Home
http://www.faz.net/-hi9-71zbz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Otfried Höffe zur Zukunft Europas Souverän ist, wer über Verstand verfügt

 ·  Wer die Vereinigten Staaten von Europa will, sollte eine Urtugend dorthin mitnehmen: Ehrlichkeit. Dann merkt er nämlich, dass nicht alles „alternativlos“ ist. Ein Plädoyer für mehr Aufklärung.

Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (76)

Richtlinien für Lesermeinungen

Die FAZ.NET-Redaktion bietet allen registrierten und eingeloggten Nutzern die Möglichkeit, sich mit den aktuellen Beiträgen auf FAZ.NET konstruktiv und kritisch auseinanderzusetzen und eigene Leser-Kommentare zu veröffentlichen. Für jede Meinungsäußerung stehen 1000 Zeichen zur Verfügung. Voraussetzung für eine Veröffentlichung ist, dass die Verfasser und Verfasserinnen ihren wirklichen Namen nennen, d.h. in ihrer FAZ.NET-Registrierung den korrekten Vor- und Nachnamen eingetragen haben. Im Falle der Veröffentlichung des Leser-Kommentars weisen wir am Beitrag sowohl den Klarnamen als auch den Nickname des Lesers aus. Unter Pseudonym oder anonym verfasste Texte können nicht berücksichtigt werden.

Veröffentlicht werden nur Beiträge, die auf den jeweiligen Artikel und sein Thema seriös und sachbezogen eingehen. Links- und rechtsradikale, pornographische, rassistische, beleidigende, verleumderische sowie ruf- und geschäftsschädigende Inhalte können nicht berücksichtigt werden, ebenso wenig sachlich falsche oder in angemessener Zeit nicht nachprüfbare Behauptungen. Links sind in den Leser-Kommentaren von FAZ.NET nicht gestattet. Die Redaktion behält sich vor Leser-Kommentare zu kürzen oder zu modifizieren. Jeder verfasste Beitrag wird von der Redaktion geprüft und schnellstmöglich veröffentlicht, sofern er diesen Richtlinien für FAZ.NET-Lesermeinungen nicht zuwiderläuft. Nutzern, die wiederholt versuchen, den Richtlinien nicht entsprechende Beiträge zu veröffentlichen, kann die Registrierung entzogen werden.

Für veröffentlichte Meinungsbeiträge gewähren Sie uns das unentgeltliche, zeitlich und örtlich unbegrenzte und nicht ausschließliche Recht, diese Aussagen ganz oder teilweise zu nutzen, zu vervielfältigen, zu modifizieren, anzupassen, zu veröffentlichen, zu übersetzen, zu bearbeiten, zu verbreiten, aufzuführen und darzustellen, Dritten einfache Nutzungsrechte an diesen Aussagen einzuräumen sowie die Aussagen in andere Werke und/oder Medien zu übernehmen.

Wir möchten Sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass der gesamte Auftritt von FAZ.NET von verschiedenen Suchmaschinen intensiv ausgewertet wird und die Inhalte dort auch gelistet werden. Das schließt die Leser-Kommentare automatisch ein, so dass diese auch über FAZ.NET hinaus im Internet jederzeit recherchierbar sind.

Schließen

1 2 3  
Lesermeinungssuche (gesamt):
Sortieren nach
Gottfried Scherer

Europa der Regionen und Nationen

Herr Höffe weist dem sich oft blind und auch nationalistisch äußernden Unmut einen demokratischen Weg. In verständlichem Ton argumentiert er für ein Europa nach Schweizer Art: Wer Schulden macht, muss zahlen oder Konkurs anmelden. Die EZB wird auf Grund des Abstimmungsmechanismus dann kontrproduktiv, wenn sie diesen Grundsatz verrät - es kommt zu einem europäischen Länderfinanzausgleich, dessen grundlegenden Fehler wir aus der bundesrepublikanischen Situation kennen sollten. Berücksichtigen wir dies, haben wir keinen Grund zum Hochmut, aber einen guten Grund, unser Modell nicht auf Europa zu übertragen. Mit einer solchen Bescheidenheit ließe sich fürwahr eine gute nationale deutsche Politik für Europa machen: Wir Erbosten sollten auf diese Linie uns einigen und in der Art dieses Professors argumentieren und das Geschehen bestimmen!

