatlichem Finanz- und Konzernwesen und totaler Bürokratie“, zeigt was „Globalisierung“ bedeutet: Zerstörung der nationalen Bourgeoisien, wie im übrigen aller nationalen Klassen. Die nationalstaatliche Bürokratie bleibt, obwohl sie selber auf der Abwicklungsagenda steht, das einzige Werkzeug. Um sie dahin zu bewegen muss sie „befreit“ werden von den nationalen Parlamenten. Die EG-Bürokratie ist das idealtypische Beispiel hierfür. „Sozialistisch“ ist allenfalls nur eine „Tendenz“, die sich aus dem Klassenwiderspruch von Kapital und Arbeit ergibt.
Das einzige was hier hysterisch geworden ist, ist der totale Staat mit seinen Gläubigen.
Hierzu macht er die Reste dessen platt, was einmal die leistungstragende
freie bürgerliche Klasse gewesen ist.
Und was um alles in der Welt hat das Konglomerat aus halbstaatlichem
Finanz- und Konzernwesen und totaler Bürokratie mit Kapitalismus zu
tun? Ackermann als freier Kapitalist? Hahaha.
Früher nannte man es Sozialismus, heute die längste Abzocke
der Welt.
Klassenkampf? Ich glaube ich bin im Wald... gibt es tatsächlich
noch Leute, die diese Propaganda glauben?
Die Erntebemühungen um staatliche Fördergelder werden immer lächerlicher
Offensichtlich steigt der Infantilitätsgrad exponentiell mit der
Menge des verfügbaren Geldes. Hat der Herr seinen Professorentitel
gewonnen? Offenbar steht es um das staatlich zwangsfinanzierte
Hochschulwesen auch nicht mehr zum Besten.
Am einfachsten wäre es, sämtliche
"Fördertöpfe" und Ministerien einzustampfen und dem
anhängenden Staat das Recht zu nehmen, solche einzurichten und
einzutreiben. Dann hätten die Medien zwar weniger zu berichten,
aber die Luft wäre gleich auch viel sauberer.
Weg mit dieser Form von Allstaat, weg mit der EU, weg mit diesem Dreck.
Mehr saubere Luft und weniger öffentlich bestallte Dummschwätzer.
Schon nach dem ersten Absatz war es mir klar, worum es diesem Herrn
eigentlich geht! Eine Milliarde Euro irgendwie in die eigenen Taschen
bzw. die Taschen anderer Beteiligter zu leiten. Dazu wird mit Buzzwords
um sich geworfen, dass jeder Bullsh*t-Bingo-Zettel nach 5 Minuten
komplett angekreuzt sein müsste.
Zuerst sollte durchleuchtet werden, wer Anteile welcher Art an anderen
Firmen hält, die sich mit ähnlichen Themen befassen. Die
F&E (+ den persönlichen, bestens alimentierten
Hightechspielplatz) bezahlen andere, und gaaaanz zufällig macht
eine Klitsche am anderen Ende der Welt die gleiche
"Entdeckung" und den grossen Reibach.
Weiter stellt sich die Frage, weshalb Google, Facebook oder die CIA
(alle drei haben die finanziellen und personellen Resourcen) ein solches
Projekt nicht alleine finanzieren? Alle sitzen auf riesigen Datenhalden,
die sie nicht vernünftig auswerten können, weil die Menschen
doch alle individuell sind und sich nicht in Schablonen pressen lassen (möchten!).
Der Gedanke ist nicht neu, siehe:
Galouye: »Simulacron3« = Fassbinder: »Welt am
Draht«, Olsberg: »Das System«.
Ein solches Computer-System samt Software ist derzeit nicht vorstellbar.
Dem stehen schon aus der Chaos-Forschung bekannte, theoretische
Erkenntnisse entgegen. Zwar lassen sich Prognosen für einen
begrenzten Zeitraum voraus berechnen, je komplexer das System, desto
kürzer ist dieser. Erkennbar an den zwangsläufig erfolglosen
Versuchen der Klimawissenschaft. Für wenige Tage lässt sich
das Wetter vorhersagen – wer aber sagt, er könne die
Klimaentwicklung hundert Jahre im Voraus berechnen, lügt.
Was beim vergleichsweise simplen Komplex Klima nicht gelingen kann, soll
nun im Großen gelingen? Beim gesamten Weltgeschehen gar –
warum nicht gleich bei der Galaxis ??? Wie will man nicht vorhersehbare
Ereignisse einkalkulieren?
Nicht zu vergessen: Es gehört zum Menschsein, irrational zu
handeln. Das wollten schon die Kommunisten eliminieren – Erfolg bekannt.
Hoffentlich gibt die EU für diesen Unsinn keinen einzigen Cent
Nicht nur derzeit nicht vorstellbar. Betreibt dieser Staat einen Peinlichkeitswettbewerb?
