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Forschung an der Zukunftsmaschine Die Berechnung der Welt

 ·  In Zürich will ein Professor auf einem Computer das gesamte Weltgeschehen simulieren. Menschliches Verhalten und die Zukunft sollen so berechenbar werden. Wollen wir das überhaupt?

Artikel Lesermeinungen (31)
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Markus Bachmann
Markus Bachmann (Herr_B) - 09.01.2013 08:34 Uhr

Absoluter Unsinn

Der Artikel taugt als Realsatire! Und zwar, weil entweder die Dreistigkeit oder die Naivität des Züricher Professors nicht entlarvt wird. Das Vorhaben ist nichts anderes als ein gedanklich drittklassiger Rückfall in die kybernetischen Illusionen der 1960er Jahre, mit denen schon damals über die langfristige Vorausplanung und Vorhersehbarkeit sozialer Prozesse phantasiert wurde.
Einen solchen Humbug nun wieder zum Thema zu machen und ihn zum Zwecke der Tarnung in ein paar moderne Phrasen des zeitgeistigen Jargons zu kleiden ist eine traurige Vorgehensweise, mit der sich Professoren von Universitätslehrstühlen wider besseres Wissen(!) Forschungsgelder für irgendwas erschleichen.

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Oriana Schällibaum

von wegen totalitär

Natürlich sieht FuturICT nach etwas viel Rhetorik aus, aber ....
Sie wollen ja nicht detaillierte Zukunftsvorhersagen machen (das wäre allerdings Scharlatanerie), sondern Aussagen über ein System.
Sieht man sich die FuturICT Anträge tatsächlich an, erkennt man, dass es nicht um totalitären Anspruch geht, sondern darum, aus den Daten, die wir bereits haben, eine "bessere" Welt zu machen, eine Welt
die weniger dem gewinnorientierten, kurzsichtigen Denken von Einzelnen (Privatinteressen) und den Lobbies ausgeliefert ist!
Dass der jetzige Zustand ein natürlicher wäre, "zum Wohle aller", kann ja wohl keiner behaupten.
Heute ist die Realität wesentlich kontrollierter, als sie mit FuturICT sein würde, einfach im Verborgenen. Woher diese Angst vor der Wissenschaft? Wir alle wollen doch mehr zu sagen haben - hier bietet man uns mehr Mitsprache!
Je mehr Leute daran beteiligt sind, desto weniger kann übrigens das System von Einzelnen kontrolliert werden.

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Nikolaus Neininger

Nach Golde drängt, Am Golde hängt Doch alles. Ach wir Armen!

Wenn als Preisgeld mal eben eine Milliarde ausgelobt wird, kann man schon verstehen, daß da Etliche schwach werden. Zum Vergleich: das sind etwa die Kosten eines kompletten mittleren Satellitenprojektes, inklusive Entwicklung, Bau und Test der Komponenten, Zusammenbau von zwei vollständigen Exemplaren, Gesamttests, Start und Betrieb über die gesamte Lebensdauer.
Wer sich mal so richtig gruseln möchte, der sollte mal die Vorstellungen der Projekte in diesem Kontext anschauen (Stichwort FET Proactive bei der EU). Es ist offensichtlich, daß sich die Kandidaten in Schaumschlägerei und gigantomanischem Schwachsinn gegenseitig zu übertreffen versuchen - man kann es ihnen ja noch nicht einmal verübeln.
Aber - entweder weiß Herr Helbing, daß es Unfug ist, in einem nichtlinearen System von kleinen Teilen auf das Ganze zu schließen, dann ist er ein Hochstapler - oder er weiß es nicht, dann ist er ein Scharlatan.
Nachträglich vorhergesagt haben die Finanzkrise übrigens noch etliche andere....

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Jan Lüdinger
Jan Lüdinger (yucki) - 08.01.2013 02:40 Uhr

Die Naivität der FAZ-Kommentatoren ist erschütternd. Don't underestimate the power of Stochastics!

