02.09.2005 · Ohne eigene Kinder könne Angela Merkel keine glaubhafte Familienpolitik betreiben, suggeriert Doris Schröder-Köpf. Dabei weiß niemand besser als die Kanzlergattin selbst, was es heißt, für Welten zu sprechen, in denen man eigentlich nichts zu sagen hat.
Von Christian GeyerMan spricht in der Politik im Moment viel über den „Dreh“. Politik, deren Spaßfaktor sich von Haus aus aufs Beifahren im Ministerpanzer erschöpft, wird im Dreh erst schön. Doris Schröder-Köpf hält naturgemäß dafür, daß ihr Mann dem Lauf der Dinge jenen Dreh geben kann, der Rot-Grün gegen alle Erwartung doch noch gewinnen läßt.
Politik und Politik des Drehs - das ist für den Kanzler freilich immer schon ein und dasselbe. Das Coupmäßige ist gleichsam das Markenzeichen seines Regierens geworden, im Hangeln von Coup zu Coup entgeht Schröder der unendlichen Ödnis des prozeduralen Geschäfts, mit dem ihn die Demokratietheoretiker lähmen und langweilen wollen. Daß der Kanzler ihnen allen eine Nase drehen kann und er dabei der Demokratie als taufrischer Dreh erhalten bleibt, darauf achtet niemand so zuverlässig wie seine Frau, Doris Schröder-Köpf.
Ein paar erfrischend bösgemeinte Sätze
Sie hat die Drehs, mit denen sich das politische Tagesgeschäft anreichern läßt, oft schon im Kopf, lange bevor ihr Mann nach ihnen verlangt. Wenn auf den ausgetretenen Wegen der Legislaturperiode alles verbaut scheint, macht sie immer noch ein paar neue Philipp-Holzmänner ausfindig, vor denen ihr Mann sich drehen und sagen kann: Fürchtet euch nicht, ich reiß' das Ruder schon wieder rum! Weiß man, wer als erster den feinen Faden der vorgezogenen Neuwahlen drehte, auf den sich dann nach und nach alle Verfassungsorgane der Republik ordentlich reihten? Richtig, die Gerüchte, daß Doris Schröder-Köpf es war, die die Dinge in eine unvorhergesehene Richtung drehte, wurden heftig, aber wenig glaubhaft dementiert.
Nun hat sie ihrem eigenen Amt, dem der Kanzlergattin, einen Dreh verpaßt. Des für Kanzlergattinnen vorgesehenen Freundlichguckens unendlich müde, schaltete sie sich direkt in den Wahlkampf ein. Mit ein paar erfrischend bösgemeinten Sätzen suchte sie das Duell von Frau zu Frau und griff Angela Merkel persönlich an.
Eher spielerisch
Verfassungsrichter mögen ausloten, inwieweit diese agonale Asymmetrie (Kanzlergattin vs. Kanzlerkandidatin) jenseits der eingespielten institutionellen Gepflogenheiten schon in Ordnung geht oder das Gefüge des Grundgesetzes sprengt. Doris Schröder-Köpf schien sich, durch jüngste Erfahrungen höchstrichterlicher Rechtsprechung gewitzt, jedenfalls sicher: Karlsruhe würde auch ihr keine Steine in den Weg legen, wenn sie ihre Welt einmal kurz und herzhaft gegen Frau Merkels Welt dreht. So gab sie ihrem Mann jetzt mit der Bemerkung Deckung: „Frau Merkel verkörpert mit ihrer Biographie nicht die Erfahrungen der meisten Frauen. Die beschäftigt, wie sie Familie und Job unter einen Hut bekommen, ob sie nach der Geburt für mehrere Jahre aussteigen wollen oder wie sie ihre Kinder am besten erziehen. Das ist nicht Merkels Welt.“
Doris Schröder-Köpf trägt ihren in der Sache kaum zu bestreitenden Einwand nicht verbissen, sondern eher spielerisch vor. Sie weiß ja von sich selbst, daß oft schon ein kleiner Dreh genügt, um für Welten zu sprechen, in denen man von Haus aus nichts zu sagen hat.