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Ernährung : Wie gesund sind Biolebensmittel?

  • -Aktualisiert am

Bio-Salat enthält mehr sekundäre Pflanzenstoffe als konventionell angebauter. Bild: dpa

Schon die Frage ist falsch gestellt, denn bei der Ernährung spielen viele Faktoren eine Rolle. Außerdem ist es schwierig mit wissenschaftlichen Studien zu belegen. Eine Antwort lässt sich trotzdem finden.

          Ein Glucksen und Hüsteln, ein Räuspern und Kichern am Telefon - das erwartet jeden, der sich mit der Frage, ob Biolebensmittel gesünder sind als Produkte aus konventioneller Erzeugung, an Bundesbehörden und Universitätsinstitute wendet. „Komplex“ nennt man die Frage höflich beim Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin. „Sehr schwierig zu untersuchen“, wird man beim Max-Rubner-Institut in Karlsruhe etwas deutlicher. „Das ist eigentlich eine dumme Frage“, bringt es schließlich Urs Niggli vom Forschungsinstitut für Biologischen Landbau im Schweizer Kanton Aargau auf den Punkt.

          Im Prinzip, erklärt der Agrarwissenschaftler, könne man nämlich nur von gesunder und ungesunder Ernährung reden, nicht davon, ob einzelne Produkte gesund seien. Gesund ernähren sich viel zu wenige Menschen. Die meisten essen zu viel Fleisch und Süßigkeiten und werden dick und krank, sie halten sich nicht an die Empfehlungen der Ernährungsexperten, die eine „Ernährungspyramide“ ausgetüftelt haben mit einem großen Anteil an Gemüse und Obst und wenig Fleisch und Wurst.

          „Wenn man sich ohnehin schon gesund ernährt, ist es eine nachgelagerte Frage, ob Öko noch einen Zusatznutzen hat“, sagt Niggli. „Indem man diese Frage stellt, gibt man diesem Zusatznutzen eine ungeheure Bedeutung, man stellt ihn ins Zentrum der Überlegungen. Alle, die sich als Wissenschaftler mit dem Thema Ernährung und Gesundheit beschäftigen, reagieren deshalb etwas indigniert, wenn diese Frage fällt.“ Das heißt: Angesichts der vielen falsch ernährten, übergewichtigen, von Diabetes und Herzkreislaufleiden bedrohten Menschen ist es aus diesem Blickwinkel geradezu verantwortungslos, in der notwendigen gesellschaftlichen Debatte über die Problematik auf das Thema Bio abzulenken.

          Mehr sekundäre Pflanzenstoffe

          Aber was ist dann mit denjenigen Konsumenten, die sich an die Empfehlungen halten und die ohnehin schon gesund essen? „Wenn man ausgewogen isst, sind ökologische Produkte besser, denn sie haben gewissen Vorzüge“, sagt Niggli, der im vergangenen Jahr gemeinsam mit einem internationalen Wissenschaftlerteam im „British Journal of Nutrition“ die bislang größte Übersichtsstudie zu Nährstoffen in pflanzlichen Bioprodukten und in konventionellem Obst und Gemüse veröffentlicht hat. 350 Studien zum Thema wurden für diese Untersuchung ausgewertet.

          „Pflanzliche Bioprodukte haben massiv höhere Gehalte an sekundären Pflanzenstoffen“, fasst Niggli die Ergebnisse zusammen. Sekundäre Pflanzenstoffe sind Substanzen, die Pflanzen bilden, um sich gegen schädliche Umwelteinflüsse zu schützen, etwa gegen Krankheitserreger oder UV-Licht. Bio-Pflanzen werden nicht durch Pestizide abgeschirmt, sie bilden naturgemäß mehr sekundäre Pflanzenstoffe, um sich zu schützen. Zu den Stoffen gehören unter anderem Polyphenole, Phenolsäuren oder Flavonoide. Die meisten dieser Stoffe wirken als Antioxidantien, als Radikalfänger, von denen man annimmt, dass sie helfen, viele Alterserscheinungen und auch chronische Krankheiten zu verhüten oder hinauszuschieben.

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