Empfehlen
fritz Teich

Herzlichen Dank, aber in Zeiten Ionesco'scher Nashoerner.

Das Stueck sollte sofort auf saemtlichen Buehnen Europas, wenn nicht der Welt gespielt werden.

Empfehlen
Thomas Meinrat

FAZ

FAZ redaktionelle Linie scheint klar zu sein. Jeden Tag finden wir einen Artikel kritisch über die aktuelle Situation aussieht, aus meiner Sicht, ein Konflikt zwischen den Völkern Europas gesucht wird. Leider mit einem ähnlichen Ziel wie Il Giornale, aber in einem eleganteren Art.

Empfehlen
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 11.08.2012 15:17 Uhr
fritz Teich

So ist es gerade nicht

Genau das kritisiert Hoeffe.

Empfehlen
Rudolf Zeiler

Stühle rücken auf der sinkenden Titanic !

Es ist für mich erschreckend zu beobachten, wie die deutsche Akademe einen schöngeistigen Artikel nach dem anderen produziert, obwohl wir uns längst fragen müssen, ob wir nicht in ein paar Monaten in eine große Depression fallen werden ( aus der wir uns erst nach mehreren Jahren und unter größten Opfern wieder befreien können ). Haben denn diese Professoren nichts Anderes zu tun, als mitten in der Krise Volk und Führung mit Vorwürfen zu überhäufen, die offensichtlich an den Haaren herbeigezogen sind.
Derzeit geht es darum, wie der Misstrauenswelle des internationalen Kapitals ( pfui, welche unschönen Worte ! ) glaubwürdig entgegengetreten werden kann, sonst reißt sie zuerst Griechenland, dann Spanien und Italien und dann ... Deutschland in den Abgrund. Ist Herrn Höffe die "Urtugend Ehrlichkeit" wichtiger als nächstes Jahr ( und die darauffolgenden Jahre ) sich satt essen zu können ? Diese Frage möge Herr Höffe für sich alleine, aber nicht für mich, entscheiden.

Empfehlen
Frauke Klien
Frauke Klien (endivie) - 11.08.2012 09:06 Uhr

"Ehrlich" heisst jetzt "Dumm".

Der irrwitzige Versuch, die transalpinen Mentalitäten und Kulturen umzuerziehen wird in sein Gegenteil umschlagen: die Nordeuropäer werden levantisiert.

In das Vakuum, welches die Zersetzung von Nationalstaat und kultureller Identität und Wertekonsens hinterlässt, werden informelle Netzwerke und Interessengruppen stoßen.
Ein Kernelement europäischer Zivilkultur, Trennung des Privaten vom Öffentlichen, wird verschwinden. Supranationale Geldeliten, Wirtschaftslobbies, Familienclans und völkisch-religiöse Parallelkulturen werden die siechenden Nordeuropäer mit ihren Vorstellungen von Staat und Gesellschaft beimpfen.

Wer vorsätzlich sein eigenes Immunsystem zerstört, braucht sich nicht wundern wenn er aus seiner ökologoischen Nische ausradiert wird.