Eine Wirklichkeitssimulation müsste jedes Elementarteilchen
simulieren, wobei dann die Frage nach dem unberechenbaren Zufall in der
Quantenwelt, und die Frage nach den dahinter stehenden Wirkmechanismen
noch gar nicht gestellt wäre. Abgesehen davon wäre eine solche
Simulation wegen ihrer Komplexität langsamer als die Wirklichkeit,
man könnte also auch ganz einfach abwarten was real passiert.
Und so ein gesabbere (sorry, anders kann man das nicht nennen) kommt aus
dem Munde eines "Professors". Danke, daß ihr mir die
Illusion einer "Wissenschaft" im Reste dessen, was sich einmal
westliche Zivilisation genannt hat, genommen habt. Betätigen die
sich an den staatlichen Forschungseinrichtungen eigentlich noch mit
etwas Anderem als dem Geschachere um Fördergelder?
Meine Achtung vor den staatlichen Institutionen ist ein weiteres mal
erheblich eingebrochen, obwohl es da nicht mehr viel Platz nach unten
gibt. Es handelt sich inzwischen auch mehr um Setzbewegungen.
Weg mit der EU.
Technische Analyse menschlichen Verhaltens
Vielleicht geht's auch eine Nummer kleiner? Bessere Mustererkennung in
komplexen Systemen, warum nicht. Aber brauchbare Vorhersagen? Das
funktioniert trotz geballter Rechenpower schon in Teilbereichen, z.B.
bei Börsenkursen nicht.
Hoffentlich nehmen Politiker das ganze nicht zu ernst. Sonst dreht sich
die Sache womöglich um und führt zu einer Art IT-Sozialismus,
in dem das Modell den Freiheitsrahmen für die Modellierten vorgibt.
Dann darf ich mich nur noch mit Leuten anfreunden, die mir Facebook
vorschlägt. Nur noch kaufen, was mir Amazon empfiehlt… Ist
es vielleicht das, was Helbing mit freiwilliger Selbstkontrolle meint?
"weil unsere Gehirne komponentenorientiert denken."
„Wir verstehen die Zusammenhänge in der globalisierten Welt
nicht mehr gut genug“, sagt Helbing. „Es fällt uns
schwer zu sehen, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile,
weil unsere Gehirne komponentenorientiert denken.“
-----
Stimmt das denn? Also wenn überhaupt irgendetwas auf der Welt
system- und fachübergreifend sowie komplex denken kann, dann ist es
das menschliche Gehirn mit seinem wunderbaren Gedächtnis, seiner
Fähigkeit im Nu Dinge zu vergleichen und zu kombinieren, die
scheinbar nichts miteinander zu tun haben, und nicht der Computer. Ich
meine, wenn ein Computer besser Schach spielt als ein Schachgenie,
heißt das noch lange nicht, dass die Maschine das Spiel auch
verstanden hätte. Der Computer ist derjenige, der
komponentenorientiert arbeitet, indem er gleichzeitig Millionen
Stellungen parallel berechnet und die Teilergebnisse zu einem
Gesamtergebnis zusammenaddiert, während der (trainierte) Mensch in
komplexen Stellungen oft "auf einen Blick" die Lösung findet.
Wenn ich heute schon weiß, was morgen ist, ist ja morgen damit dann schon Vergangenheit. Kann ich mir also heute überlegen, was ich gestern machen will, damit ich heute (oder vorgestern? übermorgen?) endlich mal was neues erlebe?
Um die Realität wirklich genau berechnen zu können,
müsste man sie 1:1 simulieren, um z.B. Butterflyeffekte zu
vermeiden. Sollte nämlich irgendwo auch nur die geringste
Ungenauigkeit bei irgendeinem Wert auftreten, so wird diese automatisch
zu Folgefehlern führen würde und am Ende dann ein komplett
anderes Ereigniss eintreten. Für kleine, geschlossene Systeme oder
makroskopische Systeme, spielen solche minimale Abweichungen in kurzen
Zeiträumen nur eine sehr kleine Rolle. Sobald man sich aber an
komplexere Zusammenhänge heranwagt, wo zudem noch ein Anfangswert
bestimmt werden muss, wird man versagen.
Es ist für uns physikalisch unmöglich einen Startwert zu
bestimmen, und selbst wenn wir ihn wüssten, bräuchte man zu
einer korrekt nachbildenden Simulation, Kapazitäten, die so
groß wären wie die Realität selbst, finde ich zumindest ;)
Elementarteilchensimulation
bin mal gespannt wie die funktioniert, da derzeit noch gar nicht bekannt
ist, was Elementarteilchen genau sind, ob sie überhaupt sind und ob
es nicht "hinter" ihnen wieder etwas noch unwirklicheres gibt,
das dann auch simuliert werden müsste.
Gebt die Milliarde doch einfach mir, ich verspreche, ach was ich
schwöre euch, daß damit der Menschnheit wesentlich mehr
gedient wäre.
