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Veröffentlicht: 01.08.2012, 21:39 Uhr

Peter Gauweiler zur Zukunft Europas Alles so großtuerisch, so herzlos und leer!

Die Enteignung des demokratischen Souveräns muss das zentrale Thema der Debatte werden: Warum Europa sein Verlangen nach Weltmachtstatus aufgeben und dem Vorbild der Schweiz nacheifern sollte.

von Peter Gauweiler
© dpa Nichts ist alternativlos: Neuschwanstein war die Kampfansage Ludwigs II. nach dem Verlust der Souveränität

Schön ist der Blick auf das Ostufer des Starnberger Sees. Am schönsten von der Schiffsanlegestelle Starnberg. In der Mitte des Uferstreifens sieht man von dort Schloss Berg und die Votivkapelle - wo sie den toten König Ludwig II. aus dem Wasser holten. Bei gutem Wetter reicht der Blick sogar bis Allmannshausen. Dort steht der Bismarck-Turm.

Auf dessen Spitze hat der Minister Crailsheim - einer der fünf bayerischen Staatsstreich-Minister, die Ludwigs Entmündigung betrieben und ihn unter Kuratel stellten - einen preußischen Adler schrauben lassen, der Richtung Berlin weist. Jahre nach der bayerischen Königskatastrophe, am 1.Juli 1899, wurde das Monument auf der Anhöhe über dem See enthüllt.

In ihrer Bavaristischen Ringvorlesung „Nach Jahr und Tag“ hat die Ludwig-Maximilians-Universität diesen und dreiundzwanzig weitere Tage aus einem über tausendjährigen Geschehen herausgesucht und zum Gegenstand historischer Untersuchungen gemacht: vom 3.November 777, der Weihe des Klosters Kremsmünster, als der königsgleiche Bayernherzog Tassilo auf dem Gipfel seiner Macht anlangte und dann doch gegen seinen Vetter Karl den Großen verlor, bis zum Attentat während der Olympischen Spiele am 5.September 1972, das München ins Herz traf.

„Nord und Sued auf ewig eins“

In diese Reihe stellen Alois Schmid und Katharina Weigand vom Institut für vergleichende Landesgeschichte die „Enthüllung des Bismarck-Denkmals am Starnberger See“. Die Schau eines Tages, in der sich das Vor- und Nach-Schicksal mehrerer Generationen bündelte: Im bayerischsten Bayern feiert ein hochdeutsches Großbürgertum das Ende bayerischer Eigenstaatlichkeit, angereist mit zwei Sonderzügen aus München.

Sie hatten nur den alten Bismarck im Blick, als Symbolfigur des Vernunftstaates Preußen. Für Thomas Mann war das die Zeit der „inneren Verpreußung der deutschen Intelligenz“, und das war nicht ungehalten gemeint. Bildungsbeflissen, dialektverachtend und gravitätisch im Ton. Man war für Preußen, wie man heute für die Europäische Union ist und auf Sitzungen englisch spricht.

„Nord und Sued auf ewig eins/Ausgelöscht die Grenze des Mains“ heißt es auf der Widmungsinschrift des Turms. Erinnert wird an den 18.Januar 1871, als im Land des besiegten Feindes Frankreich das Zweite Deutsche Reich mit dem preußischen König als deutschem Kaiser ausgerufen worden war. Bayern behielt noch einige feudale Rechte, aber es war in einer politischen Union „mediatisiert“, war vom selbständigen Staat zum „königlich-bayerischen Teil des Reiches“ geworden.

Der Bau von Bismarck-Türmen

Einer der erfolgreichsten historischen Publizisten der Bundesrepublik, Sebastian Haffner, hat uns diese Geschichte der „Verreichung“ Preußens erzählt („Preußen ohne Legende“). Nicht von Preußen als Dämon, sondern von einem allseits bewunderten Vorbild. Haffner lobt Preußen als ein Staatsgebilde, das „keine nationale, ethnische, religiöse Identität besaß..., sich wie ein Zelt hin- und hertragen und verschiedenen Stämmen, sogar verschiedenen Völkern überstülpen ließ“, von „besonderer Elastizität“ war und einer „gummiartigen Ausdehnungsfähigkeit“.

Ausdehnungsfähigkeit, Elastizität, wie ein Zelt verschiedenen Völkern überstülpen: irgendwie passt diese Beschreibung auch auf das Vorhaben eines Vernunftstaates namens Europäische Union. Sofern man das Projekt von seinem positiven, Immanuel-Kant-artigen Ansatz her sehen will und nicht als „sanftes Monster Brüssel“, zu dem sich die Europäische Union nach Meinung ihrer Kritiker entwickelt.

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