Vor kurzem traf ich einen Studenten der "Peace & Conflict Studies", der sich selbstständig machen möchte. Womit? Hiermit:
Er zeigte mir auf seinem Laptop, dass er regelmäßig das gesamte Twitter-Netzwerk der Syrischen Rebellen Kämpfer herunter lädt (frei verfügbar im Internet) und die Netzwerkstrukturen mit einer der vielen "Social Network Analysis Tools" (googlen!) untersucht. Dort identifiziert er spielerisch die "Central Player" der einzelnen Rebellen Gruppen und die Strukturen der Gruppen zueinander. Der Arabischen Sprache mächtig, beginnt dann für ihn die lange Recherche, welche dieser Leute der Welt was preisen.
Er sagte, die Anrufe der NGOs mit Fragen: "Wir wollen in Syrien "das" erreichen, welche Leute müssen wir zusammenbringen?" stark häufen.
Niemand möchte die Zukunft exakt vorhersagen, aber alle wollen sie nach ihrem Interesse mit Hilfe der Stochastik formen und tun dies bereits mit Ansätzen wie im Artikel beschrieben. Das ist die Zukunft, hoffen wir sie wird "demokratisch"

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Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 08.01.2013 18:24 Uhr
Jan Lüdinger
Jan Lüdinger (yucki) - 08.01.2013 18:24 Uhr

Der Computer wird die Arbeit tun, der Computer.

Das Beeindruckende bei seiner Netzwerkanalyse (nicht einiger dutzend sondern einiger zehntausend Akteure, auf einem 5 Jahre alten Laptop) war für mich die Frage, zu welchen Ergebnissen ein Team aus Mathematikern spezialisiert auf Graphentheorie und Stochastik, Spezialisten der Interpretativen Semantik, Psychologen, Soziologen, Informatikern, Politologen und Historikern kommt.
Solche Teams gibt es natürlich schon jetzt zu Hauff, da diese Informationen viel wert sein können.

Man verstehe mich nicht falsch. Ich sehe diese gesamte Entwicklung sehr skeptisch. Aber sie wird sich weiter beschleunigen, unabhängig von diesem Projekt. Die Frage ist, wollen wir diesen Prozess als Gesellschaft so gut wie möglich gestalten?

Übrigens, politisch/gesellschaftliche Akteure können doch nur bedeutend sein, indem sie mit der Gesellschaft interagieren. Wie häufig haben Sie persönliche Vieraugengespräche mit Politikern, wie häufig wird ihr Meinungsbild über diese aus dem Internet geprägt?

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Walter Müller

Wer bezweifelt denn, ...

dass sich einzelne, konkret gestellte Fragen anhand der Auswertung der Aktivitäten weniger dutzend Akteure in einem einzigen sozialen Netzwerk beantworten lassen? Das kommt doch in Bezug auf Aufwand und Komplexität nicht mal annähernd dem Versuch nah, das gesamte Weltgeschehen zu erfassen bzw. berechnend vorwegzunehmen (also quasi automatisiert Antworten auf noch gar nicht gestellte Fragen zu liefern). Zumal Ihr der arabischen Sprache mächtiger Bekannter die eigentliche Denkarbeit ja offenbar selbst vornehmen muss. Wie viele hundert Millionen „Selbständige“ sollen denn demnächst damit beschäftigt sein, das auszuwerten, was Milliarden von Menschen in tausenden von Netzwerken tagtäglich austauschen?

Reichlich naiv finde ich übrigens eher die Vorstellung, wirklich bedeutende politische/gesellschaftliche Akteure (ob bekannt oder unbekannt) tauschten sich für jedermann verfolgbar im frei einsehbaren WWW aus.

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Alexander Epple
Alexander Epple (ATLien) - 07.01.2013 23:28 Uhr

Wenn ein Soziologe die Natur simulieren will...

...kann ja nur so ein Mist raus kommen.

