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Fernsehen : „Popetown“ läuft - mit einer Folge

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„Wir provozieren gerne”: Elmar Giglinger Bild: MTV

Politiker und Kirchenvertreter sind empört, doch MTV will die Papst-Satire „Popetown“ am 3. Mai ausstrahlen. Nach der ersten Folge allerdings soll das Publikum mitentscheiden, ob die Serie fortgesetzt wird.

          Der Musiksender MTV steht mit seinem Papstcomic „Popetown“ in der Kritik. Am 3. Mai um 21.30 Uhr soll die erste Folge des Comics laufen - und vielleicht nur diese. Denn der Sender will über die Serie diskutieren und das Votum der Zuschauer berücksichtigen, um hernach zu entscheiden, ob die Serie dann wirklich läuft. Die von der Erzdiözese München und Freising geforderte Unterlassungsverpflichtung, die bis Mittwoch, 18 Uhr, gefordert war, hat MTV nicht unterzeichnet. Wir sprachen mit dem MTV-Programmdirektor Elmar Giglinger.

          Werden Sie die Zeichentrickserie „Popetown“ nun zeigen oder nicht?

          Wir werden am 3. Mai die erste Episode von „Popetown“ zeigen. Wir werden diese erste Folge einrahmen in eine Diskussion mit Vertretern der Kirche, der Medien, der Musikbranche, der Kultur und Zuschauern. Gleichzeitig werden wir den Zuschauern die Möglichkeit geben, sich telefonisch in die Sendung einzuschalten und wir werden ein Online-Forum haben, in dem die Zuschauer ihre Meinung äußern können. Das Publikum ist aufgerufen, sich während und nach der Sendung online (www.mtv.de/popetown) und per Telefon zu beteiligen. MTV wird die Reaktionen berücksichtigen und dann entscheiden, ob weitere Episoden ausgestrahlt werden.

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          Also lassen Sie Zuschauer und Kritiker quasi mitentscheiden. Warum der ungewöhnliche Aufwand?

          Wir wollen die Schärfe aus der Diskussion nehmen. Wir sind der Meinung, daß wenn alle die Serie gesehen haben, über die viele jetzt schon sprechen, es keine Diskussion über Blasphemie und die Frage, ob eine solche Serie verboten werden soll, mehr geben wird. Alle die, die „Popetown“ gesehen haben, debattieren über die Frage: Ist das jetzt eine tolle Satire oder ist es eher pubertärer Humor? Das ist eine Diskussion, der wir uns sehr gerne stellen.

          An der Ausstrahlung aber halten Sie fest. Die britische BBC, für die die Serie zunächst produziert worden ist, hat sich ja entschlossen, sie nicht zu zeigen.

          Ich glaube, der Vergleich mit der BBC hinkt ein bißchen. Die BBC ist in Großbritannien quasi öffentlich-rechtliches Fernsehen. Ich kann mir „Popetown“ auch nicht bei ARD oder ZDF vorstellen, das wären sicherlich nicht die richtigen Sender dafür. Wir sind MTV. Wir polarisieren gerne, wir provozieren gerne, wir kratzen auch gerne mal an Tabus. Das sind Kernwerte unserer Marke. Gleichzeitig halten wir „Popetown“ nicht für beleidigend und schon gar nicht für blasphemisch.

          Bleiben wir für einen Moment bei diesem Vorwurf der Blasphemie. Er macht sich fest an ihrer Werbung, die einen vom Kreuz herabgestiegenen Jesus zeigt, der im Fernsehsessel sitzt, unter dem Titel „Lachen statt rumhängen“. Darin haben ihre Kritiker die Beleidigung der Religion erkannt.

          Das ist ein Problem in der Diskussion. Viele reden von der Serie, die sie nicht gesehen haben und meinen de facto die Anzeigenkampagne.

          Und da können Sie die Kritik verstehen?

          Offensichtlich haben sich Menschen beleidigt gefühlt. Wir haben entsprechend schnell reagiert. Wir haben die Anzeigenkampagne sehr, sehr früh gestoppt.

          Haben Sie überhaupt mit derart massiver Kritik gerechnet?

          Wenn man eine Serie wie „Popetown“ kauft, ist klar, daß das lautstark und kontrovers diskutiert wird. Das Ausmaß und die tatsächliche Lautstärke haben wir aber nicht erwartet.

          Nehmen an Ihrer Debatte über „Popetown“ auch Vertreter der Katholischen Kirche und der Unionsparteien teil?

          Wir haben das Ganze erst heute morgen entschieden. Wir werden aber natürlich Vertreter der Katholischen Kirche einladen, im Idealfall jemanden von der Erzdiözese München und Freising, die unsere härtesten Kritiker sind, auch gerne jemandem vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend. Wir hätten sehr, sehr gerne Herrn Stoiber im Studio, ich hoffe, er kann sich die Zeit nehmen, vorbeizukommen.

          Es gibt Kritiker, die haben Parallelen zwischen „Popetown“ und dem Streit um die Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten“ gezogen. Können Sie das nachvollziehen?

          Nein.

          Auch nicht mit dem Hinweis, daß hier wie dort ein Religionsgründer durch den Kakao gezogen werde?

          Nein. Wie gesagt, wir halten „Popetown“ für nicht beleidigend und schon einmal überhaupt gar nicht für blasphemisch.

          Deshalb lassen Sie die Frist, die Ihnen die Erzdiözese München und Freising gestellt hat - an diesem Mittwoch, 18 Uhr - auch verstreichen. Was haben Sie der Kirche eigentlich geantwortet?

          Bisher haben wir noch keine schriftliche Stellungnahme übersandt. Wir werden versuchen, noch heute mit dem anwaltlichen Vertreter der Erzdözese München und Freising Kontakt aufzunehmen.

          Und was halten sie von der Strafanzeige, die der CSU-Politiker Joachim Herrmann gegen Sie gestellt hat?

          Es liegt uns keine Strafanzeige vor. Sollte ein entsprechendes Schreiben bei uns eingehen, können wir dazu keine Stellungnahme abgeben, da wir laufende Verfahren nicht kommentieren.

          Was würden Sie jemandem sagen, der annähme, daß dies ein kalkulierter Streit ist? Nach dem Motto: MTV braucht eine solche Debatte, „Popetown“ braucht eine solche Debatte, quasi als Marketing?

          Eine Marketingkampagne muß per se Aufmerksamkeit erzeugen. Dennoch hat uns Ausmaß und Lautstärke der Diskussion in der Dimension, wie wir es jetzt erfahren, überrascht. Wir wollten eine kontroverse Diskussion, keinen kalkulierten Streit.

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