Empfehlen
Herbert Schliffka

Anstelle einer Aufklärung aus ökonomischer Vernunft, wie ich sie in meinen Beiträgen 1. und 2.

skizziere, betreibt Höffe unzeitgemäße volksegoistische Propaganda.
Er tut so, als wisse er besser als die exportierenden Wirtschaftsakteure, dass der Euro für den Export nicht so wichtig sei.
Und die Nazi-Vergleiche in den griech. Medien zeigen doch bloß, wie langsam die Verbrechen des „3. Reiches“ aus dem Bewusstsein verschwinden, wenn die heutige Staatsführung des Volkes, dass für diese Verbrechen von damals verantwortlich war, heute nur dann helfen will, wenn die unschuldige griechische Bevölkerung verbrecherische Auflagen zum Abbau der Schulden erfüllen muss, die von der politischen und ökonomischen Führung zu verantworten sind. Und die Schweiz zeigt, dass Mehrsprachigkeit kein Hindernis für eine Rechtgemeinschaft ist und das Volksgesetzgebung die Ausgaben und Verschuldung des Staates reduziert. Da hat politische Aufklärung erste Schritte zur Beendigung der gesetzgeberischen Vormundschaft durch die Parlamente bewirkt, die von den meisten Staaten noch gemacht werden müssen.

Empfehlen
Herbert Schliffka

Plädoyer für mehr Aufklärung - geschrieben von einem besserwisserischen Antiaufklärer – 2.

Das geistige Vermögen, das in der Produktion wirksam werden kann, ist die stabile Grundlage für eine Geldschöpfung der EZB, die heute durch das anarchistische Gewinnstreben privater Gläubiger unterminiert wird. Dies muss beendet werden.
Wenn die Geschäftsbanken durch Gesetze zu Zweigstellen der EZB werden, dann können die Unternehmen – einschließlich derjenigen, die die staatlichen Aufgaben erfüllen – unmittelbar von der EZB zinslose Kredite bekommen, wenn sie 1. Produkte und Dienstleistungen auf den Markt bringen, nach denen eine Nachfrage besteht, und wenn sie 2. den Kredit zum vereinbarten Zeitpunkt zurückzahlen. Staatliche Dienstleistungen (wie z.B. die Gesetzgebung, Dienste der inneren und äußeren Sicherheitsorgane, Bildung, soziale Leistungen, Infrastruktur, usw.), die kostenlos zur Verfügung gestellt werden, sind nicht durch Verschuldung, sondern ausschließlich durch Steuern zu finanzieren, die in die Waren und Dienstleistungen, die am Markt verkauft werden, einzupreisen sind.

Empfehlen
Roman Prenger-Berninghoff

Nur Iolaos kann helfen. Zurück zur D-Mark!

Nut Iolaos kann helfen, die entfesselte europäische Schulden-Hydra zu bändigen. Da wir mit solch einem abermaligen göttlichen Beistand wohl nicht rechnen können, sollten wir in diesem aussichtslosen Kampf kapitulieren und mit dem uns verbliebenen Geld aus dem Europa-Poker aussteigen. Wenn wir die D-Mark erst einmal wieder hätten, hätten die Politiker auch wieder Zeit und Muße, die Landes internen Probleme unserer immer weiter in Schieflage liegenden sozialen Marktwirtschaft anzugehen. Europa ist und bleibt nicht mehr und nicht weniger als ein Kontinent aus unterschiedlichen Nationalstaaten. Ein sich zusammen gehörig fühlendes "europäisches Volk" ist nicht in Sicht, also braucht es auch keine gemeinsame Währung und auch keine gemeinsame Regierung. Deutschland komm wieder nach Hause, raus aus dem Europa Casino. Weg mit dem Euro!

Empfehlen
Herbert Schliffka

Plädoyer für mehr Aufklärung - geschrieben von einem besserwisserischen Antiaufklärer – 1.

