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Veröffentlicht: 04.12.2012, 08:58 Uhr

Ein Gespräch mit Dennis Meadows Grüne Industrie ist reine Phantasie

Nachhaltige Entwicklung, Klimaschutz: Diese Begriffe haben den Charakter von Gebetsmühlen angenommen. Dennis Meadows, der Erfinder der „Grenzen des Wachstums“, erklärt, dass man aus der Klemme, in der wir stecken, mit bloßen Formeln nicht herauskommt.

© ddp images/dapd/David Hecker Der Planet lässt sich nun mal nicht aufblasen: Dennis Meadows auf dem schrumpfenden Grund und Boden der Menschheit

Was erwarten Sie von den Klimaverhandlungen in Doha?

Nichts. Nach Kopenhagen habe ich aufgehört, solche Klimaveranstaltungen zu verfolgen. Es ist im Grunde eine Farce. Die Leute sind seriös, aber in dem Prozess kommt nichts Sinnvolles heraus. Ich denke, inzwischen hält das niemand mehr für eine seriöse Sache. Es ist eine Zeremonie, mehr nicht.

Wird der Klimawandel als Zukunftsproblem nicht ernst genug genommen?

Durchaus, aber das Eindämmen des Klimawandels ist ein schwieriges Problem. Jemand muss heute Schmerzen ertragen und Opfer bringen für etwas, von dem ein anderer erst viel später profitiert. Demokratische Systeme sind offensichtlich unfähig, die Menschen zu solchem Verhalten zu mobilisieren. Die ursprüngliche Idee der Klimaverhandlungen, eine gefährliche Erwärmung von mehr als zwei Grad global zu verhindern, ist damit praktisch unmöglich geworden. Und selbst zwei Grad Erwärmung wären schon eine Katastrophe. Der Anstieg des Kohlendioxids in der Luft war dieses Jahr schneller als jemals zuvor in den vergangenen Jahrhunderten.

Auch mit tatkräftiger Hilfe der Wissenschaft kommt die Politik nicht voran. Reichen Wissen und Macht nicht aus, die Menschen zu überzeugen?

Zuerst muss man sagen: Gerade weil wir es in den vergangenen Jahrzehnten verpasst haben, etwas zu tun, ist es jetzt unmöglich geworden, einen signifikanten Klimawandel wirklich noch zu vermeiden. Selbst wenn wir jetzt einen Knopf zum Ausschalten drücken könnten, wäre es zu spät, weil so viel Treibhausgase schon in der Pipeline stecken. Was zu tun wäre? Praktisch glaube ich nicht, dass wir das als Menschheit in den Griff bekommen. Die Voraussetzungen dafür waren nie besser als in den zurückliegenden vierzig Jahren gewesen, doch wir haben versagt. Warum sollten wir es also in den kommenden vierzig Jahren lösen?

Weltweiter CO2-Ausstoß erreichte 2011 Rekordhoch © dpa Vergrößern Die Suche nach regenerativen Energien wird dringender

Ich hätte jetzt erwartet, Sie nennen etwas Visionäres, dass man etwa mit Nachhaltigkeit, qualitativem Wachstum und einer industriellen Revolution vielleicht noch die Kurve bekommt.

Nachhaltige Entwicklung ist eine unsinnige Vokabel wie friedlicher Krieg. Es gibt keine Entwicklung mit Nachhaltigkeit. Und was die grüne Industrie angeht, das ist reine Phantasie. Es gibt die Idee, das Bruttoinlandsprodukt vom Energieverbrauch zu entkoppeln. Dafür gibt es überhaupt keine empirische Evidenz. Überall dort, wo das Bruttoinlandsprodukt hochgeht, geht auch der Energieverbrauch hoch. Zuletzt ist er mit etwas geringeren Wachstumsraten hochgegangen, wir nennen das die relative Entkoppelung. Das passiert, wenn wir weniger Autos produzieren und dafür mehr Energie im Gesundheitssektor einsetzen. Mit kleinen Änderungen in der Industrieinfrastruktur kann aber einfach nicht erreicht werden, was nötig ist, nämlich die schnellstmögliche Verringerung der Treibhausgase auf die Hälfte.

Entscheidend ist doch aber die Frage, woher die verbrauchte Energie kommt. Die Idee einer Dekarbonisierung, also das Ende der Kohlenwasserstoffwirtschaft, die von Öl, Kohle und Gas abhängig ist. Schaffen wir es mit den Alternativen auch nicht?

Ich glaube nicht daran. Bis 2005 hatten wir die Situation, dass jede Rezession auch einen Rückgang des Energieverbrauchs verursacht hat. Seitdem ist das Ursache-Wirkungs-Gefüge umgedreht: Wo der Energieverbrauch runtergeht, schwächelt auch die Wirtschaft und geht das Bruttoinlandsprodukt herunter. Ich glaube nicht, dass wir einen Weg finden, das Wirtschaftswachstum hochzutreiben und gleichzeitig den Energieverbrauch drastisch zu senken.

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