Der Herr Soziologe wird spätestens dann mit physikalischen Gesetzen in Konflikt kommen, wenn er in den Bereich der Quantendynamik vordringt. Allerdings sollte er vielleicht auch mal mit seinen Kollegen aus dem Bereich der Strömungsmechanik reden, um die Probleme bei der Simulation von turbulenten Strömungen (Rechenaufwand als auch Unzulänglichkeit bestehender Modelle) zu verstehen. Dann wird er schnell feststellen, dass eine akkurate Vorhersage des Weltwetters Illusion ist - und ohne dies ist sein Computerorakel nichtsnutzig, da vom Wetter doch eine Menge, wie z.B. Dürren und Naturkatastrophen, abhängt. Hier gehe ich natürlich davon aus, dass der Mann Naturwissenschaftliches Verständnis hat, was bei seinem Fach eher Wunschdenken ist.

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Seymour Hoffmann

Politisch inkorrekte informationen auch einbeziehen?

Abgesehen von grundsaetzlichen fragen steht und faellt das programm mit den daten die eingespeist werden. Es ist also eine wichtige frage ob alle verfuegbaren daten beziehungsweise merkmale von objekten - seien es personen, organisationen, etc. - einbezogen werden. Wird also die realitaet modelliert oder ein politisch korrektes zerrbild das keine unterschiede zwischen verschiedenen populationen kennt (lewontin's fallacy) und daraus entstehenden demographischen dynamiken, bzw. auf human biological diversity zurueckzufuehrenden verhaltensunterschiede? Wird das programm geschlechterunterschiede beachten?
Abgesehen davon haben wir solche system schon, nur sind sie bislang dezentral organisiert, in form von immobilienmarktbeobachtern bei immobilienunternehmen, seuchenbeobachtung bei gesundheitsaemtern, kriminalitaetsbeobachtung durch polizeistatistiken...

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Bodo Kälberer

Dankeschön

Wäre es nicht mein Geld, mit dem der selbsternannte einzige Vorherseher der Finanzskrise da aufschneiden würde, ich würd mich nicht weiter ärgern. So tu ich's aber doch.

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Herold Binsack
Herold Binsack (Devin08) - 07.01.2013 20:30 Uhr

Es lebe die Diktatur der Experten

Ich kann mir vorstellen,dass die hysterisch gewordene bürgerliche Klasse dieses Projekt gerne finanziert sähe. Doch wenn das nicht die Matrix schüfe für jene längst beschworene Diktatur der Experten, wird es günstigstenfalls ein Ergebnis liefern, das absehbar gewesen wäre. Es wird sozusagen datengestützt belegen, wie Chaos und Kapitalismus zusammenfallen, ja wie das eine das jeweils andere bedingt. Es sei denn, der Kapitalismus suchte nach einem Weg der Selbstauflösung. Solange es Klassen und Klassenkampf gibt, haben die Menschen mehr als einen Grund solchen „Visionen“ zu misstrauen. Die Selbstorganisation wird sich automatisch sozusagen einstellen, und dann wird sie auch technisch unterstützbar sein, wo alle menschlichen Bedürfnisse, Leidenschaften wie Befähigungen lückenlos und vorurteilsbefreit und zum Vorteil Aller kombiniert werden können. Verrate mir einer wie eines Ackermanns Wünsche nach 25 % Verzinsung seines Kapitals mit meinem Desinteresse an solchen Wünschen zusammenpassen?

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Antworten (5) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 10.01.2013 22:07 Uhr
Karl Hammer

Reden wir von der Naturwissenschaft?

