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Ein Gespräch mit amerikanischen Historikern Obama war sehr streng mit Amerika

Wie epochal war die Rede Barack Obamas zu seiner Amtseinführung? Wir haben die „Inaugural Address“ mit vier amerikanischen Historikern angehört und sie danach um ihre Einschätzungen gebeten.

© AFP Vergrößern Findet strenge Worte: Barack Obama, hier bei einer Wahlkampfveranstaltung im September

Wie epochal war die Rede Barack Obamas zu seiner Amtseinführung? Wir haben die „Inaugural Address“ mit vier amerikanischen Historikern angehört und sie danach um ihre Einschätzungen gebeten.

Amerika und die Welt wollten nichts weniger als eine epochale Rede von Barack Obama hören. Hat der neue Präsident sich dazu aufgeschwungen?

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John Stauffer: Ganz bestimmt. Es war eine brillante, elegante, eloquente Rede, die ich so zusammenfassen würde: Selfmademan gelobt, die Nation zu erneuern. Obama hat Washington und Martin Luther King paraphrasiert, hat bei F.D.R. Anleihen gemacht und sogar bei Reagan, vor allem aber forderte er die Amerikaner auf, Verantwortung zu übernehmen, und borgte da von John F. Kennedy.

Bild / John Stauffer / William E. Leuchtenburg / Douglas L. Wilson / Rodney O. Davis © Harvard, University of Carolina, Knox College (2) Vergrößern John Stauffer (links) unterrichtet „History of American Civilization” an der Harvard University. William E. Leuchtenburg (2.v.r.) ist emeritierter Historiker der University of North Carolina und hat unter anderem sechs Bücher über Franklin D. Roosevelt und seine Zeit veröffentlicht. Douglas L. Wilson (2.v.l.) und Rodney O. Davis (r.) leiten das Lincoln Studies Center des Knox College in Galesburg, Illinois

William E. Leuchtenburg: Wir haben es hier mit einer Situation zu tun, in der das Ereignis die Rede überwältigt. Es ist einfach unfassbar, einen afroamerikanischen Präsidenten in einer Hauptstadt zu sehen, die zum Teil von Sklaven gebaut wurde, ANTWORT: das Weiße Haus inbegriffen. Obamas Worte standen so etwas im Schatten, und ich will angesichts dieser Umstände nicht wie ein Filmkritiker urteilen, der zwei oder drei Sterne vergibt. Ich glaube aber, dass es nicht viele Redewendungen gab, wie sie in den Inaugural Addresses von Roosevelt im Jahr 1933, von Lincoln 1865 und Kennedy 1961 zu finden sind. Die Rede war in ihrem Inhalt wichtiger als in ihrer Rhetorik.

Douglas Wilson: Er hat vielleicht nicht die Rede gehalten, die sich viele Leute erhofft haben, also eine Rede, bei der sie aufgesprungen wären und geschrien hätten. Er redete ernst und sagte, was er sagen wollte, direkt und zielsicher, ohne auf Beifall aus zu sein. Wie der zu ernten wäre, weiß er genau. Es wollte aber wohl zeigen, dass er ernsthaft entschlossen ist, die Probleme des Landes anzugehen.

Rodney Davis: Die Rede hatte keine denkwürdigen Sätze, wie wir sie von der Amtseinführung Kennedys im Ohr haben. Sie war direkt, handwerklich gut gearbeitet, außerordentlich prägnant, aber ohne rhetorische Highlights.

Obama hat ein neues Zeitalter der Verantwortlichkeit ausgerufen und seine Landsleute aufgefordert, Sinn nicht nur in sich selbst, sondern in etwas Größerem zu suchen. Er ließ aber keine Zweifel an der glänzenden Zukunft der Nation aufkommen. Blieb er damit im Rahmen des Üblichen einer Inaugural Address?

Stauffer: Er hat von früheren Ansprachen das Beste übernommen. Ich hatte gehofft, dass es eine solch ernste Rede wird. Die erste Version von Lincolns erster Inaugural Address, bevor er sie versöhnlicher formulierte, ähnelt im Ton dem, was wir von Obama gehört haben. Lincoln war kraftvoll, er war streng, er war sehr klar, und genauso war Obama heute.

Leuchtenburg: Zu den Traditionen einer Inaugural Address gehört es zu sagen, dass wir über gegenwärtige Schwierigkeiten triumphieren werden und froh in die Zukunft blicken können, auch wenn wir die Vergangenheit vergeudet haben. Sehr unüblich war allerdings die Strenge, im Vortrag wie in manchen Gedanken.

Davis: Er hat die Gepflogenheiten der Inaugural Address hinter sich gelassen. Üblicherweise geht es vor allem um Innenpolitik, durchaus im prosaischen Ton, aber prosaisch war Obama nicht. Er hat die Amerikaner aufgefordert, über den Tellerrand hinauszuschauen.

Wilson: Solche Reden neigen zur Selbstbeweihräucherung. Obama hat das nicht ganz vermieden, aber nur ein einziges Mal von sich selbst erzählt, von seinem Vater, dem es vor sechzig Jahren nicht erlaubt wurde, in einem Washingtoner Restaurant ein zu bestellen.

Obama zitiert jetzt auch George Washington, der auch in den trübsten Tagen der Revolution nie die Hoffnung fahrenließ. Hat Sie das überrascht?

Leuchtenburg: Und wie! Zumal der Präsident nie wörtlich Lincoln oder Roosevelt oder Martin Luther King zitiert hat. Es klang etwas nach der Arbeit eines Redenschreibers und weniger nach dem Obama, wie wir ihn aus dem Wahlkampf kennen.

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