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Sonneborn im EU-Parlament : „Der Irre vom Bosporus hat wieder zugeschlagen“

  • -Aktualisiert am

Besorgt und kampfeslustig: Martin Sonneborn Bild: dpa

In einer spitz formulierten Rede hat Martin Sonneborn im EU-Parlament den türkischen Präsidenten Erdogan kritisiert. Dem unter Druck geratenen Musikprojekt „Aghet“ gab er einen Zensurratschlag.

          In einer kurzen Rede mit satirischen Untertönen hat der EU-Parlamentarier Martin Sonneborn Kritik an der Zensur der türkischen Regierung geübt. Mit den Worten „Der Irre vom Bosporus hat wieder zugeschlagen“ leitete der Abgeordnete für „Die Partei“ einen Redebeitrag ein, in dem er sich mit der Forderung des türkischen Staatsoberhauptes nach Zensur und Föderungseinstellung des Musikprojektes „Aghet“ der Dresdner Sinfoniker auseinandersetzt.

          Das Projekt thematisiert den Genozid an den Armeniern vor hundert Jahren und wird seit 2015 von der EU-Kommission finanziell unterstützt. Nachdem der türkische Botschafter die Zensur von Wörtern wie „Genozid“ im Beschreibungstext des Stückes gefordert hatte, entfernte die EU-Kommission den Beschreibungstext zunächst von ihrer Internetseite. Seit einigen Tagen steht der Text wieder unzensiert online, jedoch mit dem Zusatz eines Disclaimers, in dem sich die Kommission von den Inhalten auf der entsprechenden Seite distanziert.

          Sonneborn riet den Dresdner Sinfonikern, in ihrem Text das Wort „Genozid“ durch „Völkermord“ zu ersetzen und warnte die Türkei davor, im Blick auf den Umgang mit den Kurden, ihren hundertjährigen Rythmus, in dem sie Genozide zu verrichten gedenke, zu beschleunigen. Sonneborn zeigte sich darüber hinaus besorgt, dass die türkische Regierung offenbar versuche, den Deutschen in Sachen Völkermord den Rang abzulaufen.

          Die Rede von Martin Sonneborn im Wortlaut: 

          "Der 'Irre vom Bosporus' wie wir den Irren vom Bosporus, Erdogan, im EU-Parlament liebevoll nennen, hat wieder zugeschlagen. 

          Diesmal hat er durch seinen Botschafter die EU-Kommission angewiesen, die Förderung für ein Konzertprojekt der Dresdner Sinfoniker einzustellen, das sich mit dem türkischen Genozid an den Armeniern beschäftigt. Die Kommission hat daraufhin das Orchester aufgefordert, entsprechende Textstellen abzumildern und das Wort 'Genozid' zu vermeiden. 

          Als Mitglied des Kulturausschusses möchte ich einen Vorschlag zur Güte machen: Ich empfehle den Dresdner Sinfonikern dringend, das Wort 'Genozid' zu streichen – und durch den Begriff 'Völkermord' zu ersetzen. 

          Ich bin Deutscher und mit Völkermord kennen wir uns aus. 

          Allerdings konstatiere ich mit einer gewissen Verblüffung, dass uns die Türkei hier allmählich den Rang abläuft. Deshalb möchte ich die türkische Regierung warnen, den hundertjährigen Rhythmus, in dem sie offensichtlich Genozide zu begehen gedenkt, derzeit genügt ein Blick auf die Lage der Kurden, nicht zu beschleunigen. 

          Sonst müssen wir darüber nachdenken, die Drecksarbeit mit unseren Flüchtlingen jemand anderem zu übertragen. 

          Nichts für ungut. Derzeit keine Türkei-Urlaube geplant."

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