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Robotik-Spezialist Sebastian Thrun Verändert er die Welt?

 ·  Der Deutsche Sebastian Thrun gründete Googles geheimes Forschungslabor „X“, entwickelte Autos ohne Fahrer und brachte die Computerbrille „Glass“ auf den Weg. Nun hat er sich vorgenommen, die Bildung zu revolutionieren. Ein Besuch im Silicon Valley.

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© Archiv Vergrößern Es trinkt nicht, es erschrickt nicht, irgendwann soll es sicherer fahren als der Mensch: Sebastian Thrun entwirft das fahrerlose Auto

Die Büroräume von Sebastian Thruns neuestem Projekt, der Online-Universität „Udacity“, liegen im Erdgeschoss eines zweistöckigen Gebäudes am El Camino Real. „Udacity“ ist abgeleitet vom englischen „audacious“, wagemutig, das Gebäude sieht aus wie eine Vorstadt-Bankfiliale. Durch eine verglaste Tür geht es in ein Großraumbüro mit integrierter Küche und beachtlichem Getränkelager (auch Bier), in dem lauter junge Leute hinter Apple-Computern sitzen. Es herrscht die Garagenatmosphäre eines Start-up-Unternehmens, die offenbar nirgendwo inspirierender empfunden wird als im Silicon Valley.

In einem Stuhlkreis mit Sofa sitzt, die Arme auf der Rückenlehne ausgebreitet, Sebastian Thrun, fünfundvierzig Jahre alt und einer der innovativsten Menschen der Welt, geboren in Solingen. Man sieht ihn selten ohne ein freundliches Lächeln, das aber unvermittelt in sehr ernste Konzentration übergehen kann. In dem klimatisierten Raum trägt er braune Cordhose, T-Shirt und ungeputzte schwarze Business-Schuhe, springt auf, stellt ein halbes Dutzend Leute vor und macht sich anschließend einen Spaß daraus, den Namen des Ersten abzufragen.

Wir beginnen mit einer Spritztour zum Google-Komplex im nahe gelegenen Mountain View, wo wir eine Testfahrt mit einem der self-driving cars des Technologieunternehmens machen wollen. Thruns privater Nissan Leaf, ein Elektroauto der Kompaktklasse, zieht auf der Straße erstaunlich an, was Thrun, während er ruhig weiterspricht, auf gelegentlich beängstigende Weise auskostet. Es liegt etwas Asynchrones in seinem Wesen, das sich auch in seinem schnellen, sich gelegentlich überschlagenden Sprechen bemerkbar macht.

Seit fast zehn Jahren lebt Thrun im Silicon Valley und preist die Dichte an interessanten Leuten in der Gegend, wobei die wirklich guten eher bei Google oder Apple arbeiteten als an der Universität. Er selbst hat für beide gearbeitet, zeitweilig sogar parallel. „Washington ist weit, das ist sehr angenehm“, man sei unabhängig und könne sich ganz der Innovation widmen, der „Innovation für Menschen“. Im Silicon Valley könne man „alles, wirklich alles in Frage stellen“.

Das vorübergleitende Straßennetz mit Bäumen, Parkplätzen und Bürogebäuden ist derart monoton, dass man irgendwann, fast wie bei einer Entführung, die Orientierung verliert. Thrun macht ein Telefonat zur Feinabstimmung, und plötzlich begegnen uns lauter weiße Geländelimousinen mit Dachaufsatz, die wegen der geschlitzten Fensterfronten an die Klon-Krieger in „Star Wars“ erinnern. Wie Insekten schwärmen sie aus einer Ausfahrt heraus, in die wir hineinfahren, direkt vor eine geöffnete Halle, ein Allerweltsgebäude. Wieder ist alles voller junger Leute in Freizeitkleidung, einer trägt wie selbstverständlich die von vielen ersehnte Google-Brille. Hier also werden die Autos der Zukunft entwickelt - nicht die sparsamsten, aber die intelligentesten.

Jetzt fährt der Computer das Auto

Bei den self-driving cars ist Google inzwischen vom Toyota Prius auf den Lexus RX umgestiegen. War bei den frühen Modellen noch der Koffer- und vordere Fahrraum mit Technik vollgepackt, liegt heute nur noch ein einfaches Laptop verkabelt auf dem Beifahrersitz. Auf einer Mittelkonsole befindet sich neben einem grünen Startknopf ein großer roter, der den Fahrbetrieb von Autopilot auf manuell umstellt. Auf dem Dach thront ein Laserscanner, mehrere Sensoren und Kameras sind über das Fahrzeug verteilt.

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