Erschwerter Informantenschutz durch Überwachungstechniken
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Informantenschutz : Heute hätte Ellsberg keine Chance

  • -Aktualisiert am

Informantenschutz undenkbar: Daniel Ellsberg kommunizierte damals hauptsächlich über Münztelefone, heutzutage werden alle Gespräche aufgezeichnet und machen damit jeglichen Informantenschutz unmöglich. Bild: dapd

Die Veröffentlichung der „Pentagon Papers“ 1971 ist Thema des neuen Spielberg-Films – und wäre beim heutigen Stand der Überwachung kaum mehr möglich. Der Schutz von Whistleblowern und die Pressefreiheit sind ein Thema für den Koalitionsvertrag.

          Es ist nie ein Einzelner allein, der mit einem Leak etwas verändert. Whistleblower, die aus Gewissensnöten heraus Informationen an die Presse geben, brauchen Mut, aber auch Hilfe: von rechtlicher Seite, von Journalisten und von ganz praktischen Helfern. So war es auch bei Daniel Ellsberg, der die „Pentagon Papers“ weitergab und mit ihnen die militärischen Lügen über den Krieg in Vietnam. Nicht nur er riskierte seine Freiheit und seine gesamte Existenz, um die Papiere öffentlich zu machen, auch seine Helfer.

          Einige von ihnen haben sich in den vergangenen vier Jahrzehnten offen dazu bekannt. Letzte Woche outete sich ein weiteres Mitglied aus Ellsbergs Team: der namentlich bisher nicht bekannte „Mr. Boston“. Der Mann heißt in Wirklichkeit Gar Alperovitz und ist heute Historiker und Ökonom. Er war einer derjenigen, die Ellsberg 1971 dabei halfen, die siebentausend Seiten der Pentagon-Papiere an die Zeitungen weiterzureichen.

          Der damalige Präsident Richard Nixon hatte auf juristischem Wege zunächst die „New York Times“ davon abgehalten, die Pentagon-Papiere zu veröffentlichen. So versuchten Ellsberg, Alperovitz und weitere Helfer, die Kisten voller brisanter Informationen zu anderen Redaktionen zu schaffen. Sie standen unter Zeitdruck, denn Ellsberg war bereits enttarnt und versteckte sich in Cambridge.

          Unentdeckte Kommunikation

          Als Alperovitz jetzt an die Öffentlichkeit ging und von der Zeit berichtete, sprach er auch über die Bedingungen des Informantenschutzes und über die Versuche, unentdeckt mit Journalisten zu kommunizieren. Die klandestine Truppe nutzte öffentliche Telefone, die mit Münzen bezahlt wurden. Man findet solche Apparate in den heutigen Mobilfunkzeiten kaum noch, manche Jugendliche werden nicht mal mehr wissen, was so ein „Fernsprecher“ sein soll.

          Diese Fernsprecher wechselten sie laut Alperovitz aus Angst nach jeder Benutzung und zogen in Boston, Cambridge und umliegenden kleineren Städten ihre Kreise, um jedes Mal einen neuen Apparat zu finden. Später erfuhren sie, dass in Cambridge tatsächlich einige der öffentlichen Telefone bereits verwanzt waren.

          Obwohl eine landesweite Jagd auf den Informanten Ellsberg losgetreten wurde, ging die Strategie seiner Helfer auf, die Papierstapel an möglichst viele Zeitungen zu verteilen und unentdeckt mit Journalisten zu sprechen, darunter die der „Washington Post“. Wegen eines aktuellen Blockbuster-Films mit Meryl Streep und Tom Hanks, der die Rolle der „Washington Post“ bei der Veröffentlichung der geheimen Papiere beleuchtet, ist die etwas in Vergessenheit geratene Politaffäre in den Vereinigten Staaten wieder Thema.

          Der ganze Skandal um den Vietnam-Krieg flog mit Hilfe der Presse auf, und Ellsberg wurde der Prozess gemacht. Dabei kam auch heraus, dass er ohne eine rechtliche Erlaubnis abgehört worden war. Das FBI versuchte im Gericht monatelang, aber am Ende vergeblich, dieses Abhören abzustreiten. Denn Ellsberg war ein Kollateralschaden einer FBI-Spionage gegen Mitglieder des Nationalen Sicherheitsrats der Vereinigten Staaten.

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