Die alleine basiert auf experimentell überprüfbaren Fakten. Alles andere, so auch die Psychologie oder jede Gesellschaftstheorie, ist ebenso wenig beweisbar wie Annahmen der Philosophie oder Gott.
Eine Untersuchung des Nervensystems sagt nichts über den Willen aus, denn Wille ist eine Erfahrung, ebenso wie Gefühl. Das Nervensystem zeigt lediglich messbare chemische und elektrische Vorgänge. Die Natur des Erlebens liegt völlig im Dunkeln. Singer hat Gliederbewegungen mit Erregungsmessungen im Nervensystem untersucht. Halten Sie das Krümmen eines Fingers auch für einen Ausdruck des freien Willens?
Freier Wille ist naturwissenschaftlich gar nicht untersuchbar, da er nicht experimentell fassbar ist. Freier Wille ist ein Inhalt, eine Bedeutung, er beruht auf einer Refletkion der Welt, ihrer Bedeutung und der Schlußfolgerung daraus. Geistige Inhalte sind naturwissenschaftlich nicht erfassbar, da sie nicht Teil der naturwissenschaftlich messbaren Welt sind.

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Herold Binsack
Herold Binsack (Devin08) - 10.01.2013 14:44 Uhr

Des Menschen schwierigstes Rätsel

Demnach wäre jede Wissenschaft "Hybris". Übrigens halte ich es für Hybris Herr sein zu wollen über die eigenen Leidenschaften. Besprechen Sie sich diesbezüglich mal mit Wolf Singer! Auf welche Weise wir Menschen ticken, ist ihm nach klar determiniert, also nicht beeinflussbar. Ich glaube das so wohl nicht, denn mir scheinen die Faktoren noch nicht völlig enträtselt, doch ist genau dieses Rätsel des Menschen schwierigstes. Doch wo eines Singers blinder, da mechanischer Materialismus versagen muss, hülfe vieeleicht eines Hegels, bzw. Marx Dialektik.

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Karl Hammer

Es ist dem Menschen grundsätzlich nicht möglich, die gesamte Wirklichkeit zu erkennen!

Daher kann ich auch die "realen Triebkräfte" nicht zuverlässig benennen und noch weniger steuern (schon gar nicht die sozialer, ökonomischer oder ökologischer Systeme). Es handelt sich bei diesen Versuchen um die Hybris des menschlichen Geistes und bei Versuchen dies in staatlichen Systemen zu verwirklichen um eine Monströsität.
Die einzige Freiheit die der Mensch besitzt ist diejenige über seine eigene Entscheidung, das Gute oder das Böse zu tun. Der Geist kann über das eigene Sinnliche siegen, aber schon dahinter ist das Ende seiner Macht. NIEMAND steuert Gesellschaften oder erschafft eine "bessere Welt". Jeder Versuch dazu muß in Chaos und Leid enden, denn ich kann nicht steuern was ich nicht verstehe.

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Herold Binsack
Herold Binsack (Devin08) - 08.01.2013 13:07 Uhr

Die "befreite" Bürokratie

@Hammer: Wenn Sie den Klassenkampf nicht sehen, dann ist es Ihnen auch nicht möglich zu erkennen, was die realen Triebkräfte sind, die den Kapitalismus genau dorthin geführt haben, wo er sich jetzt befindet. Getrieben vom tendenziellen Fall der Profitrate, und damit bedroht von der sozialistischen Revolution, unterwirft sich das Kapital blind seinen Metamorphosen. Die aktuelle Metamorphose, also jenes von Ihnen so benannte „Konglomerat aus halbstaatlichem Finanz- und Konzernwesen und totaler Bürokratie“, zeigt was „Globalisierung“ bedeutet: Zerstörung der nationalen Bourgeoisien, wie im übrigen aller nationalen Klassen. Die nationalstaatliche Bürokratie bleibt, obwohl sie selber auf der Abwicklungsagenda steht, das einzige Werkzeug. Um sie dahin zu bewegen muss sie „befreit“ werden von den nationalen Parlamenten. Die EG-Bürokratie ist das idealtypische Beispiel hierfür. „Sozialistisch“ ist allenfalls nur eine „Tendenz“, die sich aus dem Klassenwiderspruch von Kapital und Arbeit ergibt.

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Karl Hammer

Das einzige was hier hysterisch geworden ist, ist der totale Staat mit seinen Gläubigen.