Technik leistet Denkarbeit? Wohl kaum! Aber dennoch, der Ansatz ist zwingend, wenn auch nicht global
Denn was wäre wünschenswerter, als den Lobbyismus
auszuschalten? Das aber ist nur möglich, wenn an Stelle
beeinflußbarer Politiker ein Computer nach Faktenlage entscheidet.
Dieselben Überlegungen habe ich nämlich schon vor Jahren zum
Umgang mit dem Sozialstaat gehabt. Wie die Dauerkrise ja wunderbar
zeigt, hat sie zu einer noch stärkeren Umverteilung von unten nach
oben geführt, hat also Millionen von unbeteiligten Menschen
geschadet, den Verursachern dagegen sogar noch genutzt.
Hätte ein Computer zu entscheiden gehabt, unter der Prämisse,
den Lebensstandard aller Menschen zu steigern, mindestens aber auf einem
bestimmten Level zu halten, ein Auseinanderdriften der Schichten
jedenfalls zu verhindern, dann sähe die Situation sicher anders,
jedenfalls besser aus. Da bin ich mir sicher.
Die Berechnung der Welt mag möglich sein, selbst unter der Wahrung
persönlicher Freiheit, aber zu Anfang wäre ein kleineres
Modell sicherlich besser geeignet, Vor- und Nachteile zu sondieren.
Wäre das System wirklich zu Prognosen fähig,
wäre das Gedankenexperiment im vorletzten Absatz überhaupt kein Problem, denn dann könnte das System ja auch prognostizieren, dass seine Prognose nur deshalb nicht eintritt, weil die Personen, auf die die Prognose sich bezieht, sich gezielt so verhalten werden, dass die Prognose nicht eintritt. Sag ich jetzt mal so als Laie.
Wer wird das Modell zur Manipulation nutzen?
Da hat der wunderbare Film "Welt am Draht" von Rainer Werner Fassbinder 1973 schon eine atemberaubende Verbildlichung vorgegeben. Lebt der Protagonist Herr Stiller noch oder in dem Züricher Professor wieder auf? Den Film gibt es als DVD bei Zweitausendeins
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 07.01.2013 18:26 UhrEiner der genialsten Filme die ich kenne!
Den muss (!!!) man gesehen haben. Als ich den zufällig auf DVD sah,
kaufte ich ihn sofort, weil mein altes VHS-Band mittlerweile den Geist aufgibt.
Das von Prof. Helbing angestrebte Vorhaben ein "Living Earth
Simulator" (LES) zu implementieren, ist prinzipiell unmoeglich. Die
Problemstellung aehnelt dem 'Berechenbarkeitsproblem', das man von
'Computer Theory' wohl kennt. Es gibt Probleme in der Informatik, die
nachweislich unloesbar sind. (Sogar die Mehrzahl der Probleme in ihr
sind unloesbar.) Waere eine LES moeglich, so muesste sie ihr eigenes
Modell beinhalten (da sie Teil der zu modellierenden Welt waere). Somit
gelangt man zum unendlichen Regress, eine Unmoeglichkeit. Eine
alternative Argumentation, die die Unmoeglichkeit einer LES aufzeigt
benutzt den Rueckkopplungseffekt: Mit einem LES ausgeruestet waere der
Benutzer in der Lage 'sich selbst auszutricksen' um dennoch den
gewuenschten Effekt herbeizufuehren (z.B. wirtschaftliche od.
militaerische Vorteile). Das Problem ist wieder, dass das Verhalten des
Modellierers nicht Teil des Modells werden kann.
Beste Gruesse: A. Csenki
Steckt sich Federn anderer an den Hut
Andere Wissenschafter haben in den vergangenen 60 Jahren die
Erklärungen für Katastrophen verschiedener Art geliefert und
damit prinzipiell vorausgesehen. Reklamiert er das für sich? Oder
fehlt im das Verständnis für den 'Feedback- und
Kaskadeneffekt' der Politik, bei dem ein falsches Wort den Zusammenbruch
von Firmen (egal ob Finanzsektor oder Automobilbau) auslösen kann?
Wenn er die Effekte nicht versteht, dann ist er unqualifiziert. Oder ein Hochstapler.
Was die 'Feedback- und Kaskadeneffekte' angeht, wurde ja schon
geschrieben dass es eine hochtrabende Bezeichnung für die
Wettervorhersage ist.
Seine Kompetenz für Software-Entwicklung ist ebenfalls zweifelhaft.
Erst entwickelt man die Software, dann kauft man die passende Hardware.
Man kauft nicht erst Hardware, die mangels Software einige Jahre nicht
richtig genutzt werden kann, und stellt bei Fertigstellung der Software
fest, dass die Hardware dann veraltet ist. Ebenfalls ein von ihm
missverstandener Feedback-Effekt.