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Facebook und „Fake News“ : Wahrheit, nichts als die Wahrheit

„Fake News“, welche „Fake News“? Mark Zuckerberg erklärt sich. Bild: dpa

Was tun mit Falschnachrichten? Facebook-Chef Mark Zuckerberg wird von eigenen Leuten unter Druck gesetzt, einen Hebel zu finden. Dabei müsste man erstmal klären, was „falsch“ bedeutet.

          Der Begriff der Stunde lautet: „Fake News“. Sie sollen dafür verantwortlich sein, dass Donald Trump die Präsidentenwahl gewonnen hat. Wie das geht? Ganz einfach: In der öffentlichen Debatte, etwa in den drei Fernsehrunden mit Hillary Clinton, zieht er den Kürzeren, von der Presse und professionellen Beobachtern bekommt er schlechte Noten, im Internet aber, in den „sozialen“ Medien, steht er als Sieger dar. Als solcher wird er durch entsprechende, massenhaft auch durch Bots verbreitete Kommentare ausgewiesen, und allerlei krude „Nachrichtenbeiträge“ spielen ihm auch in die Hände.

          Was tun?

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Was tun? Nichts tun, sagte der Facebook-Chef Mark Zuckerberg zunächst: Wir sind ein Technologie- und kein Medienunternehmen. Wir kümmern uns drum, sagt er jetzt, nicht ohne darauf zu verweisen, dass neunundneunzig Prozent der Inhalte, welche die Nutzer auf Facebook angezeigt bekommen, „authentisch“ seien. Das eine Prozent von Fälschungen will Zuckerberg nun tilgen, und der Suchmaschinenkrösus Google will das auch. Dabei verfallen sie auf ein wirksames Druckmittel: Seiten, die „Fake News“ verbreiten, sollen von den Werbeplattformen der Konzerne fliegen. Das sind jene Programme, für die man sich als Seitenanbieter anmelden kann, woraufhin automatisch Werbung auf die Seite gespielt wird, der Gewinn wird zwischen Google oder Facebook und den Seitenbetreibern geteilt. Die Rechnung lautet: Wer falsche Nachrichten verbreitet, kriegt kein Geld mehr.

          Das klingt gut, ist aber zunächst nichts als Rhetorik, um in Amerika die Clinton-Anhänger zu beruhigen, die sich nicht mit der Niederlage ihrer Kandidatin abfinden können. Denn so einfach ist die Sache nicht, das hat selbst Mark Zuckerberg erkannt. „Die ,Wahrheit‘ zu identifizieren sei kompliziert“, schreibt er in einem Facebook-Post. Komplette Fälschungen seien leicht zu entschlüsseln, bei Halbwahrheiten sei das schon schwieriger, und bei Meinungsäußerungen schließlich komme man mit der Entgegnung, das sei „unkorrekt“ oder falsch, gar nicht mehr weiter.

          Schiedsrichter in eigener Sache?

          Da muss man dem Medienmogul, der gerne den Weltenretter gibt und den in dieser Sache offenbar eine Undercovergruppe von Mitarbeitern im eigenen Haus vor sich hertreibt, die die Sache mit den „Fake News“ selbst lösen will, ausnahmsweise einmal recht geben. Einen Algorithmus, der das Problem löst, wird er nicht finden, und den werden die Kollegen von Google nicht programmieren können. Sie brauchen eine Redaktion, helle Köpfe und transparente Richtlinien für Inhalte, die sie zeigen und die sie nicht zeigen. Man müsse aufpassen, nicht zum Schiedsrichter in eigener Sache zu werden, sagt Zuckerberg, und sich nicht „seine Wahrheiten“ zurechtlegen. Wohl war. Das ist übrigens auch, was guten Journalismus ausmacht.

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