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Veröffentlicht: 23.09.2014, 16:45 Uhr

Emma Watsons UN-Rede Feminismus darf ruhig auch mal nett sein

In einer Rede vor den Vereinten Nationen will die neue UN-Botschafterin Emma Watson das männliche Geschlecht für einen sanften Feminismus gewinnen. Wie dieser aussehen könnte, hat die Werbung längst vorgemacht.

von Lea Beiermann
© dpa Sanfte Feministin: Emma Watson vor dem Banner der „HeForShe“-Kampagne

Emma Watsons erste Amtshandlung als UN-Botschafterin für Frauenrechte war ein Lachen. Sie twitterte ein Bild, auf dem sie sich vor lauter Lachen vornüber beugt, die Haare offen, der Pulli weit schlabbernd. Mehr Ungezwungenheit lässt sich in einem Bild kaum unterbringen. Das Foto war eine Antwort auf die Forderung des türkischen AKP-Politikers Bülent Arinç: Frauen sollten in der Öffentlichkeit nicht lachen, hatte er gesagt, sondern stattdessen scheu erröten und den Blick gen Boden richten.

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Seit Juni diesen Jahres ist Emma Watson UN-Botschafterin und hat seitdem nicht nur öffentlich gelacht, sondern auch geredet: In Uruguay warb sie per Petition für die Einführung einer verbindlichen Frauenquote im Parlament, am vergangenen Wochenende hielt sie eine Rede im Hauptsitz der Vereinten Nationen. Dort versprach sie sich zum Auftakt ihrer „HeForShe“-Kampagne, die vor allem an Männer appelliert, für die Gleichberechtigung der Geschlechter einzusetzen.

„Feminismus ist ein unbeliebter Begriff geworden“, sagte Watson, denn er werde häufig mit Männerhass gleichgesetzt. Dabei runzelte sie die Stirn so vehement, wie nur Schauspielerinnen es können. Es gehe jedoch nicht nur darum, sagte sie weiter, Frauenrechte zu stärken, sondern vielmehr darum, geschlechterspezifischen Vorurteilen zu begegnen und starre Strukturen aufzulösen. So würden Männer in ihrer Elternrolle nicht wertgeschätzt und psychische Erkrankungen würden bei Männern tabuisiert, weil sie angeblich der Männlichkeit abträglich seien. Eine Gleichstellung von Mann und Frau könne deshalb auch Männern mehr Freiheit geben.

Schlingernde Arme, schlenkernde Beine

Emma Watsons Rede war emotional angereichert mit Geschichten aus ihrer Kindheit, ihr ganzer Auftritt war an Niedlichkeit kaum zu überbieten. „Vielleicht denken Sie, wer ist dieses Harry Potter-Mädchen und was tut es hier bei der UN?“ war der Moment des süßen Overkills, die Versammlung lachte. Das Video der Rede wurde bereits fast zwei Millionen Mal aufgerufen.

Einprägsame rhetorische Versatzstücke wie „Wenn nicht ich, wer?“ oder „Wenn nicht jetzt, wann?“ wurden in sozialen Netzwerken vielfach geteilt. Emma Watson war mehr Schauspielerin als Rednerin, aber vermutlich tat sie gut daran - die Rede, so viel ist sicher, hat Menschen erreicht. Und was will man mehr? Merkwürdig ist allein, wie stark der Appell an andere Videos erinnert, die ähnlich oft geteilt wurden. An „Eines Tages, Baby“ zum Beispiel, das Selbstermächtigungsvideo der Slammerin Julia Engelmann, die dazu auffordert, das Leben in die eigene Hand zu nehmen: „Lass mal an uns selber glauben!“. Auch hier gibt es twitterreife Sätze, die eine intelligente, junge Frau ins Publikum ruft, eine Frau, die mit Medien umgehen kann.

© reuters Emma Watson: Emotionale Rede vor der UN

Nicht weniger erinnerte Watsons Rede an die Werbekampagnen der Marken „Dove“ und „Always“. Die Videos der Kosmetikfirma sind im Netz beinahe legendär. Sie zeigen die Verwandlung einer durchschnittlichen Frau per Makeup und Photoshop in ein Supermodel. Oder das Video eines Malers, der Frauen, ohne sie zu sehen, schöner zeichnet, wenn andere von ihnen erzählen, als wenn sie sich selbst beschreiben. Der Hygieneartikel-Hersteller „Always“ zeigte in seinem „Like a Girl“-Video, das fast fünfzig Millionen Mal aufgerufen wurde, was passiert, wenn man Männer und Frauen dazu auffordert, wie ein Mädchen zu laufen: schlingernde Arme, schlenkernde Beine. Wirkliche Mädchen dagegen, wie die zehnjährige Dakota, liefen genauso zielstrebig wie sonst auch.

Revolution oder Hype

Emma Watsons Appell fügt sich hier nahtlos ein. Vielleicht liegt es daran, dass Watson eine „Privilegierte“ ist, wie sie selbst sagt. Eine Frau, die Ungleichheit nur erfahren hat, als sie mit acht Jahren zurechtgewiesen wurde, weil sie beim Theaterspielen so bestimmend war wie gleichaltrige Jungs. Das ist eine nette Geschichte, fast ebenso nett wie die slammende Julia, die auf Häuserdächer steigen und Träume leben will, oder so nett wie die rennende Dakota. Ihr Feminismus ist ein sehr sanfter, und, nicht zu vergessen, bei „Dove“ und „Always“ ein produktorientierter. Er ist ein Stück Popkultur. Das System wird kritisiert, ohne es anzugreifen - die Frauen verpassen ihm einen leichten Schubs von innen.

Emma Watson richtete eine offizielle  „Einladung“ an ihre männlichen Zuhörer, doch bitte an Gesprächen über den Feminismus teilzunehmen. Ob das zu einer stillen Revolution führt, oder nur zu einem Internethype, wird sich zeigen – je nachdem vielleicht, ob sich dieses Mal mehr tut, als nach einer ähnlichen Rede Hillary Clintons von 1995, die Emma Watson zitiert.

Im Netz tut sich schon jetzt so einiges. Der Appell wird nicht nur gehyped, sondern, vor allem von männlicher Seite, auch stark abgelehnt. Auf der Plattform 4Chan, die bereits vor einigen Wochen mit prominenten Nacktbildern für einen Eklat sorgte, drohen Hacker jetzt damit, weitere solcher Bilder auch von Emma Watson zu veröffentlichen: „Damit die Welt sieht, dass auch sie nur eine Hure ist.“ Ein Countdown ist online bereits eingerichtet, daneben ein Foto der weinenden Schauspielerin.

Viele Medien gehen von einem „Hoax“ aus, einem schlechten Streich. Wahr oder nicht wahr, geschmacklos ist die Drohung allemal. Sie zeigt aber auch, wie gefährlich schon sanfte, lachende Revolutionärinnen leben - und macht Emma Watsons Appell nur stärker.

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