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Eklat um Kulturpreis Lammert: Fall Kermani eine Staatsposse

15.05.2009 ·  Dass der Hessische Kulturpreis an Kardinal Lehmann, Peter Steinacker und Salomon Korn, nicht aber an Navid Kermani geht, ruft viel Kritik hervor. Bundestagspräsident Lammert sprach von einer „Staatsposse“. In der F.A.Z. nehmen Steinacker und der Schriftsteller Martin Mosebach Stellung.

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Die Entscheidung des Kuratoriums des Hessischen Kulturpreises, die Auszeichnung an Karl Kardinal Lehmann, Peter Steinacker und Salomon Korn, nicht aber an den ursprünglich als Mitpreisträger vorgesehenen Schriftsteller Navid Kermani zu verleihen, hat viel Kritik hervorgerufen (Eklat um den Hessischen Kulturpreis). Bundestagspräsident Lammert sprach von einer „Staatsposse“. Wenn Kermanis „kühner Artikel“ über die Empfindungen eines Muslims bei der Betrachtung einer Darstellung der Kreuzigung Christi in einer römischen Kirche der Grund für die Entscheidung sei, dann solle der Staat „besser auf die Verleihung von Kulturpreisen verzichten“.

Aus dem Kreis der Jury äußerte Helmut Seemann, Präsident der Stiftung Weimarer Klassik, sein Unverständnis über die Aberkennung, die durch einen Brief von Kardinal Lehmann an Ministerpräsident Koch ausgelöst wurde. Den Artikel über das Kreuz nannte Seemann einen „hochinteressanten Text auf der Grenze zwischen Religion und Kultur“. In der Samstagsausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung reagieren nun Peter Steinacker und der Schriftsteller Martin Mosebach auf die Vorfälle, zu denen bisher erst Kermani selbst Stellung bezogen hat (Navid Kermani: Wie mir der Preis aberkannt wurde).

Grund für den Entzug des zugesagten Preises war Kermanis Ablehnung des christlichen Kreuzsymbols in einem in der „Neuen Zürcher Zeitung“ publizierten Text. Die Ablehnung des Kreuzes begründet Kermani hier mit der Einsicht, die ihm gekommen sei, als er die „Kreuzigung“ des Künstlers Guido Reni betrachtete. In verschärfender Formulierung der prinzipiell ablehnenden Haltung des Islam gegenüber dem Kreuz bezeichnet Kermani das christliche Symbol zunächst als „Gotteslästerung und Idolatrie“. Bei weiterer einfühlender Betrachtung des Kreuzigungsbildes erkennt er darin jedoch auch eine Art Segensbotschaft, eine Überhöhung des Leidens ins Metaphysische, die ihm den Zugang zum christlichen Glauben ermögliche.

Zweifel an der Eignung

Im Samstagsfeuilleton der F.A.Z finden sich erstmals auch Auszüge aus dem Brief, in dem Kardinal Lehmann dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch seine Vorbehalte gegenüber Kermani mitteilt. Den letzten Ausschlag zur Ablehnung Kermanis, den er von Beginn an nicht als glückliche Lösung empfunden habe, habe eben jener Text in der NZZ gegeben. Lehmann nimmt Anstoß an dem selbstbewussten und scharfen Ton des Islamwissenschaftlers. Weder als Christ noch als Priester könne er „mit und neben jemandem einen Preis annehmen, der das Kreuz als 'Gotteslästerung und Idolatrie' bezeichnet“ habe.

Lehmann äußert darüber hinaus generelle Zweifel an der Eignung Kermanis, der einen hervorragenden Beitrag zur religiösen Verständigung bisher nicht geleistet habe. Die beiden anderen Preisträger müssten es daher als Zumutung empfinden, gemeinsam mit Kermani ausgezeichnet zu werden.

Zwölf Thesen

Martin Mosebach antwortet Lehmann mit zwölf Thesen: Der Schriftsteller bemängelt darin den Stil Lehmanns, der den Preis selbst hätte ablehnen können, ohne damit einen anderen Preisträger zum Verzicht zu zwingen. Zudem wirft er ihm vor, sich nicht auf den Text einzulassen, in dem Kermani von einer anfänglichen Schmähung zu einer Huldigung des Kreuzes schreitet.

Peter Steinacker, ehemaliger Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, verwehrt sich in seiner Stellungnahme gegen den Vorwurf, er habe Kermani als Preisträger verhindert. Er habe der Staatskanzlei lediglich seine Bedenken mitgeteilt. Diese Bedenken stützten sich auf den aggressiven Stil Kermanis, der das Kreuz in die Nähe der Blasphemie und Pornographie rücke und diese Position später nur scheinbar zurücknehme, wobei auch seine Unkenntnis der Kreuzestheologie ersichtlich werde.

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