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Salvador Dalís Exhumierung : Bartspalterei

Ist Salvador Dalí Pilar Abel Martínez’ Vater? Bild: AFP

Noch kann Pilar Abel Martínez nicht beweisen, dass sie die uneheliche Tochter von Salvador Dalí ist. Die Exhumierung seines Leichnams soll Klarheit bringen. Die Sache hat mehrere Pointen.

          In Spanien hat eine Richterin die Exhumierung des Leichnams von Salvador Dalí angeordnet. DNA-Proben sollen darüber Aufschluss geben, ob der genialische Maler der Vater einer gewissen Pilar Abel Martínez ist. Die Einundsechzigjährige, ihrerseits Mutter von vier Töchtern, will zahlreiche Hinweise darauf haben, sie sei Dalís uneheliche Tochter. Seit längerem kämpft sie schon darum, als Kind von Dalí anerkannt zu werden; sie wäre das einzige.

          „Du bist so komisch, das musst du von deinem Vater haben!“ Sätze wie diese will Pilar Abel in ihrer Kindheit öfter gehört haben. Auch ihre Großmutter habe Anspielungen auf einen „berühmten Maler“ gemacht. Das Gericht sieht damit hinreichende Belege für die Vermutung, der 1989 verstorbene Surrealist habe Mitte der fünfziger Jahre in dem Fischerdörfchen Port Lligat an der Costa Brava mit einer Hausangestellten – nicht seiner – ein Verhältnis gehabt. Dass es bei dem Fall um gewaltige Summen geht, liegt auf der Hand.

          Bisher bekommen die Erben von Dalís Muse Gala nämlich den Löwenanteil der Einkünfte, und Spanien hat Dalí-Bilder im Wert von einigen hundert Millionen Euro geerbt. Die Sache hat, auf den ersten Blick, nicht nur eine Pointe, sondern vier oder fünf. Erstens: Dalí, das angebliche erotische Rätselwesen, das zwischen asexuell, homosexuell, bisexuell und Voyeurismus geschwankt haben soll, könnte am Ende ganz schlicht als rollenkonformer Spießer gelebt haben. Der König des Surrealismus, der Exzentriker par excellence hatte möglicherweise – man scheut sich, es auszusprechen – ein Kind mit einer Haushälterin aus der Nachbarschaft! Zweitens: Dalí reiht sich jetzt ein in die Riege großer spanischer Männer, deren sterbliche Überreste man exhumieren muss.

          Ist Pilar Abel Martínez Salvador Dalís Tochter?
          Ist Pilar Abel Martínez Salvador Dalís Tochter? : Bild: EPA

          Allerdings, nach den Gebeinen des Malerfürsten Velázquez wurde vor bald zwanzig Jahren in Madrid ebenso vergeblich gebuddelt wie nach dem Leichnam des Dichters Federico García Lorca bei Granada. Auch bei Cervantes war das Ergebnis der Grabungen vor zwei Jahren enttäuschend.

          Vielleicht ist es also schon als Erfolg zu verbuchen, dass man bei Dalí wenigstens weiß, wo er liegt: im eigenen Museum. Hätte es, drittens, nicht gereicht, den DNA-Test mit einem seiner herrlich gezwirbelten Schnurrbarthaare zu veranstalten? Da müsste sich bei Verehrern und Fetischjägern doch eins finden lassen, das noch verwendbar ist. Viertens: Die Dame (Abel Martínez) sagt einem die Zukunft voraus.

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          Jasmine, so ihr Künstlername, hat im Lokalfernsehen acht Jahre lang Tarot-Karten gelegt. Und als solche hat sie vor elf Jahren den Schriftsteller Javier Cercas verklagt, weil sie der Auffassung war, er habe mit der Figur einer Kartenlegerin in seinem Bestsellerroman „Soldaten von Salamis“ in Wahrheit sie gemeint. Ihre Forderung: 600.000 Euro Schadenersatz. Sie hat sie nicht bekommen; eine Richterin wies die Klage ab. Diesmal hat Jasmine vielleicht bessere Karten. Als wir Javier Cercas per E-Mail fragten, wie er darüber denke, schrieb der zurück: „Natürlich kann man nicht ausschließen, dass diese Frau recht hat und Dalís Tochter ist. Aber mir käme das wie ein echtes Wunder vor.“

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

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          Quelle: F.A.Z.

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