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Dokumentefund : Adenauers Entdecker

  • -Aktualisiert am

In puncto Entnazifizierung radikaler als bisher bekannt: Konrad Adenauer in den 40er Jahren Bild: AP

Ulrich Biel war über Jahrzehnte hinweg eine graue Eminenz der Berliner Politik. Als amerikanischer Hauptmann entdeckte er Konrad Adenauer. Jetzt ist in der Berliner Staatskanzlei ein Bericht über die Treffen der beiden aufgetaucht. Adenauer erscheint hier in einem neuen Licht.

          Müllerstraße/Ecke Limburger Straße liegt das Rathaus Wedding, ein 1930 eingeweihter Bau des Berliner Stadtbaurates Martin Wagner, ein ordentlicher Klinkerbau im Stil der Neuen Sachlichkeit, daneben ein Erweiterungsbau im Stil der siebziger Jahre, erbaut von Fritz Bornemann, der die Deutsche Oper baute. Das Rathaus Wedding ist kein Bezirksrathaus mehr; seit der Bezirksreform 2001 gehört man zum Bezirk Mitte, die Bezirksverordneten tagen weiter südlich, im Rathaus Tiergarten am Mathilde-Jacob-Platz, benannt nach einer Sekretärin der Rosa Luxemburg. Auch vor dem Rathaus Wedding befindet sich eine kleine Platzanlage, doch ist sie namenlos. Ginge es nach der lokalen CDU, die am einstigen „Roten Wedding“ naturgemäß einen schweren Stand hat, hieße der Platz nach Ulrich Biel; zu seinem siebenundneunzigsten Geburtstag, am 17. Mai 2004, sollte er benannt werden.

          Doch auch zu dem hundertsten Geburtstag am morgigen Himmelfahrtstag wird kein Platz und keine Straße an Ulrich Biel erinnern; immerhin hatte ihm das Land Berlin Ende der siebziger Jahre eine seiner höchsten Auszeichnungen verliehen, die Ernst-Reuter-Plakette. Für die lokalen Bezirksverordneten ist dies offenbar Ehrung genug; sie wollen bei künftigen Straßennamen nur Frauen berücksichtigen, bis ein Geschlechterproporz auf den Schildern erreicht ist.

          Heimlicher Stadtregent

          Als Ulrich Biel Mitte der neunziger Jahre dem Mäzen und späteren Ehrenbürger Heinz Berggruen vorgestellt wurde, fragte dieser, was Biel denn die letzten Jahrzehnte gemacht habe. Die trockene Antwort, fast lapidar: „die Stadt regiert“. Wie das? Im Westteil Berlins regierten bis 1990 zuallererst die alliierten Stadtkommandanten. Biel war 1945 mit der Armee der Vereinigten Staaten im Range eines Hauptmanns nach Deutschland zurückgekehrt. Er trat in den Dienst des State Departement über und entschloss sich 1952, die deutsche Staatsbürgerschaft wieder anzunehmen, in Berlin zu bleiben und mit fünfundvierzig Jahren das Assessorexamen abzulegen. Fortan lebte Biel als Rechtsanwalt und Notar in Berlin, eine graue Eminenz, Fäden im Hintergrund ziehend und um das Wohl der Stadt besorgt. Mit der Landgerichtsdirektorin Marion Gräfin Yorck von Wartenburg bewohnte Biel ein Haus in Dahlem.

          Am 17. Mai 1907 wurde Biel im damals selbständigen Charlottenburg als Ulrich Bielschowsky geboren. Die Familie stammte wie bei vielen echten Berlinern aus Schlesien, er war Sohn eines Rechtsanwaltes und studierte seinerseits in Genf, Bonn und Berlin Jura. Die nationalsozialistischen Rassengesetze verhinderten die Justizlaufbahn; die Bonner Fakultät war 1934 noch so mutig, Biel eine zivilistische Promotion zu ermöglichen. Im selben Jahr emigrierte er nach New York. Anders als bei späteren Kriegen planten die Vereinigten Staaten schon sehr konkret für die Zeit nach dem Krieg und sammelten in „Weißen Listen“ Daten über unbelastete Deutsche, denen beim Wiederaufbau eine führende Stellung zukommen sollte. Biel wurde als Berater des Generals Patton eingesetzt und kann für sich wohl das Verdienst beanspruchen, als ein Headhunter avant la lettre Konrad Adenauer für die deutsche Nachkriegspolitik entdeckt zu haben.

          Adenauer bedauert sein schlechtes Englisch

          Adenauer selbst hat seine Begegnung mit Biel am 16. und 17. April 1945 in seinen Erinnerungen kurz erwähnt; Biel erscheint dort namenlos als „ein amerikanischer Offizier, ein jüdischer Emigrant, der meinen Namen kannte“. In der Forschung zu Adenauer taucht Biel nicht auf; auch Hans-Peter Schwarz erwähnt ihn in seiner Biographie nicht. Eine Abschrift des Berichtes, den Biel für seinen Vorgesetzten erstellte, findet sich an einem unerwarteten Ort, nämlich in den Akten der für Ordensverleihungen zuständigen Berliner Senatskanzlei. Dort wurde eine Akte zu Biel Ende der siebziger Jahre angelegt, als er für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen wurde. Sie wird hier erstmals zitiert.

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