Besserwisserisch beurteilt Höffe die Entscheidungen der Fachleute im EZB-Rat. Doch sie sind fachkundig im bestehenden System. Das bestehende Geld- und Bankensystem stellt er aber nicht in Frage. Es gründet im Gewinnstreben privater Gläubiger, die mit Geldverleih Geld verdienen. Verleihen die Gläubiger den Schuldnern kein Geld mehr, weil sie fürchten, dass diese die Schulden nicht mehr zurückzahlen, bricht das Kartenhaus zusammen.
Der Kreislauf des erneuten Anhäufens von Geld beginnt - nach einer Währungsreform - von vorn. Das will die EZB herauszögern, weil die Folgen in einer globaliserten Wirtschaft konkurrierender Unternehmen nicht abgeschätzt werden können. Der Kampf der Weltkonzerne um Marktbeherrschung verlangt starke Standorte mit gemeinsamen Rechtsnormen und Geld, um im Vernichtungswettbewerb zu überleben. Stärke kommt aus geistigen Vermögen, das in der Produktion wirksam werden kann und aus der Größe der Bevölkerung, die sich an der Innlands-Nachfrage im EU-Gebiet beteiligt.

Empfehlen
Volker Kulessa

wohltuendes Niveau - aber zu kurz gesprungen

scharfsinnige Analyse, dagegen entpuppen sich die Einlassungen von Habermas/Rümelin/Bofinger als reines Geschwätz. Was fehlt?: Welche Handlungsalternative(n) folgt aus der Analyse?

Empfehlen
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 11.08.2012 15:20 Uhr
fritz Teich

Handlungsalternative ist konsequente Ehrlichkeit

Man muss sich in Europa darueber einig werden, was Europa sein soll.

Empfehlen
Erwin Stahlberg

Verstand in Knechtschaft

„…Und nach Kants berühmter Definition…,
kommt es auf den Mut an, sich seines Verstandes selbst zu bedienen.“
--------------------------------------------------------------------------

Fraktionszwänge lassen unsere Volksvertreter ihren Verstand
und ihr Gewissen oftmals „an der Garderobe abgeben“.

Man denke nur an die Zweidrittelmehrheit zugunsten
verantwortungsloser ausländischer Politiker.

Haarsträubend!

Empfehlen
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 10.08.2012 21:08 Uhr
Horst Ziegler

Ja.

Wir haben es immer noch mit elitärer Herrschaft zu tun. Bestimmte Eliten treiben die Entwicklung in bestimmte Richtungen.

Die Masse der Abgeordneten aber trottet mit. Das ist ja das, was Monti meint, wenn er davon spricht, das strategische Denken könne man nicht den Abgeordneten überlassen.

Die Abgeordneten denken eh nur an ihre Wiederwahl - also taktisch. Womit wir dann auch bei den Schwächen von Demokratien angekommen sind.

Man muss aber einsehen, würden wir bürgernah Politikk machen, wie das die Grünen wünschen, dann würden sich auch wiederum "Positive Muliplikatoren" im Meinungsbildungsprozess durchsetzen.

Empfehlen
Hans Jürgen Reisch

Souverän ist, wer über Verstand verfügt!!!

jeder Deutsche, mit wenigstens ein bisschen Verstand, müsst Ihren Ausführungen zu 100% zustimmen H. Höffe!!!
Wie lange muss sich das Deutsche Volk, von solcher sogenannten Polit-Elite in Berlin, welcher selbst ein bisschen Verstand vollkommen abhanden gekommen ist, noch zum Gespött der uns ausplündernden Olivenstaaten machen lassen!!!

Empfehlen
Gabi Heintz

Auf zur Demonstration nach Karlsruhe! Am 8. September um 11.30 h auf dem Marktplatz

Es wird Zeit, sich aus den Sesseln oder Bürostühlen zu erheben. Die Deutschen sind kein besonders "demonstrierfreudiges" Volk.

Aber wir haben es schon gezeigt - bei "Anti-Atom"-Demos, bei den Montags-Demonstrationen, die zum Fall der Mauer geführt haben...

Wir sind nicht machtlos!

Wir müssen nur raus auf die Straße!

Am kommenden Samstag Mittag geht jeder mit einem ESM-Nein!-Schild vor das Rathaus seiner Stadt.