Hierzu macht er die Reste dessen platt, was einmal die leistungstragende freie bürgerliche Klasse gewesen ist.
Und was um alles in der Welt hat das Konglomerat aus halbstaatlichem Finanz- und Konzernwesen und totaler Bürokratie mit Kapitalismus zu tun? Ackermann als freier Kapitalist? Hahaha.
Früher nannte man es Sozialismus, heute die längste Abzocke der Welt.
Klassenkampf? Ich glaube ich bin im Wald... gibt es tatsächlich noch Leute, die diese Propaganda glauben?

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Karl Hammer

Die Erntebemühungen um staatliche Fördergelder werden immer lächerlicher

Offensichtlich steigt der Infantilitätsgrad exponentiell mit der Menge des verfügbaren Geldes. Hat der Herr seinen Professorentitel gewonnen? Offenbar steht es um das staatlich zwangsfinanzierte Hochschulwesen auch nicht mehr zum Besten.
Am einfachsten wäre es, sämtliche "Fördertöpfe" und Ministerien einzustampfen und dem anhängenden Staat das Recht zu nehmen, solche einzurichten und einzutreiben. Dann hätten die Medien zwar weniger zu berichten, aber die Luft wäre gleich auch viel sauberer.
Weg mit dieser Form von Allstaat, weg mit der EU, weg mit diesem Dreck. Mehr saubere Luft und weniger öffentlich bestallte Dummschwätzer.

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Bernd Lieferts

Abgreifer

Schon nach dem ersten Absatz war es mir klar, worum es diesem Herrn eigentlich geht! Eine Milliarde Euro irgendwie in die eigenen Taschen bzw. die Taschen anderer Beteiligter zu leiten. Dazu wird mit Buzzwords um sich geworfen, dass jeder Bullsh*t-Bingo-Zettel nach 5 Minuten komplett angekreuzt sein müsste.

Zuerst sollte durchleuchtet werden, wer Anteile welcher Art an anderen Firmen hält, die sich mit ähnlichen Themen befassen. Die F&E (+ den persönlichen, bestens alimentierten Hightechspielplatz) bezahlen andere, und gaaaanz zufällig macht eine Klitsche am anderen Ende der Welt die gleiche "Entdeckung" und den grossen Reibach.

Weiter stellt sich die Frage, weshalb Google, Facebook oder die CIA (alle drei haben die finanziellen und personellen Resourcen) ein solches Projekt nicht alleine finanzieren? Alle sitzen auf riesigen Datenhalden, die sie nicht vernünftig auswerten können, weil die Menschen doch alle individuell sind und sich nicht in Schablonen pressen lassen (möchten!).

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Closed via SSO

Der Gedanke ist nicht neu, siehe:

Galouye: »Simulacron3« = Fassbinder: »Welt am Draht«, Olsberg: »Das System«.
Ein solches Computer-System samt Software ist derzeit nicht vorstellbar. Dem stehen schon aus der Chaos-Forschung bekannte, theoretische Erkenntnisse entgegen. Zwar lassen sich Prognosen für einen begrenzten Zeitraum voraus berechnen, je komplexer das System, desto kürzer ist dieser. Erkennbar an den zwangsläufig erfolglosen Versuchen der Klimawissenschaft. Für wenige Tage lässt sich das Wetter vorhersagen – wer aber sagt, er könne die Klimaentwicklung hundert Jahre im Voraus berechnen, lügt.
Was beim vergleichsweise simplen Komplex Klima nicht gelingen kann, soll nun im Großen gelingen? Beim gesamten Weltgeschehen gar – warum nicht gleich bei der Galaxis ??? Wie will man nicht vorhersehbare Ereignisse einkalkulieren?
Nicht zu vergessen: Es gehört zum Menschsein, irrational zu handeln. Das wollten schon die Kommunisten eliminieren – Erfolg bekannt.
Hoffentlich gibt die EU für diesen Unsinn keinen einzigen Cent

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 07.01.2013 20:32 Uhr
Karl Hammer

Nicht nur derzeit nicht vorstellbar. Betreibt dieser Staat einen Peinlichkeitswettbewerb?

