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Ein Chinese bereist alle Kulturerbestätten : Wie nett ist eigentlich die Welt?

Die Liste des Unesco-Welterbes umfasst 981 Denkmäler, Huang will sie alle besuchen. Vor wenigen Tagen war er im Aachener Dom und las aus seinem neuen Buch vor Bild: Tobias Zaft

Der chinesische Milliardär Huang Nubo hat den Dschungel von Partei- und Wirtschaftsintrigen überlebt und will jetzt buchstäblich die ganze Welt bereisen - für zehn Jahre. Wir trafen ihn noch in Peking an.

          „Weltkultur“ ist ebenso wie „Menschheit“ ein europäisches Konzept, doch in diesen Tagen nimmt in Peking eine Recherche auf den Spuren dieser Begriffe ihren Ausgang, die im Westen schwerlich denkbar wäre. Der chinesische Milliardär Huang Nubo ist zu einer Weltreise aufgebrochen, die mit Unterbrechungen zehn Jahre dauern wird und die in ihrer fortlaufenden Dokumentierung den Stand der Globalisierung spiegeln soll: und zwar nicht wie üblich mit Hilfe der Stäbe und Kategorien professioneller Dialog- und Kulturinstitutionen, sondern einzig und allein in der Wahrnehmung dieses einen Mannes, der vor allem auf die „Freundlichkeit“ der ihm begegnenden Leute achten will. 160 Länder wird der Unternehmer entlang den von der Unesco als Weltkulturerbe definierten Stätten besuchen; die erste Station ist Deutschland.

          Mark Siemons

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Im sechzehnten Stock seines Zhongkun-Konzerns sitzt Huang Nubo kurz vor der Abreise am Kopfende eines langen Sitzungstischs mit nur mühsam gebändigter Energie. Der 1,93 Meter große, muskulöse Mann trägt Turnschuhe und ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift „WildAid“. Huang Nugo ist kein Unbekannter. Vor zwei Jahren machte er sich einen Namen, weil er für sechs Millionen Euro 0,3 Prozent von Island kaufte, um dort eine Ferienanlage zu erichten. 57 Jahre ist er jetzt alt, aber sein breites Gesicht wirkt manchmal fast kindlich.

          Büroarbeiter und Bergsteiger

          Während des Gesprächs reichen ihm seine aus dem Nebenraum herbeieilenden Assistentinnen fortlaufend Vorlagen, die er rasch und leichthin scherzend unterschreibt; es muss die Frage geklärt werden, wie er noch eben an einen Internationalen Führerschein für die Reise kommen kann. Er sagt, er habe keine Lust, immer im Büro zu sitzen, deshalb sei er auch Bergsteiger; auf der Internetseite der Firma werden regelmäßig die Achttausender vermeldet, die der Vorstandsvorsitzende gerade wieder bestiegen hat.

          Für Huang ist es ein langgehegter Traum, die ganze Welt zu sehen; das habe noch nie jemand zuvor gemacht, sagt er in einem Ton, der von seinem auch an den Bergbesteigungen sichtbaren sportlichen Ehrgeiz kündet. Noch bevor er auf den universalkulturellen Nutzen der Sache („Faces of Humanity“ nennt sich das Projekt) zu sprechen kommt, betont er sein persönliches Vergnügen daran: Er habe damit eine gute Weise gefunden, sich selbst zu belohnen, das eigene Geld auszugeben; andernfalls würden die für die Reisen veranschlagten hundert Millionen Yuan (etwa zwölf Millionen Euro) gespendet oder in die Erbmasse fließen. Nach zwanzig Tagen Reisen sollen jeweils zehn Tage im Büro folgen. Und immer wenn das Gespräch über Globalisierung später etwas zu ernst zu werden droht, sagt er: „Aber das Ganze ist auch eine lustige Sache.“

          An Huang Nubos Route kann man sehen, wie reich an Kulturerbestätten Deutschland ist: Dazu gehört neben bekannten Orten wie dem Kölner Dom beispielsweise auch die Oberharzer Wasserwirtschaft.

          Der freimütig herausgestellte Genussfaktor ist ein wesentliches Merkmal des Projekts. Huang will nicht reisen wie ein Kulturbürokrat, der seine Beobachtungen mit den in seinem Milieu akzeptierten Abstraktionen abgleichen muss, sondern wie ein Mensch, der es sich leisten kann, seine sozialen Rollen abzustreifen und sich ganz einer Situation zu überlassen. Um beweglich zu bleiben, habe er es abgelehnt, sagt er, mit einem großen Team und allen möglichen Experten und Sponsoren zu reisen: Wenn ein Flugzeug Verspätung hat oder gar nicht fliegt, könne er sich einfach auf den Boden setzen und ein Bier trinken; diese Art heiteres Akzeptieren des Gegebenen habe er als Bergsteiger gelernt und wolle es nicht verlieren.

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