Und überzeugen wir Jugendliche, den ersten politischen (und den wichtigsten!) "Flash-Mob" ihres Lebens zu initiieren! - Es geht schließlich um ihre Zukunft. (Aber es kostet Überzeugungsarbeit. "Nicht hingucken und lieber Spaß haben" ist die Devise der Jungen. Sonst "müßte man sich ja aufhängen", wurde mir geantwortet. - Genau so weit wollen wir es eben nicht kommen lassen!)

Wenn hier in Leserkommentaren einfach nur Dampf abgelassen wird, der dann als Druck auf die Regierung fehlt, dann läuft was schief!

Jetzt oder nie!

Bitte weitersagen (gern auch mit paste und copy)!

Empfehlen
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 10.08.2012 21:05 Uhr
Ingrid Hoyer

Ein großer Trugschluß - bis zum bösen Erwachen!!!

Hallo Frau Heintz,

mir ist es auch unerklärlich, warum unsere Bevölkerung, auch besonders die Jugend nicht Protestfreudiger sind. Dabei geht es hier doch wirklich um eine Entscheidung der gesamten Zukunft unseres Landes. Aber es scheint so, als wenn der Kopf in den Sand gesteckt wird. Was ich nicht sehe, ist auch nicht da.

Empfehlen
Wolf Beck
Wolf Beck (Wolfswort) - 10.08.2012 17:58 Uhr

Es wird höchste Zeit..

.. dass die Intellektuellen sich nun zunehmend aus der Deckung wagen und mutig Position beziehen. Und manche Philosophen verstehen offenbar mehr von gesellschaftlich-ökonomischen Zusammenhängen als viele Euro- und Wirtschaftsexperten.
Dank an Herrn Höffe, auch wenn das eine oder andere Detail diskussionswürdig sein mag, aber die wohltuend klare und unaufgeregte Sprache trägt dazu bei, die Dinge neu zu sortieren und einmal vorurteilsfrei zu betrachten.

Als Leser und Forumsteilnehmer macht mir aber die eigentümliche Polarisierung mancher Kommentare zu schaffen. Wir sollten nicht in die Falle tappen, Länder und Völker gegeneinander auszuspielen. Es geht nicht um Germanien gegen Lateineuropa. Es geht um internationale Banken- und Finanzmacht gegen Bürger..egal wo diese nun leben.

Empfehlen
Jürgen M. Backhaus

ist das nicht etwas zu kurz gedacht?

Zitat:"Hingegen muss genau derjenige und in dem Maße Souveränität aufgeben, der der Hilfe bedarf."
Was ist damit gewonnen? Ein Verzicht auf Souveränität ist allenfalls notwendig, aber nicht hinreichend. Der Kern der Probleme liegt in der Unterschiedlichkeit der Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaften, kurzfristig werden lediglich Liquiditätsproblemchen in den Haushalten kuriert, wenn überhaupt. Die Organisation der Volkswirtschaften kann nicht zentral verordnet werden, wenn man nicht jede Ordnungspolitik über Bord schmeißen möchte. Das kann auch nicht in unserem Interesse sein. Die Reglementierung der Haushalte löst die Probleme nicht, verzögert eher ihre Aufarbeitung. Ein Weiterso, auch mit philosophischem Beistand, scheint mir nicht zielführend zu sein, von den politischen Konsequenzen garnicht zu sprechen, die auch eine Aufklärungsrhetorik nicht aus der Welt schaffen kann.

Empfehlen
Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 10.08.2012 21:13 Uhr
Horst Ziegler

So ist es.

"Der Kern der Probleme liegt in der Unterschiedlichkeit der Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaften" Völlig richtig. Der Herr Philosoph denkt also am Kernproblem vorbei!