Eine Wirklichkeitssimulation müsste jedes Elementarteilchen simulieren, wobei dann die Frage nach dem unberechenbaren Zufall in der Quantenwelt, und die Frage nach den dahinter stehenden Wirkmechanismen noch gar nicht gestellt wäre. Abgesehen davon wäre eine solche Simulation wegen ihrer Komplexität langsamer als die Wirklichkeit, man könnte also auch ganz einfach abwarten was real passiert.
Und so ein gesabbere (sorry, anders kann man das nicht nennen) kommt aus dem Munde eines "Professors". Danke, daß ihr mir die Illusion einer "Wissenschaft" im Reste dessen, was sich einmal westliche Zivilisation genannt hat, genommen habt. Betätigen die sich an den staatlichen Forschungseinrichtungen eigentlich noch mit etwas Anderem als dem Geschachere um Fördergelder?
Meine Achtung vor den staatlichen Institutionen ist ein weiteres mal erheblich eingebrochen, obwohl es da nicht mehr viel Platz nach unten gibt. Es handelt sich inzwischen auch mehr um Setzbewegungen.
Weg mit der EU.

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Franz Müller
Franz Müller (Franzy) - 07.01.2013 18:42 Uhr

"weil unsere Gehirne komponentenorientiert denken."

„Wir verstehen die Zusammenhänge in der globalisierten Welt nicht mehr gut genug“, sagt Helbing. „Es fällt uns schwer zu sehen, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile, weil unsere Gehirne komponentenorientiert denken.“
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Stimmt das denn? Also wenn überhaupt irgendetwas auf der Welt system- und fachübergreifend sowie komplex denken kann, dann ist es das menschliche Gehirn mit seinem wunderbaren Gedächtnis, seiner Fähigkeit im Nu Dinge zu vergleichen und zu kombinieren, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, und nicht der Computer. Ich meine, wenn ein Computer besser Schach spielt als ein Schachgenie, heißt das noch lange nicht, dass die Maschine das Spiel auch verstanden hätte. Der Computer ist derjenige, der komponentenorientiert arbeitet, indem er gleichzeitig Millionen Stellungen parallel berechnet und die Teilergebnisse zu einem Gesamtergebnis zusammenaddiert, während der (trainierte) Mensch in komplexen Stellungen oft "auf einen Blick" die Lösung findet.

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Closed via SSO

Sehr praktisch

Wenn ich heute schon weiß, was morgen ist, ist ja morgen damit dann schon Vergangenheit. Kann ich mir also heute überlegen, was ich gestern machen will, damit ich heute (oder vorgestern? übermorgen?) endlich mal was neues erlebe?

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Otto Meier

Technik leistet Denkarbeit? Wohl kaum! Aber dennoch, der Ansatz ist zwingend, wenn auch nicht global

Denn was wäre wünschenswerter, als den Lobbyismus auszuschalten? Das aber ist nur möglich, wenn an Stelle beeinflußbarer Politiker ein Computer nach Faktenlage entscheidet.

Dieselben Überlegungen habe ich nämlich schon vor Jahren zum Umgang mit dem Sozialstaat gehabt. Wie die Dauerkrise ja wunderbar zeigt, hat sie zu einer noch stärkeren Umverteilung von unten nach oben geführt, hat also Millionen von unbeteiligten Menschen geschadet, den Verursachern dagegen sogar noch genutzt.

Hätte ein Computer zu entscheiden gehabt, unter der Prämisse, den Lebensstandard aller Menschen zu steigern, mindestens aber auf einem bestimmten Level zu halten, ein Auseinanderdriften der Schichten jedenfalls zu verhindern, dann sähe die Situation sicher anders, jedenfalls besser aus. Da bin ich mir sicher.

