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Gegen das Festival Pop-Kultur : Die Hetzer

In diesem Jahr von einem palästinensischen Boykott-Aufruf gebeutelt: Zur Eröffnung des Festivals Pop-Kultur trug man im Vorjahr Leinentaschen. Bild: dpa

Mit einem Boykottaufruf des Festivals Pop-Kultur wird wieder einmal versucht, Judenfeindschaft zu legitimieren und Israel zu dämonisieren. Höchste Zeit für deutliche Worte.

          Sie rufen dazu auf, die „richtige Seite der Geschichte“ zu wählen und Israel zu schaden, wo es nur irgend geht: „The Palestinian Campaign for the Academic and Cultural Boykott of Israel“, eine Unterabteilung der Bewegung „Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen“ (BDS), hat Deutschland längst erreicht und eigentlich müssten die Alarmglocken schrillen. Die Kampagnen-Hetzer stehen vor Supermärkten und Kaufhäusern und fordern dazu auf, keine Waren zu kaufen, die mit Israelis, also Juden, in Verbindung gebracht werden könnten.

          Protest dagegen ist nicht garantiert. Im Gegenteil, kurzzeitig glaubte sogar ein großes Kaufhaus, dessen Gründer einst Opfer von Arisierung, „Judenboykott“ und Vertreibung geworden waren, sich daran beteiligen zu müssen. Wüst hatten BDS-Störer vor wenigen Wochen in der Humboldt Universität eine Überlebende des deutschen Judenmordes beschimpft; die Universität hat sie sofort angezeigt, leider noch keine Selbstverständlichkeit. Jetzt trifft der neue Judenhass ein Pop-Kultur-Festival, weil dort eine Sängerin aus Israel auftreten wird; ihre Regierung hatte ihr das Flugticket nach Berlin bezahlt. Das reichte aus für die Absage arabischer Musiker, zu denen sich nun auch ein Finne und drei britische Musiker gesellten. Der „taz“ hatte der deutsche Manager einer ägyptischen Band die Absage mit „massivem Druck durch die einheimischen Medien und über soziale Netzwerke“ erläutert. Vielleicht sei es hilfreich, so der Manager zur „taz“, wenn man sich vorstelle, auf der Unterstützer-Website des Berliner Festivals hätte statt dem Logo der israelischen Botschaft das der NPD geprangt.

          Anderen Stellungnahmen ist zu entnehmen, dass Israel und die Juden und nicht der islamische Terror verantwortlich sind für den Flächenbrand in Nahost. Ein Boykott-Musiker, anerkannter und gefeierter Flüchtling in Berlin, hat seine krude Botschaft sogar im Forum einer Demokratie-Initiative für Flüchtlinge verbreitet und den Versuch der Initiatoren, über Antisemitismus aufzuklären, als „eurozentristisch“ gegeißelt. Mit formelhaften Bekenntnissen zur besonderen historischen Verantwortung Deutschlands ist gegen solche Versuche, wieder einmal Judenfeindschaft zu legitimieren und Israel zu dämonisieren, nicht anzukommen. Das braucht deutliche Worte, wie sie Kulturstaatsministerin Grütters jetzt fand, die Hetze im Vorfeld des Festivals als „absolut unerträglich“ kritisierte, genauso wie Berlins Kultursenator Lederer. Er verurteilte die Kampagne als „inakzeptablen Versuch“, in unser Freiheitsverständnis einzugreifen. Es war höchste Zeit.

          Regina Mönch

          Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

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