Empfehlen
Jürgen M. Backhaus

das Plädoyer für "mehr Aufklärung" ist nicht plausibel, selbst wenn Aufrichtigkeit bestünde

Wenn klar deutlich gesagt würde, den Point-of-no-return haben wir bereits hinter uns gelassen, wir haben uns von den Vorstellungen der bundesdeutschen Ordnungspolitik verabschiedet, die EZB kann nicht die deutsche Bundesbank ersetzen (zuviele Köche, darunter auch jede Menge Dilettanten), wir akzeptieren die Vorstellungen französicher Staatsraison und einen inflationären Euro, und, und...
Den Mut hat die Politik nicht, das Eingeständnis des Versagens wäre wohl aus Sicht der Handelnden politisch nicht korrekt. Hoffes Argumentation bleibt nur im Kesselflickerkontext einigermaßen plausibel, aber die politischen Konsequenzen wären, gemessen an der Aufklärung, eher kontraproduktiv, Stichwort Anscien Regime.

Empfehlen
Gottfried Lobeck
Gottfried Lobeck (golo7) - 10.08.2012 17:07 Uhr

"Ich habe den Hauptpunkt der Aufklärung...vorzüglich in Religionssachen (=Glaubenssachen) gesetzt...

Prof. Rolf Stürner belegt überzeugend, wie neoliberale Theoriebildung über Verabsolutierung und Dogmatisierung in jetzt destruktiver Weise zum wirkmächtigen Modell für möglichst alle Lebensbereiche (einschließlich der Verstandesentwicklung!) wurde.
Allerdings ist jetzt auf der Titanic keine Zeit zum philosophischen Gespräch über Zielkorrekturen bzw. Gesellschaftsentwürfe. Die Katastrophe muss abgewendet werden.
In diesem Zusammenhang ist es mir unverständlich, weswegen die konkreten Sofortmaßnahmen, die Frau Wagenknecht (beispielsweise in der "Welt" vom 09.08.) anführt, nicht ernsthaft in Erwägung gezogen werden.
Die berechtigte Angst vor dem seinerzeitigen Sozialismusprojekt sollte doch nur in Form von Aufmerksamkeit wirksam sein: Ist doch der Grad an demokratischer Mitbestimmungs- und Informationsmöglichkeit in Deutschland heute ein wesentlich anderer als in der DDR.
Dieser Mangel an Entschließung und des Mutes wäre philosophischer Erörterung wert gewesen.

Empfehlen
Kurt Weiss
Kurt Weiss (Kybourg) - 10.08.2012 16:59 Uhr

Eine tröstliche Lektüre

Als Schweizer deutscher Abstammung habe ich schon lange auf einen Europa-Kommentar von solchem Niveau und solch unaufgeregter Sachlichkeit gewartet. Chapeau, Herr Höffe! Hoffentlich trägt Ihr Beitrag zu einer Trendwende in der deutschen Europa-Diskussion bei. Diese wird immer noch von allzu vielen unwahren und unbelegten Schlagworten geprägt und verfälscht. "Scheitert der Euro, dann scheitert Europa" ist eine Lüge, weil es den europäischen Staaten ausserhalb der Währungsunion wirtschaftlich und sozial besser geht. "Der Euro ist ein Erfolgsmodell" ist eine dreiste Fehlaussage wenn man sieht, dass im Euroraum die durchschnittliche Arbeitslosigkeit auf über 10% angestiegen ist. Kein westliches Industrieland weist so katastrophale Arbeitsmarktzahlen aus. "Der Exportweltmeister Deutschland profitiert am meisten vom Euro" stimmt trotz wöchentlicher Zitierung in den Polittalks dar ARD nicht. Das Nicht-Euro-Land Schweiz exportiert bezogen auf die Bevölkerungszahl deutlich mehr als Deutschland.