Die Berechnung der Welt mag möglich sein, selbst unter der Wahrung persönlicher Freiheit, aber zu Anfang wäre ein kleineres Modell sicherlich besser geeignet, Vor- und Nachteile zu sondieren.

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Walter Müller

Wäre das System wirklich zu Prognosen fähig,

wäre das Gedankenexperiment im vorletzten Absatz überhaupt kein Problem, denn dann könnte das System ja auch prognostizieren, dass seine Prognose nur deshalb nicht eintritt, weil die Personen, auf die die Prognose sich bezieht, sich gezielt so verhalten werden, dass die Prognose nicht eintritt. Sag ich jetzt mal so als Laie.

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Dietrich Riemann

Wer wird das Modell zur Manipulation nutzen?

Da hat der wunderbare Film "Welt am Draht" von Rainer Werner Fassbinder 1973 schon eine atemberaubende Verbildlichung vorgegeben. Lebt der Protagonist Herr Stiller noch oder in dem Züricher Professor wieder auf? Den Film gibt es als DVD bei Zweitausendeins

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 07.01.2013 18:26 Uhr
Closed via SSO

Einer der genialsten Filme die ich kenne!

Den muss (!!!) man gesehen haben. Als ich den zufällig auf DVD sah, kaufte ich ihn sofort, weil mein altes VHS-Band mittlerweile den Geist aufgibt.

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Attila Csenki

Grundsatzlich unmoeglich

Das von Prof. Helbing angestrebte Vorhaben ein "Living Earth Simulator" (LES) zu implementieren, ist prinzipiell unmoeglich. Die Problemstellung aehnelt dem 'Berechenbarkeitsproblem', das man von 'Computer Theory' wohl kennt. Es gibt Probleme in der Informatik, die nachweislich unloesbar sind. (Sogar die Mehrzahl der Probleme in ihr sind unloesbar.) Waere eine LES moeglich, so muesste sie ihr eigenes Modell beinhalten (da sie Teil der zu modellierenden Welt waere). Somit gelangt man zum unendlichen Regress, eine Unmoeglichkeit. Eine alternative Argumentation, die die Unmoeglichkeit einer LES aufzeigt benutzt den Rueckkopplungseffekt: Mit einem LES ausgeruestet waere der Benutzer in der Lage 'sich selbst auszutricksen' um dennoch den gewuenschten Effekt herbeizufuehren (z.B. wirtschaftliche od. militaerische Vorteile). Das Problem ist wieder, dass das Verhalten des Modellierers nicht Teil des Modells werden kann.

Beste Gruesse: A. Csenki

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Joerg Purat
Joerg Purat (sunrun) - 07.01.2013 17:37 Uhr

Lösen wir einfach eine Gleichung mit

7.113.600.000 Unbekannte... ganz einfach....
Humbuck!! Über menschliches Verhalten greift keine Physik und keine Mathematik...

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Martin Wehlan
Martin Wehlan (wehlan) - 07.01.2013 17:27 Uhr

Die Frage ist falsch gestellt

Es muss nicht gefragt werden, ob wir das überhaupt wollen, sondern ob man das überhaupt kann. Und die Antwort ist ganz klar nein. Wenn die Zukunft berechenbar wäre, dann gäbe es keine Freiheit mehr. Alles wäre determiniert und man könnte seinem berechneten Schicksal nicht entrinnen - Ödipus lässt grüßen.
Keiner von uns weiß wie die Welt in 10 Jahren aussieht. Da kann man noch so große Computer verwenden - es kommt nichts Vernünftiges dabei heraus.

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Hans henseler

Die unendliche Menge der Daten machen die "Welt" als Simulationsmodell wohl unmoeglich

aber fuer bestimmte Teilbereich laesst sich schon etwas erreichen, obwohl wie beim Wetter
eine hundertprozentige Voraussage nicht moeglich sein wird. Wollen "wir" das ueberhaupt?
"Wir" vielleicht nicht, aber es gibt mit Sicherheit zahlungskraeftige Interessierte!

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07.01.2013, 16:17 Uhr

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