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Filmkomödie „Mein Führer“ : Dürfen wir über Hitler lachen?

  • Aktualisiert am

Levy bei den Dreharbeiten: „Ich liebe Grenzerweiterungen” Bild: X-Verleih

Dani Levy, dessen Komödie „Mein Führer“ im Januar ins Kino kommt, im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Er spricht über Helge Schneider, Humor, Tabus und Hitler als Würstchen und erbärmliche Kreatur.

          Dani Levy, dessen Komödie „Mein Führer“ im Januar ins Kino kommt, im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Er spricht über Helge Schneider, Humor und Tabus und Hitler als Würstchen und erbärmliche Kreatur.

          Im Januar kommt Ihr neuer Film in die Kinos, eine Komödie über den Nationalsozialismus. Helge Schneider spielt darin Adolf Hitler. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ihn zu besetzen?
          Das kam mir beim Schreiben. Als ich die erste Drehbuchfassung geschrieben habe, hab' ich immer wieder an Helge Schneider gedacht. Als Adolf Hitler. Ich dachte, was ist denn jetzt los, hast du zuviel gekifft, oder bist du schon etwas eigenartig altersverschroben, warum denn Helge Schneider? Zumal ich ihn auch nicht kannte, als Mensch nicht und auch sein Programm eigentlich nicht. Ganz eigenartig. Das war wie so ein Traum, den man nicht loswird. Also hab' ich gedacht, okay, dann muß ich den Mann wohl mal anrufen und ihm erzählen, daß ich ihn als Adolf Hitler sehe.

          Und wie hat er reagiert?
          Freundlich, belustigt. Er meinte, ja, das ist 'ne Rolle, die man schon mal spielen könnte, ich solle ihm mal das Buch schicken und überhaupt. Und bei den Probeaufnahmen habe ich dann meine Instinkte so was von klar bewiesen gesehen. Ich wußte sofort, der ist der richtige Adolf Hitler. Weil er verschiedene Komponenten mitbringt, die für mein Projekt richtig sind. Er ist lässig genug. Er arbeitet sich nicht ab an dieser Figur, sondern spielt das wie ein Jazzmusiker. Er ist naiv - das finde ich für eine Komödie ganz wichtig. Daß man die Interpretation nicht gleich mitspielt, sondern daß man es eins zu eins macht. Gleichzeitig ist er musikalisch. Das heißt, er konnte Tonaufnahmen und Filmdokumente von Adolf Hitler supergut reproduzieren. Und er ist kooperativ, weil er weiß, wie sich das anfühlt, wenn man einen Film macht.

          Zu dem Projekt soll Sie Eichingers „Untergang“ inspiriert haben. Sie wollten dem einen humoristischen Antifilm entgegensetzen.
          Als ich von dem Projekt erfahren habe, also noch bevor es den Film gab, hat es mich schon in den Fingern gejuckt, einen Gegenfilm dazu zu machen, eine Art subversive Antwort darauf. Alleine die Konstellation Eichinger, Fest, Hirschbiegel - daß die mit viel Geld ein deutsches Monument herstellen wollten, das hat mich gereizt, dem etwas Kleines, Schnelles, Freches, politisch Inkorrektes entgegenzusetzen.

          Vor lauter Arbeit ist Levy noch nicht dazu gekommen, sein Bücherregal einzuräumen

          Ihre Filmhandlung ist fiktional. Im Mittelpunkt steht eine letzte große Hitler-Rede, die es in Wahrheit nie gegeben hat.
          Ich muß dazu sagen, daß sich in mir über Jahrzehnte eine Lust aufgestaut hat, die sogenannte Aufarbeitung der Deutschen im filmischen Bereich aufzumischen. Mindestens seitdem ich angefangen habe, mich hier in Deutschland auch künstlerisch bewußt als Jude zu fühlen. Ich wollte dieser autoritären Geschichtsschreibung schon lange etwas Antiautoritäres entgegensetzen. Etwas, das auch die dogmatische Instanz Film hinterfragt. Das begann schon, als die Diskussion um Schindlers Liste entbrannte. Dem Film stand ich kritisch gegenüber, nicht weil der Film nicht gut war, ich fand den sogar sehr gut. Sondern weil es mich geärgert hat, daß Hollywood nun selbst beim Thema Holocaust behauptet, uns die Wahrheit erzählen zu können. Mich hat geärgert, daß da das Abbild eines Phänomens geschaffen wird, von dem ich glaube, daß es nicht abbildbar ist. Auch moralisch nicht abbildbar sein darf. Damals hab' ich gedacht, daß man das skurriler, eigensinniger, letztendlich auch freidenkerischer aufziehen muß.

          Also eher „Das Leben ist schön“ als „Schindlers Liste“?
          Ja. Benigni hat eigentlich genau das gemacht, was ich richtig fand. Als ich den Film zum ersten Mal gesehen habe, war ich verunsichert, sogar verärgert. Ich hatte das Gefühl, daß das nicht geht.

          Daß man mit dem Holocaust nicht poetisch umgehen darf?

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