http://www.faz.net/-gqz-93kup

Facebook und „Rache-Pornos“ : Private Bilder sollen privat bleiben

Öffentliche Bilder, wie hier vom Nacktbadetag am Druridge Bay Beach, können unbegrenzt auf Facebook geteilt werden. Wie sieht es aber mit privaten Nacktaufnahmen aus? Bild: dpa

Facebook will etwas gegen „Rache-Pornos“ tun. In Australien läuft ein Pilotprojekt. Wer eventuelle Nacktbilder von sich verhindern will, hat aber eine Hürde zu nehmen.

          Mit seinen mehr als zwei Milliarden Nutzern ist Facebook ein Forum für jedermann, auf dem das Politische ebenso wie das Private im Vordergrund stehen kann. Das Privateste birgt die Gefahr des Missbrauchs, der im Netz zum Beispiel in Form sogenannter „Rache-Pornographie“ weit verbreitet ist: Da werden Nacktbilder ehemaliger Lebenspartner oder Freundinnen oder auch von Fremden veröffentlicht, um sie bloßzustellen und dem Voyeurismus preiszugeben. Dem will Facebook nun einen Riegel vorschieben. Das allerdings funktioniert nur, wenn Betroffene Mitarbeitern von Facebook Zugriff auf die betreffenden Bilder gewähren.

          In einem mit der australischen Regierung vereinbarten Pilotprojekt will Facebook prüfen, wie man Nacktaufnahmen, die gegen den Willen von Nutzerinnen oder Nutzern in Umlauf gebracht werden, unterbinden oder von vornherein verhindern kann. Wer sich dergestalt Hilfe von dem Konzern erhofft, muss zunächst die australische Behörde für elektronische Sicherheit konsultieren und dort die betreffenden Nacktbilder anzeigen. Nach einer ersten Prüfung kann Facebook danach auf die Bilder zugreifen. Hierfür schickt der Nutzer die betroffenen Bilder über den Messenger an sich selbst – so kann Facebook sie abrufen. Anhand der Aufnahmen generiert der Konzern einen digitalen Fingerabdruck, den sogenannten „Hash-Wert“, der einem Bild eindeutig zugerechnet werden kann. Dieser wird gespeichert. Taucht exakt dieses Bild abermals irgendwo auf, wird es von jemandem bei Facebook eingestellt, kann es geblockt werden. Unterbinden lässt sich so auch, dass Aufnahmen, die schon entfernt wurden, wieder und wieder hochgeladen werden.

          Nach einer Umfrage des Instituts Data & Society aus dem Jahr 2016 sind schon vier Prozent der amerikanischen Internetnutzer Opfer von „Rache-Pornographie“ geworden. Bei Frauen im Alter bis zu dreißig Jahren beträgt der Anteil der Betroffenen zehn Prozent.

          Nutzer, die an dem Pilotprojekt in Australien teilnehmen wollen, müssen sich aber mit dem Gedanken anfreunden, sich erst bei einer Behörde zu melden und dann darauf zu vertrauen, dass Facebook auf Dauer nur den „Hash-Wert“ des Bildes, das verschwinden soll, registriert und dabei nichts schiefgeht. Die Fotos werden zu diesem Zweck schließlich von Facebook auf Datenbanken temporär gespeichert. Experten wiesen darauf hin, dass der Netzkonzern allein mit dem „digitalen Fingerabdruck“ nicht werde verhindern können, dass diffamierende Fotos außerhalb des Netzwerks weiterverbreitet und auf Mobilgeräten gespeichert bleiben. Sämtliche Online-Plattformen sollten ihr Vorgehen koordinieren.

          Im Kampf gegen Kinderpornographie und gewaltverherrlichende Darstellungen ist die Fingerabdrucktechnologie schon eingesetzt worden. Entwickelt wurde sie 2009 von Microsoft. Bei Facebook käme sie in Ergänzung zu einer Meldefunktion zum Einsatz, mittels der Nutzer unerwünschte Aufnahmen mit einer Flagge versehen. Die Fotos werden dann von Facebook-Mitarbeitern überprüft und gegebenenfalls entfernt.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Spielplatz der Götter Video-Seite öffnen

          Freerunner auf Santorin : Spielplatz der Götter

          Einmal im Jahr wird die malerische griechische Insel Santorin zur größten Spielfläche der Welt. Dann springen die Freerunner über die Häuser.

          Topmeldungen

          Allzeit bereit: Hizbullah-Kämpfer bei der Beisetzung gefallener Kameraden

          Naher Osten : Droht ein Krieg gegen Israel?

          In einem Bericht kommen pensionierte Generäle zu dem Schluss, dass ein neuer Waffengang zwischen der Hizbullah und Israel nur noch eine Frage der Zeit sei. Darin wird die Schiitenmiliz als der „mächtigste nichtstaatliche bewaffnete Akteur in der Welt“ bezeichnet.

          Jamaika-Gespräche : FDP wirft der Union Haushaltstricks vor

          Auch wenn die Finanzen nicht allein die Reise nach Jamaika verzögern: Für den Soli-Abbau bleibt das Geld der Knackpunkt. Wie viel Spielraum gibt es wirklich?

          Kommentar : Wofür steht Jamaika?

          Obergrenze oder offene Grenzen für alle? Recht und Ordnung oder legale Joints? Marktwirtschaft oder Planwirtschaft? Nach den Schwierigkeiten bei den Jamaika-Gesprächen muss die Frage erlaubt sein: Passt das alles wirklich zusammen?
          Bayerns stellvertretende Ministerpräsidentin Ilse Aigner

          Machtkampf in der CSU : Aigner will offenbar Seehofer ablösen

          Die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner hat offenbar Ambitionen auf das Amt des Ministerpräsidenten. Mit Blick auf die Landtagswahl 2018 fordert sie eine Urwahl des CSU-Spitzenkandidaten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.