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Ein Appell : Setzt Liu Xia endlich wieder in Freiheit!

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Liu Xia, geboren 1959, steht seit mehr als drei Jahren unter strengem Hausarrest in Peking, hier fotografiert kurz zuvor, im Sommer 2010 Bild: Bill Smith

Liu Xia ist kein politischer Häftling, sie ist nur die Ehefrau eines politischen Gefangenen: Ein Appell an China zur Aufhebung der Repressionen gegen die Ehefrau des Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo.

          Hat Liu Xias Unglück begonnen, als dem inhaftierten Liu Xiaobo am 8. Oktober 2010 der Friedensnobelpreis verliehen wurde? Seine Ehefrau steht seither unter Hausarrest, es sind nun schon mehr als drei Jahre.

          Die letzte Nachricht, die wir von Liu Xia haben, ist eine Szene, die sich vor ihrem Haus abgespielt hat: Anfang Oktober 2013 kamen mehrere Freundinnen zu ihrer Wohnung in Peking im Bezirk Haidian. Der Wohnblock wird scharf bewacht, sie konnten nur bis zu einer Absperrung vordringen. Eine von ihnen rief laut: „Liu Xia!“ Liu Xia hörte wahrscheinlich diesen Ruf, sie öffnete jedenfalls ein Fenster und schaute herab. Eine Freundin winkte und rief: „Wie geht es Xiaobo?“ Liu Xia antwortete schluchzend: „Xiaobo geht es von unserer Familie am besten.“ Dann weinte sie nurmehr. Die Freundinnen wurden von Polizisten abgedrängt und konnten nicht zu ihr gelangen.

          Meistens fährt sie am Monatsende

          Diese einfache, erschütternde Antwort deutet sehr viel an. Liu Xia ist die Ehefrau eines der bekanntesten politischen Gefangenen unserer Zeit. Am 26. Mai 2010 wurde Liu Xiaobo aus dem Untersuchungsgefängnis Nr. 1 in Peking ins Gefängnis von Jinzhou in der Provinz Liaoning verlegt, für den Rest seiner elfjährigen Haft. Liu Xia darf ihn einmal im Monat besuchen, das Gefängnis liegt etwa fünfhundert Kilometer nördlich von Peking. Sie fährt „in Begleitung“, ein amtliches Fahrzeug wird gestellt. Gelegentlich erfolgt die Fahrt mit dem Zug, zur Überwachung wird dann ein ganzes Abteil reserviert.

          Meistens fährt sie am Monatsende. Trotz der langen Anfahrt darf sie ihren Mann jeweils nur für eine halbe Stunde sehen. In den ersten beiden Jahren war es nach unseren Informationen so, dass sich die beiden am Anfang umarmten und dann unter den Augen der Beamten an einem Tisch saßen und miteinander redeten.

          Grund genug für eine Unterbrechung

          Seit mehr als einem halben Jahr jedoch darf Liu Xia zwar immer noch einmal pro Monat zu ihrem Mann, aber ihre Gespräche werden schärfer überwacht und sehr oft unterbrochen. Abgesehen von seinem und ihrem Gesundheitszustand, gibt es nicht viel, worüber die beiden miteinander sprechen dürfen.

          Schon seit mehr als zwei Jahren darf Liu Xia ihrem Mann keine Briefe direkt überreichen. Zuerst ging das noch über seinen Rechtsanwalt, aber heute wird er nicht mehr zu Liu Xiaobo vorgelassen. Im Herbst 2012, als dem chinesischen Schriftsteller Mo Yan der Nobelpreis für Literatur zugesprochen wurde, wollte Liu Xia ihrem Mann, der früher Literaturkritiker war, diese Nachricht überbringen. Aber als sie den Namen „Mo Yan“ über die Lippen brachte, wurden die beiden sofort unterbrochen. [„Mo Yan“ ist ein Pseudonym und bedeutet ungefähr „Sprich nicht“, „Keine Worte“ oder auch „Reden wir nicht darüber“, Anm. d. Übers.] Demnach weiß der inhaftierte Liu Xiaobo immer noch nicht, dass Mo Yan den Nobelpreis 2012 erhalten hat, und er durfte auch nicht erfahren, dass Liu Xias jüngerer Bruder Liu Hui, der seine Schwester versorgt hatte und zumindest in geringem Maß immer wieder Informationen über die beiden weitergeben konnte, am 16. August 2013 wegen „Wirtschaftsbetrugs“ ebenfalls zu elf Jahren Haft verurteilt worden ist.

          Es bleibt ihr nur, ans Fenster zu treten

          Liu Xia darf ihre Eltern, die schon recht alt sind, jede Woche einmal besuchen. Dorthin gebracht und zurückbefördert wird sie in einem amtlichen Fahrzeug. Daheim sieht sie nun auch oft ihre Schwägerin, deren Mann seine lange Gefängnisstrafe abzusitzen hat.

          Liu Xia leidet an einer Herzkrankheit, sie hat oft starke Schmerzen, aber sie darf nicht einfach einen Arzt ihres Vertrauens aufsuchen. Sie weiß nicht genau, wie es ihr geht, und bekommt keine ihrer Erkrankung entsprechende Behandlung. Außerdem will sie nicht essen, nicht nur aus Appetitlosigkeit, sondern auch aus Abscheu. Sie kann nur immer wieder lesen und rauchen, um sich die Zeit zu vertreiben.

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