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Stimmungslagen vor dem EU-Gipfel : Gibt es einen Hass auf Deutschland?

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Wo bitte geht es hier zur europäischen Union? In welcher Hauptstadt soll man anklopfen? Bild: dapd

Der amerikanische Spekulant George Soros prophezeit den Deutschen, sie würden ob ihrer Sparpolitik in ganz Europa verhasst sein. Ist das so? Oder spricht da amerikanisches Finanzinteresse? Und welche Stimmung machen die Medien vor dem Euro-Gipfel? Unsere Korrespondenten berichten.

          Jordan Mejias aus New York:
          Keine Schmeicheleinheiten für Deutschland

          Europa müsste schon wild zusammenkrachen, bevor Amerika sich bereitfände, etwas genauer als sonst den Blick über den Atlantik zu richten. Die Nation starrt auf Washington - und dort nicht aufs Weiße Haus, nicht aufs Capitol, wohl aber auf den Säulentempel dahinter und seine neun Oberpriester. Mit seinen Entscheidungen zu einem umstrittenen Einwanderungsgesetz, zur Wahlfinanzierung und zu Obamas Gesundheitsreform könnte der Supreme Court die Weichen für den Wahlkampf und die nächste Präsidentschaft stellen. Für Europa ist bestenfalls am Rande der amerikanischen Nachrichtenarena Platz.

          Die Freiheitsstatue in New York
          Die Freiheitsstatue in New York : Bild: AFP

          Wie ABC World News, NBC Nightly News, CBS Evening News und der Special Report von Fox News lässt sich selbst der gemeinnützige Radiosender NPR, der öfter als die kommerzielle Konkurrenz über die Landesgrenzen hinausblickt, von dem bevorstehenden EU-Gipfel nicht aus der Reserve locken. NPR News widmet seine jüngsten Auslandsberichte dem Aufstand in Syrien und dem Besuch der Queen in Nordirland. Die immer hörenswerten Nachrichtenmagazine „All Things Considered“ und „Talk of the Nation“ machen kurz Abstecher nach Mexiko, Paraguay und in den Nahen Osten.

          Interessant ist die Europa-Krise für die meisten Amerikaner erst, wenn sie mit amerikanischen Sorgen verknüpft wird. So warnt der erzkonservative Scharfmacher Rush Limbaugh in seiner täglichen Radiotalkshow vor der wirtschaftlichen „Ansteckung aus Europa“ und macht sich lustig über die „New York Times“, in der er gelesen habe, alle Welt versuche, Angela Merkel zum Geldausgeben zu bewegen, insbesondere aber Barack Obama, der besonders nervös sei, weil seine Wiederwahl direkt davon abhänge. Dazu Limbaugh: „Also ehrlich, Leute! Was glauben die denn, wie dumm wir sind? Ihr Schablonendenken geht so: Armer Barack! Er tut, was er kann, nur sind da diese doofen Europäer, die nicht hören wollen.“

          Bill O’Reilly, Limbaughs Verwandter im Geiste, hat gerade im Nachrichtenmeinungssender Fox News dem Präsidenten vorgeworfen, er verursache Amerikas Niedergang dadurch, dass er sich viel zu sehr an Europa orientiere. Dabei sollte er doch wissen, dass es mit den Europäern wirtschaftlich bergab gehe, und zwar weil sie der Marktwirtschaft den Rücken kehrten. „Aggressiver Kapitalismus“ heißt für O’Reilly die einzige Lösung diesseits und jenseits des Großen Teichs.

          Im „Global Market Report“ des Wirtschaftssenders CNBC erheitert Anchorman Simon Hobbs die Trader auf dem New Yorker Parkett aktuell mit seiner Angela-Merkel-Parodie: „Keine Euro-Bonds, solange ich lebe!“ Hobbs prophezeit, dass es folglich auch in den nächsten Tagen zu keinen Abmachungen über wirklich wichtige Sachen kommen werde. Wenigstens reiht er sich nicht in den internationalen Chor, dessen amerikanische Mitglieder auch nicht eben wohlklingende Weisen über eine störrische Bundeskanzlerin und ihr hartherziges Land anstimmen.

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