Empfehlen
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 10.08.2012 17:44 Uhr
Wolf Beck
Wolf Beck (Wolfswort) - 10.08.2012 17:44 Uhr

Entlarvende Mantren

@Herr Weiss: Die von Ihnen völlig zu Recht zitierten Mantren werden ja mit bewusster, unverfrorener Irreführungsabsicht gebraucht. Solche Schlagworte werden u.a. in Thinktanks (wie zB INSM) entwickelt. Auch die elegante terminologische Umdeutung der Euro-Bankenkrise in eine "Staatsschuldenkrise" ("wir leben über unsere Verhältnisse" etc..) gehört ja dazu. Und all das "fit-machen"- Getue auch..

Solche euphemistisch-terminologischen Hülsen folgen natürlich immer einer kühl kalkulierten Strategie. Sie sind daher per se verräterisch, zumal wernn sie so gehäuft in der immer gleichen Lesart auftreten. Man darf immer darauf schliessen, dass das wahre Ziel so ziemlich das Gegenteil dessen ist, als das was suggeriert wird. Dieser Euro ist ganz offenkundig kein Friedensprojekt.. Er einigt die Völker auch nicht.. und wird den Wohlstand des einfachen Bürgers auch nicht mehren. Ganz im Gegenteil (siehe zB die heutige Meldung: EZB fordert Lohnsenkung in Krisenstaaten).

Empfehlen
Volker Kulessa

Großartig!

danke, sehr geehrter Herr Professor Dr. Höffe!! Das ist in meinen Augen eine vortreffliche Analyse und ein klarer Aufruf zum Widerstand gegen den "Rettungswahn", der nicht anderes bringen kann, als den Untergang aller politischen, kulturellen, gesellschaftspolitischen und wirtschaftlichen Errungenschaften seit 1945

Empfehlen
Michael Knoechelmann

Was tun ?

erneut ein Superartikel aus dem Haus der klugen Koepfe zu dem Thema EURO-Rettungs-Dogmen ! Mit Recht wird an den Anspruch auf Aufklärung und Mündigkeit des Bürgers in der Aufklärung erinnert und in Kontrast zur hinter der Souveränitätsfassade versteckten Hilflosigkeit unserer politischen Klasse in dieser Kernfrage gesetzt. Der Beitrag verschafft Luft zum Anders-Atmen und Denken !
Ich frage mich, wie mehr an kritischer Bürgerbewegung zu diesem Thema in die Öffentlichkeit kommen kann. Wie wäre es mit folgendem Vorschlag: wir machen bis zur Entscheidung des Verfassungsgerichts Montag morgens um 04.00 immer ein Wohnungslicht an nach dem Motto, der Deutsche Michel schläft (doch) nicht !?. (Hierzu brauchen wir dank Zeitschaltuhren noch nicht einmal aufzustehen...)

Empfehlen
Konstantin Schneider

Wenn Idealismus und Neoliberalismus aufeinander treffen

Das Hauptproblem Europas ist, dass insbesondere in Deutschland Idealismus und Neoliberalismus frontal aufeinander geprallt sind und sich die Deutschen deshalb in einer Zwickmühle befinden.

Das grösste innenpolitische Übel ist allerdings, dass sich der Idealist nicht vorstellen mag, dass Angela Merkel eine ausgefuchste Neoliberale ist. Insofern verkennt Herr Höffe, dass die Bundeskanzlerin sich Komplimente wie auch "Prügel" gleich gern gefallen lässt. Haben die Neoliberalen ihre Ideologie doch von Anfang an mit Zuckerbrot und Peitsche verbreitet, letztendlich mit Erfolg.

Mit der Ehrlichkeit, von der hier die Rede ist, nahm es ausserdem schon Helmut Kohl nicht mehr so genau. Weshalb die Menschen in Deutschland heute besonders sensibel sind, wenn es um Europa geht.

Die deutsche Einheit kostete Unsummen und nur wenig spricht dafür, dass Frau Merkel uns als "Agentin des Kapitals" nicht auch noch riesige Wohlstandsverluste beschert. Die anglophilen Satiriker haben dies schon erkannt.

Empfehlen
Weitersagen