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Eine Gegenpolemik Maulkorb für Islamkritiker

 ·  Wer darf über den Islam streiten? Musliminnen jedenfalls nicht, befindet eine Berliner Professorin. Unfassbar: Publizistinnen wie Necla Kelek, Ayaan Hirsi Ali und Seyran Ates spricht sie das Recht auf kritische Reflexion ab und rückt sie sogar in die Nähe von Nazis.

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Am Anfang stutzt man nur, wenn die Psychologieprofessorin Birgit Rommelspacher in der „taz“ darüber klagt, dass „Feministinnen mit Rechten gemeinsame Sache“ machen. Wer sind die Rechten, und gegen wen geht es? Genau ist die Rechtsextremismus-Forscherin nicht, weder in der Begriffsklärung noch in der Argumentation. Sie bleibt im Ungefähren, wenn sie ihre selbstgehäkelten Gefahren zum Popanz aufbaut, holpert hurtig vom Chauvinismus zu Ostfrauen, die den Feministinnen erst gefielen, seit eine Bundeskanzlerin geworden sei.

Aber die ist nicht gemeint. Frau Rommelspacher geht es um „antiislamische Positionen“, die sie eine ganze „taz“-Seite zwar nicht konkret benennt, aber immer dichter an den Nationalsozialismus rückt, wo auch schon „Frauen ihre ,rassische' Überlegenheit mit ihrem Einsatz für die Gleichstellung von Mann und Frau begründeten“. Sie nennt keine Gründe für diese Unterstellung, dafür Namen: Ayaan Hirsi Ali, Seyran Ates, Necla Kelek. Frauen, die, wie Rommelspacher gallig bemerkt, für ihre mutige Einmischung gefeiert würden. Es fällt ihr nicht auf oder ein, dass Kelek, Ates und Hirsi Ali dafür, im Unterschied zur ewiggestrigen „taz“-Autorin, bedroht und verfolgt wurden. Und es fällt ihr auch nicht auf, dass sie sich in eigener Sache einmischen, dass Rommelspacher diskriminiert, wenn sie den drei Musliminnen - denn das sind sie, kann das mal jemand zur Kenntnis nehmen? - jedes Recht auf kritische Reflexion abspricht.

Necla Kelek wird denunziert

Diese drei Frauen stehen bei ihr nicht für mutige Kritik an unhaltbaren Zuständen in unserer Gesellschaft, für Emphatie mit den Opfern archaischer Traditionen und einer Religion, die Individualität und Selbstverantwortung auch mitten in Europa als Teufelszeug geißelt. Nein, für Rommelspacher handelt es sich hier um die neuen Feinde, um „KämpferInnen für die westliche Zivilisation“. Was daran so grauenhaft ist, darf der Leser nur ahnen, eine alte Ideologie aus der blinden Multikultiseligkeit feiert, wieder einmal, Auferstehung. Wer hoffte, die Kritik an parallelen Welten, an demonstrierter Verachtung für westliche Freiheiten werde nicht mehr sofort und umstandslos als eine Form von rechtsradikalem Rassenhass denunziert, ist nun eines Schlimmeren belehrt.

An Necla Kelek hatte sich die Professorin bereits in einem peinlichen Buch zur „Islamfeindlichkeit“ abgearbeitet, dessen vieldeutiger Untertitel „Wenn die Grenzen der Kritik verschwimmen“ sich nun wie ein Orakel erfüllt hat. So behauptet sie, ohne einen einzigen Beleg dafür, Necla Kelek wolle den Islam abschaffen, „insgesamt zugunsten des Christentums“. Richtig ist, dass Kelek und andere die Säkularisierung verteidigen, die Aufklärung, und die Trennung von Religion und Staat auch für den Islam fordern. Der Glaube, schrieb Necla Kelek in dieser Zeitung in einem Essay über Aufklärung und Christentum, wurde dadurch nicht abgeschafft, auch nicht bei den Christen (siehe Necla Kelek: Freiheit, die ich meine).

Rommelspacher haut in die gleiche Kerbe wie kürzlich die „Süddeutsche Zeitung“, nur noch gröber. Die Süddeutsche denunzierte Kelek als Hasspredigerin, die Menschenrechte so fanatisch verteidigt wie Muslime den Koran und die Scharia. Was ihnen entgegentrete, werde geächtet. Der Hass, der den Tod bringen kann, und das „Wortgefecht“, eine Freiheit, die gerade die Kritiker der Islamkritiker so ungehemmt nutzen, werden auf eine Stufe gestellt. So als wäre es gleichgültig, ob man seinen Gegner ersticht, steinigt, zerbombt oder nur Widerworte wagt. Wie durchdacht ist das denn? Oder war's nur mal so hingeschrieben?

Idealkundschaft der Islamfunktionäre

Diese jüngste Kampagne gegen alle, die es wagen, den Islam als Teil einer Kultur kritisch zu hinterfragen, erinnert an andere. Etwa an jenen bizarren „Weckruf“ in der „Zeit“ vor fast vier Jahren, als sechzig vermeintliche „Migrationsforscher“ vom Schlage der Frau Rommelspacher, aber auch unterschriftsbereite Sachbearbeiter der Universität Hamburg „Gerechtigkeit für Muslime!“ forderten und damit vor allem ihre Deutungshoheit meinten, die sie in Gefahr sahen. Muslime kamen auch damals nur als hilflose Masse am Rande vor; Mündel, denen man sagen muss, wo es langgeht, und die man auf diese Weise in ihrer Rückständigkeit einmauert.

Der Furor, der damals wie heute am heftigsten muslimische Dissidenten trifft, speist sich aus einer immergleichen Arroganz, die alle entmündigt, die selbst aus den engen, demütigenden Regeln ausbrechen, mit denen sie aufgewachsen sind. Es erinnert zuweilen an die Ost-West-Debatten, die Dissidenten im Osten ihrer Konflikte enteignete, weil man sich gestört fühlte und weiter entspannen wollte, koste es, was es wolle. Wer nach dem Mauerfall autoritäre, sozialistisch geprägte Kollektivstrukturen geißelte, wurde oft angegriffen, weil „wir im Osten“ so nicht seien. So gereizt wie auf diese Selbstbehauptung reagiert man nun auf Muslime, die darauf bestehen, dass die europäischen Freiheiten für alle gelten, auch für sie.

Die einstige Idealkundschaft der Islamfunktionäre und wissenschaftlichen Ignoranten, die, hilf- und sprachlos, lange leicht zu betreuen war, sie ist zu Teilen längst übergelaufen zu den Dissidenten. Wer einmal gesehen hat, welches Publikum bei Vorträgen von Seyran Ates oder Necla Kelek anwesend und dankbar für ihre Argumente ist, der weiß, dass es nicht „westliche Fundamentalisten“ sind, sondern türkische Frauen. Vielleicht beunruhigt manche ja gerade das.

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